Freitag, 29. Januar 2016

Jahresrückblick 2015

Hallo ihr lieben Bücherwürmer!
Wie immer viel zu spät, gibt es heute einen kleinen Rückblick auf das vergangene Lesejahr. 

2015 habe ich das erste Mal mit einer Leseliste gearbeitet, was recht erfolgreich war. Hier findet ihr bereits meinen Rückblick auf die Leseliste und meine Erfahrungen damit. Kurz gesagt: Im vergangenen Jahr habe ich mich bewusst wieder mehr auf Leseempfehlungen konzentriert und dabei viele ältere, bewährte Bücher gelesen, die mir überdurchschnittlich gut gefallen haben. Die Neuerscheinungen sind dabei etwas in den Hintergrund getreten (worüber ich kein bisschen traurig bin) und ich konnte mich auf ein paar ausgewählte Highlights konzentrieren, denen ich dann auch jeweils sehr entgegengefiebert habe.

Und jetzt ein paar Zahlen ...
Im Jahr 2015 habe ich insgesamt 16774 Seiten gelesen, das sind ca. 1398 Seiten pro Monat und 46 Seiten pro Tag. Bei meiner durchschnittlichen Lesegeschwindigkeit von etwa 60 Seiten pro Stunde habe ich also jeden Tag des Jahres etwa eine Dreiviertelstunde mit Lesen verbracht. Damit bin ich sehr zufrieden und werde mir für 2016 das gleiche Leseziel stecken.

Die gelesenen Seiten verteilen sich auf folgende 52 (plus 3 abgebrochene) Bücher: 

Januar:
01.) Patrick Ness - New World I: Die Flucht, 544 Seiten
02.) Grégoire Delacourt - Alle meine Wünsche, 128 Seiten
03.) Lauren Oliver - Panic, 368 Seiten 
04.) Anton Tschechow - Die Dame mit dem Hündchen, 65 Seiten
05.) Martin Suter - Die Zeit, die Zeit, 304 Seiten 

Februar:
06.) Joyce Maynard - Das Leben einer anderen, 320 Seiten
07.) Christoph Scheuring - Echt, 256 Seiten
08.) John Steinbeck - Von Mäusen und Menschen, 128 Seiten 
09.) Solomonica de Winter - Die Geschichte von Blue, 288 Seiten 
10.) Kristin Cashore - Die Beschenkte, 496 Seiten 

März:
11.) Rachel McIntyre - Sternschnuppenstunden, 304 Seiten
12.) Ava Dellaira - Love Letters to the Dead, 416 Seiten
13.) Meg Rosoff - Was ich weiß von dir, 272 Seiten
14.) Lucy Dillon - Das kleine große Glück, 544 Seiten

April:
15.) Matthew Quick - Die Sache mit dem Glück, 336 Seiten
16.) David Levithan - Hold Me Closer. The Tiny Cooper Story (engl.), 208 Seiten  
17.) Susan Juby - Der Tag, als wir begannen, die Wahrheit zu sagen, 352 Seiten
18.) Ian McEwan - Honig, 448 Seiten 
19.) Karolin Kolbe - 17 Briefe oder der Tag, an dem ich verschwinden wollte, 192 Seiten
(Liv Marit Weberg - Zum Glück bemerkt mich niemand ... abgebrochen nach ca. 115 Seiten) 

Mai:
(Lisa Fiedler - Mouseheart: Die Prophezeiung der Mäuse, abgebrochen nach 55 Seiten)
20.) Bettina Belitz - Mit uns der Wind, 400 Seiten
(Emmy Laybourne - Monument 14, abgebrochen nach ca. 80 Seiten)

Juni:
21.) Patrick Ness - New World II: Das dunkle Paradies, 576 Seiten
22.) Bärbel Muschiol - Ein dekadentes Angebot, 42 Seiten
23.) James Patterson & Emily Raymond - Heart. Beat. Love., 320 Seiten 

Juli:
24.) Patrick Ness - New World III: Das brennende Messer, 640 Seiten
25.) John Green - Margos Spuren (reread), 336 Seiten
26.) Doris Dörrie - Diebe und Vampire, 224 Seiten
27.) Kiera Cass - The Heir (engl.), 368 Seiten 

August:
28.) Antonia Michaelis - Der letzte Regen, 608 Seiten
29.) Patrick Marber - Closer (engl., reread), 120 Seiten
30.) Sophie Kinsella - Schau mir in die Augen, Audrey, 384 Seiten 
31.) Dave Eggers - Der Circle, 560 Seiten 

September:
32.) Valentina Fast - Royal 1: Ein Leben aus Glas, 197 Seiten 
33.) J.W. Ironmonger - Das zufällige Leben der Azalea Lewis, 432 Seiten
34.) Cecilie Enger - Die Geschenke meiner Mutter, 272 Seiten 
35.) Kathrin Lange & Stefanie Heindorf - Bruderliebe, 316 Seiten 

Oktober:
36.) Kristin Cashore - Die Flammende, 510 Seiten
37.) Anton Tschechow - Der Kirschgarten, 94 Seiten 
38.) J.K. Rowling - Harry Potter und der Stein der Weisen (Schmuckausgabe), 256 Seiten
Hörbuch: Elke Heidenreich & Marcel Reich-Ranicki - Wozu lesen?, 82 Minuten
39.) Carolin Kebekus - Pussyterror, 160 Seiten 
40.) Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray, 352 Seiten 
41.) Art Spiegelman - Die vollständige Maus, 300 Seiten 
42.) J.R.R. Tolkien - Der Hobbit, 391 Seiten 

November: 
43.) Hubertus Rufledt - Alisik I:Herbst (reread), 112 Seiten
44.) Hubertus Rufledt - Alisik II: Winter, 92 Seiten
45.) Hubertus Rufledt - Alisik III: Frühling, 96 Seiten
46.) Hubertus Rufledt - Alisik IV: Tod, 92 Seiten
47.) J.K. Rowling - Harry Potter und die Kammer des Schreckens (reread), 352 Seiten
48.) Emily Brontë - Sturmhöhe, 464 Seiten

Dezember:
49.) Antonia Michaelis - Nashville, 480 Seiten 
50.) Jean-Paul Didierlaurent - Die Sehnsucht des Vorlesers, 224 Seiten 
51.) Kristin Cashore - Die Königliche, 567 Seiten
52.) Jeff Kinney - Gregs Tagebuch 10: So ein Mist!, 218 Seiten 



Kommen wir nun zu meinen Jahreshighlights:

Romane


Ganz vorne standen bei mir im vergangenen Jahr die Romane. Ein unglaublich intensives Leseerlebnis, über das ich noch lange nachdenken musste, hat mir dabei "Der Circle" von Dave Eggers bereitet. Gerne würde ich das Buch allen, die sich regelmäßig in der virtuellen Welt aufhalten, als Pflichtlektüre in die Hand geben, um ihr Online-Verhalten einmal kritisch zu hinterfragen. Ganz im Stil von "1984" schildert der Roman nämlich äußerst überzeugend eine Zukunft, die gar nicht mehr so fern zu sein scheint.
 
2015 habe ich mich vermehrt wieder mit Klassikern auseinandergesetzt. Von allen am meisten beeindruckt hat mich "Das Bildnis des Dorian Gray" von Oscar Wilde. Nachdem ich auf den ersten 20% des Buches eher skeptisch war und meinen Zugang zum Buch noch nicht gefunden hatte, konnte mich der Mix aus Krimi, philosophischen Fragen und Londoner Unterwelt schnell nicht mehr loslassen. Und bald merkte ich auch gar nicht mehr, dass ich gerade einen Klassiker las, sondern einfach nur ein immer noch sehr relevantes Buch.

Eine meiner Lieblingsautorinnen, Antonia Michaelis, konnte mich in diesem Jahr gleich wieder mit zwei Büchern begeistern. Atmosphärisch dicht, spannend und mystisch kommt "Der letzte Regen" daher, eins ihrer ersten Bücher (oder sogar das erste?) für Erwachsene. In diesen Strudel aus Halb-Wahrheiten von Regenmachern, verschwommenen Erinnerungen und Todestagen habe ich mich gern hineinziehen lassen. Auch der Roman "Nashville oder Das Wolfsspiel", zwischen Medizinstudenten und Obdachlosen in Tübingen angesiedelt, konnte mich mit seinem thrillerartigen Verwirrspiel absolut überzeugen.

"Die Geschichte von Blue" ging mir sehr nahe. Die erst 17jährige Autorin Solomonica de Winter lässt ihre Protagonistin in Monologen an einen Therapeuten erzählen, welche Liebe sie zu dem Buch "Der Zauberer von Oz" entwickelt hat. Und warum sie dafür über Leichen geht.



"Anspruchsvolle" Jugendbücher 

 

Auch den Jugendbüchern bin ich im vergangenen Jahr treu geblieben, aber doch sehr viel wählerischer geworden. Auf von den Verlagen hochgehypte Reihenauftakte, die man bald auf allen Kanälen sehen konnte, hatte ich gar keine Lust mehr und habe mir stattdessen ganz gezielt die Bücher herausgepickt, auf die ich richtig Lust hatte. Übrigens fast alles in sich abgeschlossene Bände. :-)

Sehr angesprochen hat mich das Programm des neuen Magellan-Verlags und ein besonders emotionales Highlight daraus war in meinen Augen "Sternschnuppenstunden" von Rachel McIntyre. Das Tagebuch eines Mobbingopfers rüttelt wach, zeigt, welcher Willkür die Betroffenen meist ausgeliefert sind, und setzt damit ein wunderbares Statement, wie wichtig Zivilcourage in unserer Gesellschaft ist.

Wie immer top unterhalten konnte mich der Script5-Verlag. Bettina Belitz, ebenfalls eine meiner Lieblingsautorinnen, hat mich in "Mit uns der Wind" mit einer narkoleptischen Protagonistin auf einen turbulenten Trip zum Rock-am-Ring-Festival mitgenommen, in "Das zufällige Leben der Azalea Lewis" hat mich J. W. Ironmonger mit seiner Statistik von Zufällen und der Schicksalstheorie schwer begeistert.

Schon ewig auf meiner Lektüreliste stand die Trilogie "New World" von Patrick Ness. Die große Seitenzahl hatte mich bisher immer abgeschreckt, aber nun bin ich froh, dass ich es endlich gewagt habe! Besonders faszinierend fand ich hierbei, wie realistisch Patrick Ness zum einen seine Dystopie aufbaut, und wie selbstverständlich es bald ist, dass man die Gedanken aller Personen hören kann. Das größte Plus hat er aber dafür verdient, wie nah Gut und Böse in seinem Roman doch oft beieinanderliegen: Denn selbst die Handlungen der "Bösen" konnte ich immer sehr gut nachvollziehen und wusste oft nicht, wem ich trauen soll. Und die "Guten" haben selbstverständlich ihre Fehler und sind bei weitem nicht die übermächtigen Helden, wie man sie sonst oft präsentiert bekommt.



Graphic Novels 


Ein neues Terrain betreten habe ich im Jahr 2015 mit den Graphic Novels. Für mich waren das früher eher "ausgebaute Comics", man kann sie aufgrund ihrer Größe nicht so bequem überall mit hinnehmen und überhaupt wusste ich nicht, mit welchen Büchern ich loslegen sollte. Diese Vorurteile konnte ich in den letzten Monaten aber erfolgreich abbauen und ich plane, mir in diesem Jahr definitiv weitere Graphic Novels zuzulegen. Da ich mich hier aber immer noch nicht besonders gut auskenne, würde ich mich über ein paar "Beginner-Tipps" echt freuen! :-)

Wunderschön gezeichnet und mit einer schaurig-süßen Geschichte hat mich der Vierteiler "Alisik" von Hubertus Rufledt verzaubert. Die Charaktere waren allesamt so detailverliebt dargestellt, dass ich schnell in die Welt von Alisik und ihren Freunden abtauchen und die morbide Friedhofs-Atmosphäre sehr genießen konnte. Dazu kamen viele Randnotizen des Todes, "Interludien" und Auszüge aus den Gesetzesblättern der Totenwächter, die erahnen ließen, wie viele Gedanken sich der Autor rund um die Alisik-Welt gemacht hat.

Weitaus ernster ging es jedoch in "Die vollständige Maus" von Art Spiegelman zu, der die Vergangenheit seines Vaters während der Nazi-Zeit aufarbeitet. Die schrecklichen Geschichten von KZ und Judenverfolgung kennt natürlich jeder, in Form von Mäusen (Juden) und Katzen (Nazis) habe ich mir das aber noch nie vorgestellt. Am liebsten waren mir allerdings die Passagen, wenn Art Spiegelman direkt die Entstehung seiner Graphic Novel thematisiert und erzählt, wie er seinem Vater die einzelnen Geschichten entlockt und was die schrecklichen Erlebnisse auch Jahrzehnte später noch mit dem Überlebenden anrichten. 



Und ihr so?

Das waren also meine Lesehighlights 2015. Haben euch im vergangenen Jahr ähnliche Bücher beeindrucken können? Oder seid ihr ganz anderer Meinung? 

So oder so wünsche ich euch ein tolles Lesejahr 2016 und viele gute Bücher! 

Wie immer alles Liebe 

Eure Bücherdiebin

Kommentare:

  1. Ich habe zwar noch keines deiner Highlights gelesen, aber zumindest "Sternschnuppenstunden" steht schon auf meiner Wunschliste ;)
    2015 habe ich viele gute Bücher gelesen - das letzte war wohl im Dezember "Der Marsianer". Zwar kein Geheimtipp mehr, aber mich hat es beeindruckt, dass ich endlich mal mein Chemiewissen irgendwo angewendet gesehen habe :D

    Viel Spaß auch weiterhin mit deinen Büchern!
    Tessa

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    1. Wie, noch keins? :-) Das musst du dann aber dringend nachholen, "Sternschnuppenstunden" kann ich sehr empfehlen!

      Den "Marsianer" hatte ich auch schon öfter in der Hand, bin dann aber doch jedes mal zurückgeschreckt - eben gerade, weil es so viele wissenschaftliche Passagen geben soll. Umso cooler, wenn du dich da auskennst! :-)

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    2. Auskennen ist stark übertrieben ;) Ich hatte nur endlich einen vernünftigen Grund warum man in Chemie solche verrückten Formeln lernen muss. Falls man also jemals auf dem Mars alleine zurückbleibt, dann ist es nicht schlecht, wenn man vorher in Chemie aufgepasst hat :D So ungefähr war meine Erleuchtung ;)

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    3. Haha, so gut wie ich in Chemie aufgepasst habe, wäre ich auf dem Mars sowas von verloren. ;-)

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