Freitag, 13. Januar 2012

[Rezension] Robin Wasserman - Crashed

Wenn es ums Sterben ging, war einmal vielleicht genug.

Vor dem Unfall war Lia Kahn glücklich.
Vor dem Unfall war Lia Kahn beliebt.
Vorher war Lia vieles:
Normal.
Am Leben.
Ein Mensch.

ACHTUNG: Spoiler!! Bitte nur lesen, wenn ihr den ersten Teil "Skinned" bereits beendet habt! Meine Rezension dazu findet ihr hier.

Sechs Monate sind vergangen, seit Lias Wirklichkeit auf den Kopf gestellt wurde. Sechs Monate voller Zweifel, Angst und Auflehnung gegen die Tatsache, dass ihr Körper tot ist und Lia Kahn nur in einer menschenähnlichen Maschine weiterexistieren wird. Jetzt ist Lia bereit, ihr neues Dasein zu akzeptieren: Sie ist ein Mech und sie gehört zu ihresgleichen. Es ist eine wilde, sorglose Existenz, die sie führen, ohne Regeln, ohne Angst. Denn es gibt nichts zu fürchten, wenn man nichts mehr zu verlieren hat. Doch dann wird Lia von ihrer Vergangenheit eingeholt. Sie muss eine Wahl treffen zwischen ihrem alten Leben und ihrer neuen Freiheit, zwischen den Menschen und den Mechs. Sie muss sich entscheiden zwischen dem Mädchen, das sie war, und dem Jungen, den sie einmal geliebt hat...

Mit "Crashed" hatte ich leider so meine Probleme. Immer wieder habe ich das Buch zur Seite gelegt, sogar andere Bücher dazwischen geschoben, und wurde doch nicht mehr warm mit ihm, da es mich nicht zu fesseln vermochte. Auch meinen Ärger über den Verlauf der Handlung für diese Rezension in Worte zu fassen, fällt mir nicht leicht. "Skinned" konnte mich für sich überzeugen und machte mit seinem spektakulären Ende Lust auf mehr - doch mit diesem Nachfolgeband konnte ich mich gar nicht anfreunden. Vielleicht wird der abschließende Band ja einiges wieder wettmachen (wäre ja nicht die erste Trilogie, bei der das der Fall ist...), aber an den traue ich mich vorerst (noch) nicht heran. Hier nun aber meine Rezension:

Schon im ersten Band war mir Lia Kahn mit ihrem permanenten Selbstmitleid nicht besonders sympathisch. In "Crashed" wird dies noch weiter auf die Spitze getrieben. Das Schlimme an der Situation ist, dass es keinen Gegenpart für Lias Trauer mehr gibt. In "Skinned" hat ihr Freund Auden für mich die Situation komplett gerettet und konnte mir durch die Augen eines Menschen Lias Probleme näherbringen. Doch nach dem schrecklichen Unfall im ersten Teil hat er sich von Lia - verständlicherweise - abgewandt und ist nun nicht mehr da, um mir, dem Leser, die Situation aus einem neutralen Blickwinkel begreiflich zu machen. Mit Lia konnte ich nicht mitfühlen, was wohl das größte Problem für mich an "Crashed" war. Die Protagonistin ist mir mit ihrem Gejammer von Seite zu Seite mehr auf die Nerven gegangen.
Dazu kam noch, dass sich das Geschehen über lange Zeit hinweg kaum von der Stelle bewegt - viele Szenen haben in meinen Augen weder zur Atmosphäre noch zum Lauf der Geschichte etwas beigetragen. Die Geschichte hätte somit um bestimmt 100 Seiten gekürzt werden können.

Dazu kam noch eine ständige Verwirrung, die sich bei mir breit machte, was die Charaktere des Buches betraf. Es ist noch nicht allzu lange her, dass ich "Skinned" gelesen habe, und trotzdem hatte ich Probleme, mir die vielen Nebencharaktere zu merken - die meisten wirkten auf mich eher blass und kaum herausgearbeitet, so dass ich schlecht zwischen ihnen und ihren Motiven differenzieren konnte. Wer ist Mech? Wer Mensch? Wer ist reich? Wer arm? Und auf welcher Seite steht wer?
Es kann sehr gut sein, dass ich aufgrund meiner Frustration beim Lesen auch etwas unaufmerksamer geworden bin und mir deswegen vieles entgangen ist, doch Robin Wasserman konnte mich mit der weiteren Handlung von "Crashed" auch nicht wieder aus diesem Tief herausholen.

Einziger Grund, warum ich weitergelesen habe, war Auden und die Seite der "Bösen", auf die er sich geschlagen hat. Was sind seine Motive? Wie kann er nun so grausam sein, wo er Lia doch einst geliebt hat? Diese Fragen haben mich weiterlesen lassen, doch werden sie wohl erst in "Wired", dem finalen Band der Reihe, geklärt werden. Zum Schluss des Buches kam bei mir dann etwas Neugier auf, wie es wohl mit der Beziehung zwischen Auden und Lia weitergehen wird, und ob Lia eine Mech bleiben oder lieber sterben möchte... aber ob diese Motivation noch für den dritten Teil "Wired" ausreichen wird, kann ich leider nicht mit Bestimmtheit sagen.

Schade - eine absolut unüberzeugende Fortsetzung einer gut begonnenen Reihe. 3 von 10 Bücherdiebinnen.



Hier ein Überblick über die gesamte Trilogie: "Skinned" - "Crashed" - "Wired".
Alle Bände sind bereits erhältlich!

Kommentare:

  1. Danke für die Rezension ♥
    Skinned hatte mir eigentlich ganz gut gefallen, aber mich hat auch Lia mit ihrer Art genervt und wenn du sagst das es in Crashed noch ätzender ist, überlege ich mir nochmal gut ob ich die Reihe wirklich weiter lesen mag.

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  2. Vielen Dank für die Rezension :)
    Ich fand den ersten Teil okay, aber besonders überzeugen konnte er mich auf Grund Lias Art auch nicht wirklich. Das Selbstmitleid habe ich eigentlich verstanden, aber es gab einige Faktoren, die mich an diesem Buch echt gestört haben. Wenn du sagst, dass "Crashed" da eher nachlässt, dann werd ich das Buch wohl eher nicht lesen. Vielleicht, wenn sie es in der Bibliothek da haben und ich nichts anderes zu lesen hab... Mal sehen...

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  3. Danke euch beiden <3 Mich hat "Crashed" wirklich sehr enttäuscht, dabei hatte ich mich eigentlich auf die Fortsetzung von "Skinned" gefreut und etwas mehr Action erwartet ("Skinned" thematisiert ja vor allem die inneren Konflikte...) Ich kann nur hoffen, dass mich "Wired" da wieder mehr überzeugen wird - ich hab in den letzten Tagen einige Rezensionen dazu gelesen und bin nun etwas optimistischer...
    Lieben Gruß von Eurer Bücherdiebin!

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  4. Sry das soll jetzt wirklich nicht böse gemeint sein und um ehrlich zu sein nervt es mich auch ein bisschen aber wenigstens ist Lia keine Mary Sue Figur ( was mir persönlich selbst sehr wichtig ist ) wie z.b Bella aus Twilight. ich schätz dadurch das sie früher mal eine Tussi (schön reich beliebt) war, ist das nur natürlich. sie kann ja nicht plötzlich ein ganz anderer Mensch ( passt der ausdruck oder sollte ich mech sagen ???) werden.

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  5. Hallo anonym - schade, dass du nicht unter deinem richtigen Namen schreibst, dann könnten wir persönlicher diskutieren!

    Was eine Mary Sue Figur ist, musste ich ehrlich gesagt gerade erstmal googlen. Das habe ich herausgefunden:
    "Als Mary Sues werden ja in der Regel Figuren bezeichnet, die als über-perfekt dargestellt werden, die alles haben, alles können und von allen geliebt werden, auf eine so penetrante Weise, dass sie einem total unsympathisch werden und sie jede Spannung kaputtmachen. Mary Sues gelten auch oft als offene oder versteckte idealisierte Versionen der Autorinnen selbst. Jemand hat es in einer Mary-Sue-Analyse auch einmal als eine Art Selbstbefriedigung bezeichnet, in dem die eigenen Träume in der sicheren fiktiven Welt ausgelebt werden."

    Ich gebe dir Recht: Lia Kahn ist definitiv keine Mary Sue Figur, das hätte ich wohl auch nervig gefunden. Von völlig idealisierten Heldinnen liest wohl auch niemand so gerne in Büchern, aber wenn die Protagonistin die ganze Zeit nur am rumjammern ist, macht sie das eben auch nicht sympathisch.

    Ich kann wohl verstehen, warum Lia so geworden ist - eben weil sie so schön, reich und beliebt war - aber mögen muss ich sie deshalb ja nicht... Dass es auch anders geht, zeigt wohl der dritte Band der Trilogie, in dem Lia endlich mit dem Gejammere aufhört und versucht, etwas gegen die Mech-Gegner zu unternehmen!

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