Dienstag, 20. März 2012

Kritik zur Literaturverfilmung:
Alles, was wir geben mussten

"Alles, was wir geben mussten" ist die Verfilmung der gleichnamigen Dystopie von Kazuo Ishiguro. Alle Informationen zum Inhalt sowie meine ausführliche Kritik zum Buch findet ihr hier.

Eines gleich vorweg: Ich halte diesen Film für eine durchweg gelungene Leinwandadaption des Buches! Die düstere Stimmung des Buches wurde wunderbar umgesetzt, z.B. wirkt das Schulheim mit all seinen Schülern in diesen gleichförmigen grauen Uniformen wahnsinnig trostlos und vermittelt gleich zu Beginn die Atmosphäre der Hoffnungslosigkeit, die Ishiguro in den Vordergrund seines Buches gestellt hat.

Meiner Meinung nach machen dabei vor allem die Schauspieler ihre Sache sehr gut: Carey Mulligan in der Hauptrolle der Kathy, aber auch Andrew Garfeld als Tommy und Keira Knighley als Ruth verkörpern perfekt die naiven jungen Menschen, die ihre Augen vor der schrecklichen Zukunft verschließen und niemals versuchen, aus ihrer Situation auszubrechen. Als Zuschauer würde man sie gerne packen und endlich wach rütteln, damit sie etwas an ihrer Lage ändern...

Wer allerdings mit der ruhigen Art des Buches, in dem kaum etwas passiert und kaum Erklärungen geliefert werden, schon seine Schwierigkeiten hatte, wird wohl auch mit der Verfilmung nicht glücklich werden. Der Verzicht auf jegliche Spannungsmomente macht den Film nicht gerade zu Popcornkino zum Abschalten - sämtliche Teile der Geschichte sind nämlich entweder schon passiert oder werden später noch passieren, jedoch geschieht nie JETZT etwas wirklich Bedeutendes und der eigentliche Schrecken spielt sich - wie schon im Buch - im Verborgenen ab. Mir hat diese 1:1-Umsetzung des Buches sehr gut gefallen, aber ich kann auch verstehen, wenn sich Zuschauer an dieser ruhigen Erzählart des Films stören.

Was mich auch sehr gefreut hat, war die Umsetzung des Liedes "Never let me go", das im Buch eine große Rolle spielt. Sowohl das Lied als auch die Interpretin waren, so weit ich weiß, Erfindungen von Kazuo Ishiguro, weswegen die Filmproduzenten der schwierigen Aufgabe gegenüberstanden, den Text nun in Noten umzusetzen. Doch das fertige Lied kam meiner Vorstellung davon beim Lesen unglaublich nah: eine sehr traurige, gefühlvolle Ballade, die wunderbar die Gefühlslage der Protagonisten wiedergibt.

Lediglich nicht ganz so gut am Film gefallen hat mir, dass das Beziehungsdreieck zwischen Kathy, Ruth und Tommy so viel Platz einnimmt. In meinen Augen hat die Romanvorlage nur zu sehr kleinen Teilen von der Liebe gehandelt, vielmehr ging es für mich um den naiven Umgang mit einer fremdbestimmten Zukunft - sowohl der "Auserwählten" als auch der Gesellschaft drumherum. Im Film wurde vieles durch die Liebe dieser drei Menschen zueinander erklärt, was aber sicherlich auch eine Lesart des Buches sein kann.


Eine wirklich gelungene Verfilmung eines beklemmenden Zukunftsromans - düster, trist und hoffnungslos, aber unbedingt sehenswert! Und wer mag, sollte natürlich vorher das Buch lesen :-)



Und für alle Interessierten hier der Trailer:

Kommentare:

  1. Mir hat die Verfilmung von 'Never let me go' auch sehr gut gefallen. Ich fand die Schauspieler sehr beeindruckend, vor allem Carey Mulligan. Wie du fand ich, dass die Atmosphäre des Buchs wirklich super übernommen wurde.
    An die Umsetzung des Liedes kann ich mich gar nicht mehr so genau erinnern, da es schon eine Weile her, dass ich den Film gesehen habe. Bei Gelgenheit werde ich ihn mir auf jeden Fall nochmal ansehen.

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    1. Schön, dass dir der Film auch so gut gefallen hat! Ist endlich mal ein Beispiel für eine gelungene Literaturverfilmung :-)

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  2. Mir hat der Film auch sehr gut gefallen - und ich halte Carey Mullign als Kathy ebenfalls für eine sehr gute Besetzung. :-) Allerdings hätte ich mir ein paar mehr Szenen gewünscht, die in der Hailsham-Zeit spielen. Denn dadurch wäre auch der Charakter dieser Dreiecks-Beziehung etwas deutlicher geworden. Aber das schmälert meinen positiven Gesamteindruck nur ein wenig.

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    1. Toll, dass dir der Film auch gefallen hat! Da scheinen wir uns ja alle einig zu sein :-) Stimmt, Hailsham spielt wirklich einen eher kleinen Teil im Film... Vielleicht wäre dann auch der Fokus von der Liebesgeschichte etwas weggekommen, wenn die Filmemacher noch mehr auf die Kindheit eingegangen wären... So oder so, eine schöne Verfilmung!

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