Mittwoch, 14. März 2012

[Rezension] Robin Wasserman - Wired

Das ist alles nicht echt.

Das bin nicht ich.
Man sieht alles, nur das Entscheidende nicht.
Was man sieht: Perfekte Lippen, zu einem perfekten Lächeln verzogen. Perfekte Haut, die sich straff über einen perfekten Körper spannt. 
Man sieht, was man sehen will.
Nur mich sieht man nicht.


ACHTUNG: Spoiler!! Dies ist der abschließende Teil einer Trilogie - bitte nur lesen, wenn ihr den ersten Teil "Skinned" und den zweiten Teil "Crashed" bereits beendet habt! Meine Rezensionen dazu findet ihr hier (Skinned) und hier (Crashed).

Vor einem Jahr starb Lia Kahn.
Nur wenige Tage später wachte sie auf.
In einem neuen, künstlichen Körper.
Sie hatte eine neue Familie: Mechs wie sie. Und ein neues Leben - eines, das für immer währen sollte. Das dachte sie zumindest ... Doch nun stellt sich alles, was man ihr erzählt hat, als Lüge heraus. Jemand beginnt, die Mechs zu zerstören, sie einen nach dem anderen auszulöschen. Lia geht jedes Risiko ein, um sich selbst und die zu schützen, ohne die sie nicht sein kann. Aber sie muss sich der Wahrheit stellen: Alle kann sie nicht retten. 

Die Idee von "Skinned" fand ich grandios, die Umsetzung in "Crashed" dagegen hat mir gar nicht gefallen - der dritte Band "Wired" hat mich nun mit der Geschichte rund um Lia Kahn wieder einigermaßen versöhnen können. Der wichtigste Punkt dabei war für mich, dass Lia endlich mit dem Gejammere aufgehört hat. Die Stimmung von "Crashed" war für mich vor allem dadurch getrübt, dass Lia wieder und wieder betont hat, wie schrecklich ihr Leben als Mech - also als Maschine - doch ist. Auf Dauer fand ich diese egozentrische Protagonistin und die stetigen Wiederholungen doch sehr anstrengend und nervig, auch wenn ich ihre Probleme natürlich verstehen konnte. In "Wired" hatte ich gleich von Beginn an das Gefühl, einer gänzlich veränderten Lia wiederzubegegnen. Natürlich hat sie ihre Probleme (und das Selbstmitleid) nicht komplett abgelegt, aber sie tut endlich etwas statt sich dauernd zu beklagen!!!

Der Einstieg in "Wired" fiel mir um einiges leichter als in "Crashed", da entscheidende Szenen aus den Vorgängern wiederaufgenommen und erläutert wurden. So hatte ich außerdem das Gefühl, dass die Vorgänge aus "Crashed", die ich nicht mehr richtig zuordnen konnte, wieder Sinn gemacht haben. Ihr glaubt nicht, wie erleichtert ich darüber war, hatte ich doch befürchtet, der dritte Teil würde direkt an "Crashed" anschließen und so noch mehr Verwirrung bei mir stiften!

Die Handlung in "Wired" ist durchweg rasant, es passieren viele Dinge, auch zwischenmenschlich, mit denen man so nicht gerechnet hätte. Auch tauchen viele Charaktere aus dem ersten Teil "Skinned" wieder auf und bringen neuen Schwung in die Geschichte. Nur Auden, Lias Freund aus "Skinned" (und Feind aus "Crashed") kam mir hier leider wieder zu kurz; ich hätte sehr gerne mehr über sein Schicksal erfahren und wie er mit der Situation umgeht - doch dies wird im gesamten Buch leider nicht einmal angedeutet.

Der Schreibstil ist wie in den Vorgängern sehr nüchtern gehalten und besteht zu großen Teilen aus kurzen und bedeutungsschwangeren Hauptsätzen. Mir blieben dabei leider die Gefühle der Charaktere auf der Strecke, stattdessen wurde mehr Wert auf die Handlung gelegt. Die essentiellen Fragen darum, was das Menschsein ausmacht (die vor allem beim Lesen von "Skinned" aufgeworfen wurden) standen daher auch leider wieder im Hintergrund.

Das Ende des Buches fand ich sehr abrupt, aber trotzdem gelungen. Es ist sehr offen gehalten und ich wusste erst nicht so richtig etwas damit anzufangen, aber je mehr ich über das Gelesene nachgedacht habe, desto mehr Interpretationsmöglichkeiten sind mir eingefallen - und diese verschiedenen Möglichkeiten machten den Schluss für mich wiederum sehr interessant. So richtig "zufrieden" wird man nach der Lektüre der Trilogie leider nicht zurückgelassen, doch ein Märchenende hätte dieser düsteren Dystopie auch nicht gut getan.

Ein würdiger Abschluss der Trilogie - zwar konnten nicht alle Fehler des Vorgängers wiedergutgemacht werden, doch wurde die Geschichte zu einem "runden" Ende geführt. 6 von 10 Bücherdiebinnen!




Hier ein Überblick über die gesamte Trilogie: "Skinned" - "Crashed" - "Wired":


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