Dienstag, 15. Dezember 2015

[Rezension] Antonia Michaelis - Der letzte Regen

Ein Roman über den Regen, die Liebe und ein Huhn.


Fakten rund ums Buch:
Genre: Roman
Originaltitel: -
Verlag: Wißner
Ausgabe: Hardcover
Seitenzahl: 608
erschienen: Februar 2009
Preis: (nur noch gebraucht erhältlich)


Er holte die Milch aus dem Kühlschrank und sah den Zettel, und mit einem Schlag war die ganze schöne Normalität wie weggewischt. Jemand hatte das Datum unterstrichen. Mit blauer Tinte. Arend legte den Finger darauf: Die Tinte war noch feucht. Jemand war hier gewesen. Doch es war niemand da gewesen, er wusste es genau.


Klappentext:

20. August 2006. VORSICHT! steht auf dem Zettel an Arends Kühlschrank. Aber wer hat den Zettel dort hingehängt? Der seltsame Herr Kaftan, der durchs Fenster der Hamburger Souterrainwohnung einsteigt? Der drahtige kleine Mann, der unerwartet in Arends Büro auftaucht und ihn bedroht? Oder die blasse junge Frau, die er plötzlich überall trifft? Und wieso sind so viele Leute plötzlich der Meinung, das Datum wäre sein Todestag?

Arend gerät immer tiefer in den Strudel einer Geschichte, die begann, als er noch ein Kind war. Es ist eine Geschichte voller Regen, Erinnerungen und Geheimnisse – und voller Beerdigungen. Eine gefährliche Geschichte. Arend bleibt genau ein Monat, um herauszufinden, was am 20. August geschehen wird.

Und ob er es verhindern kann.


Meine Meinung:

Seit dem "Märchenerzähler" bin ich ein großer Fan der Autorin Antonia Michaelis. Auch ihre nachfolgenden Bücher "Die Worte der weißen Königin", "Solange die Nachtigall singt" und "Niemand liebt November", die ich alle in die Kategorie "anspruchsvolle Literatur für junge Erwachsene" ordnen würde, haben mir sehr gefallen. Zwangsläufig bin ich daher irgendwann auf "Der letzte Regen" gestoßen, das bereits 2009 veröffentlicht worden ist (zu einer Zeit, in der die Autorin noch hauptsächlich Kinderbücher geschrieben hat) und mittlerweile leider nur noch antiquarisch zu erhalten ist.

In der Jetzt-Zeit der Geschichte hat Protagonist Arend bereits die 30 überschritten, weswegen ich das Buch nicht ausschließlich als Jugendbuch bezeichnen würde. Es gibt aber einen parallelen Erzählstrang mit Rückblicken zu seiner Kindheit und Jugend, der nicht weniger ausführlich ist und gegen Ende des Buches mit dem aktuellen Geschehen zusammenläuft.

Die Atmosphäre des Buches ist wahnsinnig dicht. Richtig gut gefallen hat mir, wie ich durch Arends Augen die Stadt Hamburg kennenlernen durfte. Toll waren aber auch die mystischen Elemente mit allem, was mit dem Regen zusammenhängt. Diese hatte ich nach Lesen des Klappentextes erst gar nicht erwartet, aber sie fügten sich gut in das reale Geschehen ein.

Antonia Michaelis führt ihre Leser oft an der Nase herum, was Wahrheit und Fiktion in ihrem Buch anbelangt. Auf diesen Strudel aus Halb-Wahrheiten muss man sich erst einmal einlassen (und sollte sehr aufmerksam lesen!), aber dann verfolgt man gebannt das Geschehen und möchte unbedingt wissen, was sich wirklich zugetragen hat. Auf 600 Seiten schafft die Autorin es leider nicht ganz ohne die eine oder andere Wiederholung im Geschehen, was an wenigen Stellen etwas langatmig wirken kann, aber das ist eindeutig zu verschmerzen! Ergänzt wird die Erzählung mit sogenannten "Fundstücken" von Bernhard Ludewig - kleinen Fotografien aus Arends Welt, die das Geschehen toll unterstützenund noch greifbarer machen. 


Mein Fazit:

Atmosphärisch dicht, spannend, mystisch, auch für ältere Leser top. Fans von Antonia Michaelis sollten definitv zugreifen! 9 von 10 Bücherdiebinnen.


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