Mittwoch, 14. Dezember 2011

[Rezension] Lauren Oliver - Delirium

Noch fünfundneunzig Tage, dann bin ich immun

Es war nicht immer alles so gut wie jetzt. In der Schule haben wir gelernt, dass die Leute früher, in den dunklen Zeiten, nicht wussten, was für eine tödliche Krankheit die Liebe ist. Sie hielten sie lange sogar für etwas Gutes, etwas, worüber man sich freuen und wonach man streben sollte. Aber genau deshalb ist sie ja so gefährlich: "Sie beeinträchtigt den Verstand, bis man nicht mehr in der Lage ist klar zu denken oder rationale Entscheidungen über das eigene Wohlergehen zu treffen." Die Leute damals sprachen von anderen Krankheiten - von Stress, Herzbeschwerden, Angstzuständen, Depressionen, Bluthochdruck, Schlaflosigkeit, bipolarer Störung -, ohne zu bemerken, dass dies nur Symptome der Amor deliria nervosa waren.

"Delirium" ist der Start einer neuen Trilogie. Die weiteren Teile heißen im Englischen "Pandemonium" (erscheint im März 2012) und "Requiem" (erscheint im Frühjahr 2013). Wie die Bücher in der Übersetzung heißen werden ist leider noch nicht bekannt.

Früher, in den dunklen Zeiten, wussten die Leute nicht, dass die Liebe tödlich ist. Sie strebten sogar danach, sich zu verlieben. Heute und in Lenas Welt ist Amor Deliria Nervosa als schlimme Krankheit identifiziert worden. Doch die Wissenschaftler haben ein Mittel dagegen gefunden. Auch Lena steht dieser kleine Eingriff bevor, kurz vor ihrem 18. Geburtstag. Danach wird sie geheilt sein. Sie wird sich nicht verlieben. Niemals. Aber dann lernt sie Alex kennen. Und kann einfach nicht mehr glauben, dass das, was sie in seiner Anwesenheit spürt, schlecht sein soll...

"Delirium" stellt uns eine interessante und gleichzeitig schreckliche Welt vor: Die Liebe wird als gefährliche Krankheit betrachtet, die es gilt, für immer und ewig auszurotten. Vielleicht hat sich jeder, der unter Liebeskummer litt, schon einmal kurzzeitig gewünscht, dass ihm die Liebe nie wieder begegnet, doch "Delirium" zeigt, wie eine solche Welt ganz ohne Liebe wirklich aussähe: Gefühlskälte, Starre, Ignoranz, Menschen ohne Mitgefühl für ihre Nächsten. Kurz: In so einer Welt möchte niemand leben. Die 17jährige Lena jedoch ist in einer solchen Welt aufgewachsen und kennt es gar nicht anders.

Das Buch beginnt sehr ruhig, und schildert zunächst Lenas Alltag, die Beziehungen zu den anderen Familienmitgliedern sowie ihre Vergangenheit. Denn Lenas Eltern sind beide an der "Krankheit" Liebe gestorben, weswegen sich Lena selbst nichts sehnlicher wünscht, als endlich 18 zu werden und die Operation zu erhalten, mit der sie endgültig geheilt wird. Sie hält sich streng an die Regeln der Gesellschaft und durch ihre Augen (die gesamte Geschichte wird aus der Ich-Perspektive erzählt) muss sich der Leser zunächst mit dieser Weltanschauung abfinden. Mir ist es erst etwas schwer gefallen, mich mit dieser fremden und gehorsamen Ideologie zu identifizieren, doch wenn Lena nach und nach die Fehler des Systems kennenlernt und beginnt, es zu hinterfragen, fiebert man umso mehr mit ihr mit.

Der bodenständige und nachdenkliche Freidenker Alex war mir direkt sympathisch. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und Lena beginnt sehr langsam - was kein Wunder ist, da Lena zunächst nicht wahrhaben will, dass sie auf diese Weise empfinden kann und so gegen das Gesetz verstößt. Doch Gefühle lassen sich nicht aufhalten und bald ist klar, dass Lena sich hoffnungslos in Alex verliebt hat und sich eine Zukunft ohne die Liebe gar nicht mehr vorstellen will. Alex zeigt ihr, wie wunderschön die Liebe sein kann und ließ in einigen sehr romantischen Passagen auch das Herz des Lesers höher schlagen.

Ein wenig schade fand ich es, dass man so wenig Informationen erhält, wie es zu dieser schrecklichen Welt kommen konnte. Zwar wird ein paar mal erwähnt, wann das Heilmittel eingeführt wurde und welches "Glück" es den Menschen seither gebracht hat, doch zu keinem Zeitpunkt wird erklärt, wie genau sich eine Operation gegen die Liebe - die doch als höchstes zu erstrebendes Glück angesehen wird - innerhalb weniger Jahrzehnte durchsetzen konnte. Ich zähle hier sehr auf die beiden Folgebände, die hoffentlich noch mehr Informationen darüber bereithalten - doch ein paar erste Hinweise hätten auch "Delirium" nicht geschadet.

Interessant gemacht finde ich die jeweiligen Kapitelanfänge des Buches. So startet jedes Kapitel mit einem - natürlich fiktionalen - Zitat, z.B. aus dem "Buch Psst" (dem Regelwerk über die amor deliria nervosa), Kinderreimen, die den Schrecken der deliria thematisieren, oder kleinen Warnungen vor der Krankheit, wie sie im Alltag der Menschen immer wieder vorkommen. So wird einmal mehr deutlich, wie sich die Angst vor der amor deliria nervosa in den Köpfen der Menschen über die Jahre hinweg festgesetzt hat. 

So ruhig, wie das Buch auch beginnt, so furios und unvorhersehbar ist doch sein Ende, das ich mit angehaltenem Atem gelesen habe. Auch wenn der Cliffhanger ziemlich gemein und sehr dramatisch ist, so machte das Buch doch einen "runden" Eindruck auf mich, da nach "Delirium" wohl ein neuer Abschnitt in Lenas Leben beginnen wird. Ich freue mich schon, mehr davon zu lesen! (wenn es doch bloß nicht mehr so lange bis zum nächsten Teil dauern würde...)

Ein ruhiger Auftakt einer neuen, vielversprechenden Trilogie, der mit seinem spannenden Ende definitiv Lust auf mehr macht. 8 von 10 Bücherdiebinnen!

Kommentare:

  1. Sehr schön meine liebe Diebin!! Deine Rezi ist Super u. es freut mich ganz besonders, dass dir das Buch so gut gefallen hat. Ich fand es grandios! Liebe Grüsse für dich,
    Damaris

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  2. Ooh das hört sich richtig, richtig gut an! Ich hab die letzte Zeit über schon immer hin und her überlegt, ob ich es kaufen soll oder nicht. Ich denke, jetzt ist die Entscheidung gefallen :D

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  3. Ich setzte darauf, dass es bei mir unterm Weihnachtsbaum liegen wird. *-* Und du hast es gerade geschafft das ich es jetzt sofort zur Hand nehmen und lesen, lesen, lesen will! *-* Das Buch klingt sooo toll! :)
    Liebste Grüße! :)

    killthesilencce.blogspot.com

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  4. Ah, was lese ich heute für schöne Rezensionen. Auch deine gehört dazu. Sehr gut geschrieben. Macht viel Lust auf das Buch. Auf der Wunschliste habe ich es schon. Mal schauen, wann ich dazu komme es mir mal zu holen.

    Liebe Grüße, Diti

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  5. Achtung, Achtung :-) Übermäßiger Gebrauch von Smileys im folgenden Kommentar... mir ist gerade so blümerant zumute :-)

    @Damaris: Dankeschön :-) Ich glaub, so gut wie du kann das Buch gar keiner mehr finden :-) Aber mir hat es auch ziemlich gut gefallen :-)

    @captian: Warte lieber noch ein bisschen, sonst hängst auch du in diesem fiesen Cliffhanger :-) Naja, wenn du es unbedingt jetzt haben möchtest, bekommst du von mir ganz klar eine Kaufempfehlung :-)

    @Faith: Na, wenn du es schon zu Weihnachten bekommst, dann mal ran an den Speck :-) Ich wünsch dir viel Spaß beim Lesen!

    @Diti: Vielen Dank! *rotwerd* Ich freu mich, wenn ich dir Lust auf das Buch machen konnte und hoffe, es ist auf deiner Wunschliste etwas nach oben geklettert :-)

    Lieben Gruß von Eurer Bücherdiebin!
    ach ja: :-)

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  6. Zu deinem Kommentar auf meinem Blog:
    Stimmt, irgendwie kommen jetzt bald 2 Schneewittchenfilme raus. Allerdings gefällt mir Charlize Theron als böse Königin um einiges besser als Julia Roberts, weshalb ich wohl eher "Snow White and the Huntsman" sehen werde :]
    Ich kenn mich mit neuen Filmen auch nicht soo aus, meistens seh ich irgendwelche ansprechenden Trailer im Kino oder auf Blogs. Und ganz, ganz selten mal guck ich auch danach, aber das kommt so etwa einmal im Jahr vor ^^
    Oh ja, "Extrem laut und unglaublich nah" will ich auch noch lesen, allerdings weiß ich nicht, ob ich den Film sehen möchte :)
    LG

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