Sonntag, 10. März 2013

Monatsrückblick Februar

Das habe ich im Februar gelesen:




Judith Schalansky - Der Hals der Giraffe, 222 Seiten
Der große Pluspunkt dieses "Bildungsromans", wie es im Untertitel heißt, ist die Sichtweise, aus der er geschrieben ist: Eine in die Jahre gekommene Biologielehrerin mit sehr veralteten Unterrichtsmethoden schildert zynisch und mit einer ungebrochenen Schärfe ihren Alltag. Dabei stellt sie immer wieder Vergleiche aus dem Tierreich an und bringt uns die Lehren der Evolution nahe. Eigentlich möchte man sich mit so einer Person nicht identifizieren, aber 200 Seiten lang war dies ein sehr spannendes Experiment. Der große Minuspunkt des Buches ist allerdings, dass quasi gar keine Entwicklung in der Geschichte vorhanden ist und die im Klappentext angekündigte Wende eigentlich auch nie passiert.

Max Urlacher - Die Putzi-Diaries, 216 Seiten
Ein irrwitziger Roadtrip mit Schauspieler Max Urlacher und seiner Putzfrau. "Putzi" ist wirklich ein Erlebnis und hat zu jeder Lebenslage einen flotten Spruch auf den Lippen. Und trotzdem erhält das Buch gegen Ende eine Tiefe, die ich so nicht erwartet hätte. Ein paar Längen hatte es zwischendurch leider auch, wenn immer wieder die kulinarischen Genüsse der beiden geschildert werden. Insgesamt trotzdem eine sehr liebenswert-verrückte Geschichte!

Kiera Cass - The Selection (engl.), 336 Seiten 
"Der Bachelor" tritt Dystopie trifft Liebesdreieck trifft Prinzessinnen - klingt nach einer furchtbaren Mischung? Klingt nach einem wunderbar kurzweiligen Lesevergnügen! Was mir in anderen YA-Büchern mitunter schnell auf die Nerven gehen würde, hat sich hier merkwürdigerweise zu einer stimmigen Geschichte zusammengefügt. Ich freue mich schon, im April mehr von America (ja, die Hauptfigur heißt leider wirklich so) und ihrem Prinzen Maxon zu lesen, wenn "The Elite" herauskommt! 

Morgan Matson - Amy on the Summer road, 480 Seiten
Ein wunderschönes Roadmovie mit traurigen, lustigen, romantischen und ernsten Momenten. Eine tolle Mischung, die in meinen Augen immer den richtigen Ton getroffen hat und dazu eine tolle Sommer-/Reiseatmosphäre vermittelt. Die vielen Fotos, Speisekarten und Playlists, die im Buch abgedruckt sind, illustrieren die Geschichte nochmal auf besondere Weise und machen das Buch zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Stephenie Meyer - Edward. Auf den ersten Blick, ca. 30 Seiten
Bellas und Edwards erstes Kennenlernen aus der Sicht von Edward. Hier glitzert er nicht nur, ich fand ihn sogar ziemlich gruselig: Seine Gedanken kreisen die gesamte Zeit darum, wie er möglichst schnell an Bellas Blut drankommen kann und wie er dafür notfalls seine gesamte Klasse umbringen müsste. Auf 30 Seiten war das okay, ob das allerdings, wie von Frau Meyer ursprünglich geplant, ein ganzes Buch füllen kann, bezweifle ich stark.

Ally Condie - Cassia & Ky III: Die Ankunft, 608 Seiten
Nachdem ich "Die Auswahl" geliebt habe, von "Der Flucht" aber ziemlich enttäuscht wurde, bin ich mit sehr niedrigen Erwartungen an den Abschlussband von "Cassia & Ky" herangegangen. Ich fand ihn definitiv besser als den Mittelteil, so richtig überzeugen konnte er mich allerdings auch nicht. Die große Liebe zwischen Cassia und Ky habe ich vergeblich gesucht, da sich eigentlich die kompletten 600 Seiten nur um eine Seuche drehen, die im kompletten Land ausbricht. Die Geschichte wird diesmal abwechselnd aus drei Perspektiven erzählt; zusätzlich zu Cassias und Kys Sicht kommt hier nun noch Xander hinzu - und das hat das Buch für mich definitv gerettet! Einerseits erfährt man durch Xander noch einige Hintergründe zum System, vor allem aber lernt man einen sehr sympathischen jungen Mann kennen, der von seiner großen Liebe enttäuscht wurde und nun versucht, sich ganz für andere aufzuopfern. Mit ihm habe ich wirklich gerne mitgefiebert! Ansonsten ist die Geschichte zu einem einigermaßen runden Ende gekommen und hat mich (bis auf den doofen Steuermann) wieder mehr mit Frau Condie versöhnen können.

Antonia Michaelis - Solange die Nachtigall singt, 447 Seiten
Was für eine Atmosphäre! Das Buch spielt komplett in einem Wald und kommt mit sehr wenigen Personen aus, ist aber trotzdem nie langweilig. Es spielt mit den Gedanken und Gefühlen seines Lesers und gerade, wenn man denkt, man hätte die Geschichte nun verstanden, wird wieder alles auf den Kopf gestellt. Das ist spannend, oftmals aber auch verwirrend. Am Ende hatte ich das Gefühl, dass die letzten Verwirrungen leider auf Kosten der Logik gingen - aber vielleicht bin auch ich irgendwann nicht mehr ganz mitgekommen. Den "Märchenerzähler" kann ich auf jeden Fall mehr empfehlen, aber wer sich mal so ganz in einem Buch verlieren möchte, der sollte hier zugreifen!
 
-> macht insgesamt 2339 Seiten, pro Tag etwa 83,5 Seiten 



Was es sonst noch zu erzählen gibt:

Der Februar war trotz seiner nur 28 Tage ein Monat mit sehr vielen gelesenen Seiten; über 80 Seiten pro Tag schaffe ich eigentlich selten. "Schuld" daran ist auch Mr. Kindle, der Anfang Februar bei mir einziehen durfte und den ich natürlich ausgiebig testen musste (zu den hier aufgezählten Büchern kommen nämlich noch einige Leseproben und angelesene Bücher, die es kostenlos auf amazon gab, dazu, bei denen ich aber den Überblick über die Seitenzahlen verloren habe). Manchmal hatte ich wirklich das Gefühl, dass ich mit Mr. Kindle sehr viel schneller lese, weil ich nicht ständig darauf achten muss, ein dickes Buch in der richtigen Position zu halten. Ach ja, ich bin immer noch begeistert von dem neuen Mann in meinem Leben :-)

Ich wünsche ich euch allen einen schönen und lesereichen (Rest-)März!
Eure Bücherdiebin 

Kommentare:

  1. Ha, über die Nachtigall hab ich sogar gerade was geschrieben. Ich fand die Atmosphäre in dem Buch auch wirklich toll, aber im Endeffekt den Märchenerzähler auch besser. Die Wendung am Ende hatte ich leider schon meilenweit vorher erahnt. Was hast du denn für eine Logiklücke entdeckt? Da ist mir gar nichts aufgefallen.

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    1. ACHTUNG: SPOLIERGEFAHR FÜR "Solange die Nachtigall singt"!

      Witzig, den Tab zu deiner Kritik hatte ich auch schon offen, um bei dir zu kommentieren. Die Nachtigall scheint gerade viele Leute zu beschäftigen :-)
      Die Wendung mit Jascha am Ende hätte ich niemals-nie so erraten, weil ich in eine ganz andere Richtung gedacht habe und finde, dass manche Szenen wirklich nur mit drei Schwestern Sinn gemacht haben. Ich fänd es interessant, das Buch mit dem Wissen um Jascha jetzt nocheinmal zu lesen und diese Szenen zu überprüfen ... andererseits hab ich auch keine Lust, schon wieder in den Strudel des Buches gezogen zu werden ;-)

      Also, Szenen, bei denen ich im Nachhinein dachte, dass sie mit nur einer Person ziemlich unlogisch sind: Wenn Jari die Schwestern bei ihrer Sex-Szene beobachtet. Wenn er die Schwestern beim Diskutieren über Jaschas neue Haarfarbe belauscht. Immer, wenn eine Schwester plötzlich verschwindet und eine andere an einem ganz anderen Ort wieder auftaucht. Und immer, wenn Jascha in kürzester Zeit sämtliche Dinge erledigt und plötzlich in ganz anderen Klamotten vor ihm steht ... Das Ganze auf die Wirkung der Pilze zu schieben, finde ich ehrlich gesagt viel zu schwach ...
      Und welchen Grund Jascha hatte, Jari in den Keller zu sperren, hab ich leider auch nicht verstanden :-/

      Also mir hätte es definitiv besser gefallen, wenn es die ganze Zeit drei Schwestern gegeben hätte, Jari und Jascha dann einen Mordplan ausgeheckt hätten (weil die beiden anderen ihrer Liebe gefährlich wurden) und am Ende doch alles aufgeflogen wäre (vielleicht durch Matti?). Damit wäre auch das Ende, das du ebenfalls kritisiert hast, nicht so furchtbar kitschig und glatt ausgefallen. *grmpf*

      Trotzdem: Insgesamt hat mir die Geschichte schon sehr gut gefallen und ich hab mich gern von Frau Michaelis verwirren lassen!

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    2. uff, so lang sah der Kommetar im Kommentarfeld gar nicht aus :-)

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    3. Ich glaub ich hab einfach schon zu viele Filme gesehen, in denen das die große Enthüllung ist... und dann war da irgendwo ein Satz im Buch, der mich hat stutzig werden lassen, glaub ich. Ab da hab ich es dann vermutet und es hat in jeder Szene ziemlich gut gepasst. War aber auch ein bisschen doof, weil für mich so ein wenig die Luft raus war :P

      Ab hier MASSIVE SPOILER FÜR DAS BUCH!
      Also ich habe das so verstanden, dass Jascha eine multiple Persönlichkeitsstörung hat, das heißt sie denkt wirklich, sie sei nicht nur Jascha sondern auch die anderen 2 (deren Namen ich blöderweise gerade vergessen habe :P), von daher finde ich es auch nicht unlogisch, wenn Jari Gespräche mitanhört (da Jascha einfach ständig die Persönlichkeit wechselt und so ein Gespräch führt) oder wenn Jascha ihn in den Keller sperrt, weil sie ja gerade eine der anderen Schwestern ist und daher andere Gedankengänge hat. Natürlich muss man auch ein bisschen die Augen zudrücken, was das zügige Umziehen etc. angeht ;)

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    4. Ich klinke mich einfach mal ein :) Liebe Bücherdiebin, ich unterschreibe deine Meinung! Genau diese Logiklücken sind mir im Nachhinein auch sauer aufgestoßen und MissBookiverse hat zwar sicher Recht, dass man die Gespräche hätte manipuliere können. Aber den Ort wechseln? Und so viele Pilze kann Jari doch gar nicht intus gehabt haben, dass die Sex-Szene funktioniert hätte. (Ich meine, es war HOLZ xD) Ich würde das Buch auch gerne irgendwann nochmal "überprüfen", aber der SuB ruft meinen Namen *g* Die Atmosphäre ist auf alle Fälle einzigartig und irgendwann schreibt Frau Michaelis bestimmt auch noch ein Buch, bei dem uns das Ende gefällt :)

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    5. Ich glaube viel liegt auch an dem, was Jari glauben WOLLTE. Das unterschätzt man bestimmt, wenn man so abgeschieden von allem ist, zum ersten Mal nach der Lehre ganz allein mit einem (oder drei) Mädchen, mitten im Wald, dann der Drogeeinfluss der Pilze... das macht einen bestimmt ganz schön fertig ;D

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    6. @MissBookiverse: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das Buch echt langweilig wird, wenn man das Ende so schon vorausahnt. Ich hab nur Bahnhof verstanden und hab daher der großen Lösung des Rätsels entgegengefiebert ... enttäuscht war ich dann trotzdem :-/

      Das mit der multiplen Persönlichkeit habe ich so auch verstanden, dass sie durch den Tod ihrer Schwestern eben so geschckt war, dass sie deren Leben quasi "weitergelebt" hat.
      Ich kenn mich mit der Materie zwar nicht aus, finde es aber trotzdem komisch, wenn sie dann innerhalb von Sekunden die Persönlichkeit wechselt und ganze Gespräche zu dritt führt. *grmpf*
      Aber stimmt, die Keller-Szene erklärt das wirklich, da hatte ich wohl einen Denkfehler und hab die multiplen Persönlichkeiten nicht zuende gedacht.

      @Kermit: Herzlich Willkommen in der Diskussionsrunde! :-) Diese Logiklücken, die sich im nachhinein auftaten, haben mich wirklich genervt. Auch wenn die Zeit mit den Pilzen schneller zu vergehen schien, können Jaris Rauschzustände nicht als Erklärung für alles herhalten, finde ich. Da hätte sich Frau Michaelis schon etwas Stimmigeres ausdenken dürfen.
      Falls du die Logik irgendwann überprüfen solltest, sag Bescheid. Ich denke, da werd ich lieber den "Märchenerzähler" rereaden. Das Ende dort hat mir persönlich übrigens sehr gefallen - auch wenn es natürlich kein Ende war, das man sich wünschen würde.

      und nochmal @MissBookiverse: Das ist ein interessanter Gedanke! Mit den drei Frauen wäre sicherlich jeder Mann überfordert gewesen und ich denke auch, dass einen die Einsamkeit im Wald schnell überfordern kann. Da hat er dankbar die Rolle als Liebhaber von gleich drei Frauen angenommen und wollte es gar nicht anders. Die Interpretation gefällt mir! (auch wenn ich Frau Michaelis trotzdem nicht alle Logiklücken verzeihe *lach*)

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    7. Ich bin auch kein Experte, was solche Krankheiten angeht, aber ich glaube schon, dass das ziemlich schnell wechseln kann und so sogar zu ganzen Gesprächen führt. Sicher weiß ich das allerdings nicht. Müsste man mal recherchieren.

      Freut mich, dass ich dir noch eine zufriedenstellende Gedankenvorlage bieten konnte ;D

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    8. So ein Experte bin ich bei dem ganzen auch nicht, aber ich denke schon, dass man bei solchen Störungen ziemlich schnell wechseln kann, bzw. wechselt - man sucht es sich ja nicht direkt aus, sondern macht es einfach. In der Hinsicht fand ich es gar nicht so unlogisch und wie Miss Bookiverse glaube ich auch, dass Jari sich überzeugen lassen wollte und deshalb ziemlich anfällig dafür war. Das Buch ist zwar in der dritten Person geschrieben, aber irgendwie blickt man ja doch vor allem durch Jaris Augen auf das Geschehen und wird dadurch ziemlich beeinflusst.

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    9. Ups, irgendwie ist dein Kommentar zwischen meinen Mails untergegangen :-)
      Ich find es schon krass, wie sehr man von dem Buch beeinflusst wird und Jaris verdrehte Welt und seinen Pilzkonsum so mitbekommt. Das hat Frau Michaelis wirklich ganz wunderbar gemacht! (auch wenn es für den Leser manchmal etwas anstrengend ist) Ich fand es wirklich nicht leicht, da immer genügend Abstand reinzubringen.
      Beim "Märchenerzähler" ging es mir teilweise auch so, wobei die Protagonistin da sich mehr in einem Lügengeflecht verloren hat statt in der Welt der Pilze :-)

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  2. Und bevor ich es vergesse: Schön, dass dir Amy auch so gut gefallen hat! Ein wirklich tolles Buch und eines meiner Highlights 2011. Ich habe das nächste Buch der Autorin schon ganz weit oben auf der Wunschliste und möchte es lesen, sobald die Sonne draußen regelmäßiger scheint :)

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    1. Oh ja, Amy war wirklich ein ganz besonderes Buch! Warte ebenfalls schon ganz gespannt auf das neue Buch von Morgan Matson, was ja bald auch auf Deutsch erscheinen soll. Und wenn die Sonne endlich rauskommt, ist genau die perfekte Zeit dazu!
      (obwohl ich auch in die Decke eingekuschelt gerne von Amys Roadtrip gelesen habe, hehe)

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