Samstag, 29. August 2015

[Kritik zur Literaturverfilmung] Margos Spuren

ACHTUNG: Die nachfolgende Kritik enthält massive Spoiler für alle, die das Buch "Margos Spuren" bzw. im Original "Paper Towns" von John Green noch nicht gelesen haben. Meine ausführliche Rezension zum Buch findet ihr hier. Alle, die sich vom Film noch überraschen lassen wollen, sollten den Absatz "Meine Meinung zur Umsetzung" überspringen. :-)


Zum Inhalt:

Seit seiner Kindheit verbindet Quentin (Nat Wolff) mit dem geheimnisvollen Nachbarsmädchen Margo (Cara Delevingne) ein Geheimnis: Damals fanden sie zusammen die Leiche eines Selbstmörders und noch am gleichen Abend war Margo an Quentins Fenster geschlichen, um ihm die Schlüsse aus ihren Nachforschungen zu präsentieren. Neun Jahre später haben sich die beiden längst auseinander gelebt, doch dann steht Margo erneut, als Ninja verkleidet, vor seinem Fenster. Sie will losziehen, um sich an denjenigen zu rächen, die sie enttäuscht haben. Quentin folgt ihr in das nächtliche Abenteuer, doch am nächsten Tag ist Margo plötzlich verschwunden. Das Mädchen, das schon öfter von Zuhause ausgerissen ist, bleibt dieses Mal unauffindbar und kann auch von der Polizei nicht ausgemacht werden. Aber sie hat Spuren hinterlassen, die nur für Quentin bestimmt zu sein scheinen. Also entschließt er sich, das Rätsel um Margo zu lösen und sie wiederzufinden.


Trailer:




Meine Meinung zu den Schauspielern:

Die beiden Hauptcharaktere Q (Nat Wolff) und Margo (Cara Delevingne) fand ich wirklich perfekt besetzt! Im Vorfeld hatte ich auf vielen Blogs gelesen, dass Fans des Buches mit der Besetzung von Cara Delevingne unglücklich waren, aber diese Meinung kann ich gar nicht teilen. Für mich hat sie die eigenwillige, abenteuerlustige und anstrengende Margo sehr gut verkörpert. Nat Wolff ist im Gegensatz dazu ein absoluter Sympathieträger und hat Qs Erwachsenwerden sehr nachvollziehbar auf die Leinwand gebracht.
Auch stimmig besetzt fand ich Qs Freunde Radar und Angela sowie Margos Freundin Lacey und ihre kleine Schwester Ruthie. Komplett anders (und vor allem größer^^) vorgestellt habe ich mir allerdings Ben. Trotzdem konnte ich auch mit der kleinen, quirligen Version "meines" Bens gut leben und er durfte im Kino definitiv die meisten Lacher für sich verbuchen.



[Spoilerwarnung] Meine Meinung zur Umsetzung:

Insgesamt empfinde ich den Sprung vom Buch auf die Kinoleinwand gut gelungen. Die ersten zwei Drittel des Films halten sich recht nah an das Buch und das tut der Geschichte sehr gut. Natürlich gibt es Kürzungen - z.B. fällt der Besuch von SeaWorld komplett unter den Tisch, ein Teil der Racheaktionen entfällt (obwohl Margo im Film noch ankündigt, dass jetzt 9 Stationen folgen werden, sind es doch weniger ^^) und Qs Suche nach Margos Aufenthaltsort gestaltet sich bei weitem nicht so aussichtslos wie im Buch - doch soweit konnte ich damit gut leben.

ABER: Im letzten Drittel des Films gibt es einige drastische Änderungen, mit denen ich ganz und gar nicht einverstanden war!
Im Buch liest Q einen Eintrag von Margo im Omnictionary, der da lautet: "the Population of Agloe will actually be one until May 29th at noon", woraus er schlussfolgert, dass sich Margo nach diesem Zeitpunkt umbringen könnte. Völlig überstürzt begibt er sich also mit seinen Freunden auf eine 20-stündige Autofahrt (wofür sie ihren Abschlussball schwänzen), um Margo zu retten. Im Film dagegen lautet der Eintrag lediglich, dass die Einwohnerzahl von Agloe ab sofort "1" betragen wird, und die Freunde fahren überstürzt los, damit sie noch rechtzeitig zu ihrem Abschlussball ZURÜCKkommen.
An dieser Stelle hat der Film für mich leider einen Großteil seiner Message verloren. In meinen Augen wächst Q gerade am Zusammenhalt seiner Freunde, die ihn - komme was wolle - bei der Suche nach Margo unterstützen und so auch alles stehen und liegen lassen um diese völlig verrückte Autofahrt mit ihm zu unternehmen. Im Film wird die Dramatik zusätzlich dadurch geschmälert, dass die Freunde einen Zwischenstopp einlegen, bei dem es nur noch um die Liebeleien von Ben und Radar geht. Wenn sie schließlich in Agloe ankommen und Margo nicht direkt finden, fahren die Freunde einfach ohne Q - der sich weiter nach Margo umsehen will - wieder zurück.
Für mich war diese Umänderung der Geschichte absolut unnötig und nicht nachvollziehbar. Die Tiefe und die Spannung, die das Buch hat, gehen so leider an einigen Stellen komplett verloren. 

Zu undeutlich war mir auch der "Schlüsselmoment" des Buches - dass Margo von dem Fund der Leiche als Kind so verstört gewesen ist, dass sie ihr Leben immer wieder in Frage stellt. Im Buch bezieht sie sich in ihrer "Schlussrede" mehrfach darauf, während dies im Film mit keiner Silbe mehr erwähnt wird und man sich selbst zusammenreimen muss, warum die Szene zu Beginn des Films überhaupt gezeigt wurde.



Mein Fazit:

Der Film ist gute Unterhaltung mit vielen Lachern und eignet sich super für einen entspannten Filmabend mit Freunden. Auch die Schauspieler machen ihren Job gut und verkörpern glaubhaft ihre Rollen. Die tiefergehende Message des Buches geht allerdings im letzten Drittel ziemlich verloren und der Film mutiert stattdessen mehr und mehr zur Teeniekomödie. Die Bedeutung einiger Schlüsselmomente wird man sicherlich nur erkennen, wenn man das Buch vorher gelesen hat.

Kommentare:

  1. Stimme dir absolut zu. Mir gefiel die Verfilmung wieder recht gut, aber der tiefere Kern fehlte mir auch etwas. Für Leute, die das Buch nicht kennen, wird der Film womöglich etwas anders in Erinnerung bleiben.
    Aber was mir sehr gut gefiel, war die freundschaftliche Dynamik. Diese wurde sehr gut rübergebracht.

    Liebste Grüße,
    Sandy (Nightingale)

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    1. Das stimmt, die Dynamik der Freunde hat mir insgesamt auch gut gefallen! Umso schlimmer fand ich es dann nur, dass sie Q für den Abschlussball allein in Agloe lassen :-(
      Für mich war der Zusammenhalt der Truppe im Buch noch viel stärker.
      Liebste Grüße von der Bücherdiebin :-)

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  2. Hab den Film neulich gesehen und war positiv überrascht. Ich hatte eher erwartet ihn nicht so gut finden zu werden (ich war bei so einer Preview in Berlin, wo man schon mal 15 Minuten vom Anfang gesehen hat und die waren total aus dem Zusammenhang gerissen (das war die ganze Nacht- und Nebelaktion von Margo und Q) und Cara war auch da und mir total unsympathisch und den TFIOS Film fand ich zwar gut, aber irgendwie hat er für mich nicht den Ton des Buches getroffen). Auch Cara fand ich sehr passend für die Rolle, sie verkörpert allein mit ihrem Gesicht schon dieses Abgehobene, Übernatürliche. Auf jeden Fall habe ich total viel gelacht und fand den Film am Ende richtig schön und rund. Es ist schon wieder ein paar Jahre her, dass ich das Buch gelesen hab, deshalb sind mir die Abänderungen kaum aufgefallen. Es stimmt schon, dass bei diesem Zwischenstopp der Fokus auf die Romanzen gelegt wird, aber das fand ich soo süß. Überhaupt haben sie die 3 Freunde so toll gecastet und dargestellt, da hat mich das gar nicht gestört. Ich fand es auch gut, dass sie Q am Ende allein zurücklassen, also einfach weil man dann auch mal eine unsympathische Seite von ihm sieht, die ich trotzdem verstehen konnte, und weil er so begriffen hat, dass es um das Genießen der Momente geht und was er eigentlich für tolle Freunde hat. Die Buch-Variante finde ich in sofern besser, dass es mehr Sinn ergibt, warum sie Margo so dringend sofort suchen müssen.
    Übrigens hab ich gelesen, dass sie die Sea World Szene mit Absicht rausgenommen haben, weil sie dort nicht drehen wollten und damit einen Park wie Sea World unterstützen.
    Ich bin sehr gespannt wie jetzt als nächstes die Alaska Verfilmung wird. Ist mein liebstes Buch von JG und eigentlich will ich nicht, dass es auf die Leinwand kommt, aber wenn doch, dann hoffentlich so schön umgesetzt wie PT.

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    1. Oh stimmt, deinen Bericht von der Preview habe ich gelesen. Deine Erlebnisse da klangen tatsächlich etwas abschreckend. :-)

      Ich hatte Paper Towns diesen Sommer extra nochmal gelesen, da ich mich schon sehr auf den Film gefreut habe und die Wartezeit etwas überbrücken wollte. Daher sind mir die Unterschiede auch so gravierend aufgefallen und haben mich schon gestört. :-/ Selbst wenn ich den Film - nur für sich genommen - schon rund fand ... das Buch ist einfach viel tiefgründiger. *seufz*

      Findest du Q so unsympathisch, weil er weiter nach Margo suchen möchte? Ich fand die Szene, als er plötzlich allein in diesem fremden Kaff steht, einfach nur traurig und hatte wahnsinnig Mitleid mit ihm.

      Ach, das mit Sea World wusste ich nicht. Finde den Hintergrund aber sehr gut und nachvollziehbar. Dass die Szene fehlt, hat mich jetzt auch nicht sonderlich gestört. ;-)

      Ja, auf die Alaska-Verfilmung bin ich auch schon gespannt! Allerdings hoffe ich auch, das John Green seine Zeit jetzt nicht nur in die Filme steckt, sondern uns auch mal mit einem neuen Buch beglückt, hihi :-)

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    2. Ich fand Q nicht generell unsympathisch, nur als er am Ende in Aglo seine Freunde so anblafft. Da verhält er sich halt einfach arschig. Die stehen ihm die ganze Zeit zur Seite und dann macht er das, was ihnen wichtig ist (der Abschlussball) total runter. Ich konnte total verstehen, warum er so handelt, aber sympathisch fand ich ihn in dem Moment nicht, wenn auch menschlich.

      Na ja, sehen wir es mal so. Bald sind all seine Bücher aufgebraucht und für neue Filme muss er dann doch mal was Neues schreiben ;)

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    3. Ah, verstehe! Ich hatte die ganze Zeit beim Film immer noch dieses "Margo könnte sich jeden Moment umbringen, wir müssen sie retten"-Gefühl im Hinterkopf, daher fand ich Q in der Szene gar nicht schlimm und konnte mich mit seiner Anspannung gut identifizieren. Mir ging da eher gegen den Strich, dass die Mädels so verallgemeinert werden, z.B. wenn darüber geredet wird, wie wichtig das Kleid ist und sowieso der Abschlussball ... Also in diesem Sinne: absolut "Team Q" ;-)

      Naja, erst kommen ja noch die Katherines, dann die Wills und - natürlich nicht zu vergessen - der große Weihnachts-Dreiteiler "Let it snow"! :-)

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    4. Oh weh, stimmt, ich hatte nur an die Katherines gedacht D:

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