Freitag, 9. März 2012

[Rezension] Barnabas Miller & Jordan Orlando -
Seven SOULS. Sieben Gründe, Mary Shane zu hassen

Mary Shane dachte, sie sei beliebt. Doch das war ein tödlicher Irrtum.

WEN HASST DU AM MEISTEN?
WIE WEIT WÜRDEST DU GEHEN?
HEUTE IST DER TAG ZUM HANDELN.

Mary las die Zeilen wieder und wieder, vollkommen fasziniert. In diesem Augenblick erschien es ihr, als hätte sie in ihrem ganzen Leben noch nichts gelesen, das so viel Sinn ergab wie diese drei Zeilen. Endlich! Nach all ihren Mühen, nach allem, was seit dem Aufwachen geschehen war, erhielt sie zu guter Letzt eine Antwort. Endlich wusste sie, was sie zu tun hatte.


Mary war nicht nur das beliebteste und hübscheste Mädchen der Schule, sondern auch das am meisten gehasste und deshalb musste sie sterben. Aber ihr Tod ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang. Ein Fluch sorgt dafür, dass sie den Tag, an dem sie starb, immer wieder erleben muss. Aus der Perspektive ihrer sieben Freunde lernt sie eine ganz andere Mary Shayne kennen. Und bekommt sieben Mal vor Augen geführt, dass jeder gute Gründe hatte, sie zu hassen. 

"Seven Souls" besitzt eine absolut interessante Struktur, die insgesamt sehr durchdacht wirkt. Die gesamte Handlung spielt sich an einem Tag ab, doch die Ereignisse überschlagen sich dermaßen, dass es niemals langweilig wird. In der ersten Hälfte des Buches wird dieser Tag komplett aus der Sicht von Mary Shane beschrieben - doch da ihre Erlebnisse von so vielen Ungereimtheiten und Grausamkeiten durchzogen werden, ist schnell klar, dass dies hier kein normaler Tag im Leben der Mary Shayne sein kann.
In der zweiten Hälfte des Buches wird dieser Tag dann erneut aufgerollt. Und zwar schlüpft Mary Shane in sieben verschiedene Personen, die alle einen guten Grund gehabt haben, sie zu hassen. Aus Sicht dieser Personen erlebt Mary also Teile des Tages erneut und bekommt in deren Erinnerungen zu spüren, warum sie bei vielen Menschen nicht so beliebt gewesen ist, wie sie zuvor dachte. Nach und nach werden auf diese Art immer weitere Puzzleteile der Geschichte zusammengesetzt, bis Mary am Ende des Buches im großen Showdown zur Lösung gelangt. Dies mitzuverfolgen machte für mich den großen Reiz der Geschichte aus und trug maßgeblich zu der ständigen Spannung bei, wie Mary Shanes Leben nur ein so dramatisches Ende nehmen konnte.

Nicht so begeistert haben mich hierbei leider die Beweggründe einiger Personen, die mir zu sehr ins Stereotypische abdrifteten. Da gab es den typischen Außenseiter der Schule, der sich unglücklich in das beliebteste Mädchen verliebt hat, die Eifersucht der anderen Mädchen auf die schöne Mary und noch einige gebrochene Herzen mehr. Hier hätte ich mir eindeutig eine subtilere Gestaltung der Charaktere und ihrer Beweggründe - abseits des typischen Highschool-Alltags - gewünscht.

Könnte ich über dies noch hinwegsehen, hat mir aber eine andere Komponente den Spaß an "Seven SOULS" gründlich verdorben: Und zwar wird mit fortschreitender Handlung immer deutlicher, dass viele Ereignisse am Tag der Geschichte auf ein übersinnliches Phänomen zurückzuführen sind. Fand ich das Hineinschlüpfen Marys in die verschiedenen Körper noch äußerst stimmig gelöst und hätte mit diesem einen phantastischen Element gut leben können, so kristallisierte sich mehr und mehr heraus, dass auch weitere Ereignisse der Geschichte übernatürlicher Herkunft waren - und diese haben in meinen Augen in einem "Thriller" (wie das Buch vom Verlag tituliert wird) nichts zu suchen. Hätte ich vorher geahnt, dass viele Ereignisse im Buch so 'erklärt' werden, hätte ich wohl nicht zu "Seven SOULS" gegriffen oder wäre zumindest mit einer anderen Erwartungshaltung an das Buch herangegangen. So wurde ich leider etwas enttäuscht und kann, trotz der genialen Struktur, die mich wirklich in ihren Bann gezogen hat, nur eine mittelmäßige Bewertung geben. Wer kein Problem mit mystischen Thrillern hat, dem kann ich das Buch für einige Stunden Leseunterhaltung dennoch empfehlen.

Solider Highschool-Thriller, der mit einer genialen Struktur und (leider auch) einigen übersinnlichen Phänomenen aufwartet. 6 von 10 Bücherdiebinnen!

Kommentare:

  1. Klingt ja irgendwie nicht so berauschend. Schade... Wobei mich der Inhalt schon zuvor nicht so begeistern konnte. Irgendwie hatte ich genau das mit den stereotypischen Gründen befürchtet :/

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    1. Die stereotypen Charaktere haben mir ja kaum was ausgemacht, so toll fand ich die wechselnden Erzählperspektiven... aber die übersinnlichen Teile haben mich dann echt fertig gemacht :-) Trotzdem kein ganz schlechtes Buch!

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  2. Hmm. Das klingt eigentlich ganz in Ordnung - bis auf die übernatürlichen Phänomene. Leider hatte ich von Anfang an gedacht, dass dieses Buch nicht so toll ist, wie es am Anfang vermuten lässt. Schade! :/
    Liebste Grüße :)

    killthesilencce.blogspot.com

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    1. Manche waren auch total begeistert von "Seven SOULS". Wer mit übernatürlichen Phänomenen kein Problem hast, hat sicherlich auch Spaß an dem Buch. Aber man sollte es besser vor dem Lesen wissen ;-)

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  3. Auf die übersinnlichen Phänomene lässt der Klapptext wirklich überhaupt nicht schließen. Ich mag solche "Erklärungen" in Thrillern auch nicht so gerne. Da fällt es mir doch gleich ein bisschen leichter, auf eine eventuelle Taschenbuch-Ausgabe zu warten.

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    1. Naja, der Klappentext erwähnt ja einen Fluch, durch den Mary in die verschiedenen Körper ihrer Feinde schlüpft... aber irgendwie dachte ich dabei mehr an ein stilistisches Mittel, als dass es noch mehr Mystik in dem Buch gibt :-/ Bei einem Thriller hätte ich aber sonst lieber eine handfeste Auflösung... Bis zur Taschenbuchausgabe wird es wohl noch dauern - wenn denn überhaupt eine geplant ist :-)

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