Sonntag, 12. Februar 2012

[Rezension & Buch im Buch] Matthew Skelton
- Endymion Spring. Die Macht des geheimen Buches

Was für ein merkwürdiges Buch!

"Blake bückte sich, um das Buch aufzuheben, doch dann hielt er plötzlich inne. Eine unbestimmte Angst durchfuhr ihn. War es etwa dasselbe Buch, das nach seinem Finger geschnappt hatte?
Unmöglich, dachte er. So etwas tun Bücher nicht. Und außerdem, der Einband dieses Buches war abgeschabt, rissig und spröde wie ein alter Lederhandschuh. Es sah vollkommen harmlos aus."


In der ehrwürdigen Bibliothek von Oxford stößt der 12-Jährige Blake auf ein seltsames Buch. Der Band ist unbedruckt, leer, ohne Worte, aber sein Papier hat feine pulsierende Äderchen, als würde es leben. Blake ist fasziniert. Plötzlich tauchen auf den Seiten Wörter auf, die nur Blake sehen und lesen kann. Das Buch scheint sich selbst zu schreiben und ein jahrhundertealtes Geheimnis zu offenbaren. Blake begreift, dass er mit dem Buch eine unglaubliche Entdeckung gemacht hat, die nicht nur ihn brennend interessiert und anzieht...

"Endymion Spring" ist ein spannender Literaturkrimi für Kinder, der von allem etwas bietet - Verschwörungen, Geheimnisse, einen Hauch Fantasy, Ausflüge in historische Begebenheiten sowie eine Geschichte über Familie und Freundschaft. Beim Lesen musste ich immer wieder daran denken, dass Dan Brown wohl solch eine Geschichte zu Papier bringen würde, würde er Bücher für Leser ab circa 10-12 Jahren schreiben ;-)

Das Buch spielt in zwei Zeitebenen: einmal zur heutigen Zeit in Oxford, wo Blake in der berühmten "Bodlein Library" auf das geheimnisvolle Buch "Endymion Spring" stößt, und einmal im 15. Jahrhundert zu Zeiten Johannes Gutenbergs, der gerade den Buchdruck erfindet, denn in dieser Zeit wird "Endymion Spring" erschaffen. So erhält man einerseits Einblicke in das beschwerliche tägliche Leben des 15. Jahrhunderts und über die mühsame Erfindung des Buchdrucks. Andererseits bekommt man eine moderne Geschichte geliefert, die dem Leser die Welt der Oxforder Literaturkreise, Bibliothekare und Bibliophilen näher bringt.

Mit den historischen Fakten scheint es Matthew Skelton nicht allzu genau zu nehmen, genauso wie mit der Beschreibung der Oxforder Literaten, aus denen er einen bunten Haufen Verschwörungstheoretiker macht... Aber das ist bei diesem Buch auch zweitrangig - hauptsächlich geht es darum, eine spannende und fantasievolle Geschichte zu erzählen. Und das tut der Autor ganz sicher, fiel es mir doch schwer, das Buch aus der Hand zu legen, bevor das Geheimnis um "Endymion Spring" gelüftet war!

Im letzten Drittel nimmt das Buch nochmal gehörig an Fahrt auf und wird sehr spannend, denn es geht in die düsteren Kellergeschosse der Bodlein Library, wo so manche Geheimnisse (und natürlich Bücher!) verborgen liegen. Allerdings nahm das Buch hier auch ein paar Wendungen, die mir nicht so gut gefallen haben und die stellenweise unglaubwürdig wirkten. Alles in allem kann ich "Endymion Spring" jedoch jedem Buchliebhaber ans Herz legen.

Bücher, Verschwörungen, Geheimnisse - was will man mehr von so einem spannenden Kinderbuch?! 7 von 10 Bücherdiebinnen!




Buch im Buch (was ist das?):
Da das ganze Buch eine kleine Ode an die Literatur ist, darf ein "Buch im Buch"-Eintrag meinerseits nicht fehlen: Nicht nur zeigt uns "Endymion Spring", welche Macht Bücher haben können, nein, das ganze Buch strotzt nur so vor Beschreibungen von Bibliotheken, zeigt uns die Oxforder Literaturkreise, die Besessenheit mancher Literaturprofessoren und bringt seinen Lesern in eindrucksvollen Passagen die Erfindung des Buchdrucks näher:

"Die Arbeit an der neuen Bibel ging voran. Es war ein Mammutunternehmen, für das wir tausende von Lettern und zahllose Bogen Papier vorbereitet hatten. Selbst bei unserem augenblicklichen Tempo würde es weitere zwei Jahre dauern, um allein mit dem Druck der Seiten fertig zu werden. Der Meister hatte zunächst 150 Exemplare geplant, dreißig davon auf feinstem Pergament, aber schon gab es eine wachsende Liste von Bestellern: Geistliche und Patrizier, die alle gespannt waren, wie das Produkt einer unvorstellbaren Maschine im Vergleich zur Arbeit der fleißigsten Schreiber aussehen würde. Es gab sogar Gerede, wir hätten einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, denn wie sonst könnten wir in so kurzer Zeit identische Exemplare von demselben Text herstellen?"

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