Donnerstag, 22. Dezember 2011

Kurzkritik zur Literaturverfilmung:
Red Riding Hood. Unter dem Wolfsmond

"Red Riding Hood. Unter dem Wolfsmond" ist der Film zum gleichnamigen Buch von Sarah Blakley-Cartwright. Dass es eine richtige Literaturverfilmung ist, kann man eigentlich gar nicht sagen, da das Buch parallel zum Film während der Dreharbeiten entstanden ist - was man zum Beispiel auch an den vielen Szenenwechseln im Buch merken kann. Alle Informationen zum Inhalt sowie meine ausführliche Kritik zum Buch findet ihr hier.


Was mir sofort sehr positiv an dem Film aufgefallen ist, ist die düstere Atmosphäre, die mir bereits im Buch Schauer über den Rücken gejagt hat. Schauplatz der Geschichte ist ein kleines mittelalterliches Dorf, das weitab jeglicher Zivilisation in einem dunklen Wald gelegen ist. Als wenn dies nicht schon gruselig genug ist, gerät die Darstellung dieser kleinen Welt durch das Verhalten der Bewohner von einem idyllischen Zusammenleben bald zu einer Art Hexenjagd, bei der schließlich jeder jeden verdächtigt, der Werwolf zu sein, und man niemandem mehr trauen kann. Wie die Dorfbewohner miteinander umgehen, ist für mich gleichzeitig das bedrückenste und das beeindruckenste Element des Films. 

Auch wenn für die mittelalterlichen Verhältnisse das Dorf viel zu sauber und seine Bewohner viel zu hübsch - kurz: zu hollywood-tauglich - dargestellt werden, konnte mich die Grundstimmung des Films doch überzeugen. Besonders eindrucksvoll gelingt auch später Valeries "Rotkäppchen": der karmesinrote Mantel, der in dieser düsteren Welt heraussticht wie eine königliche Robe - also kein Wunder, dass Valerie plötzlich verdächtigt wird, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Besonders schön auch die Bilder, wenn sie sich später in der komplett eingeschneiten weißen Winterwelt mit diesem roten Mantel zu ihrer Großmutter begibt.

Die Romantik im Film konnte mich dagegen nicht sehr überzeugen; sie ist hauptsächlich geprägt von schmachtenden Blicken zwischen Valerie und Peter sowie schmachtenden und eifersüchtigen Blicken von Henry. Überhaupt lassen die darstellerischen Qualitäten der Schauspieler an vielen Stellen zu wünschen übrig. Selbst der eigentliche "Hauptdarsteller" des Films konnte mich nicht so recht überzeugen: Der Werwolf ist seltsam holprig animiert und konnte in mir nicht den Schrecken wecken, den er im Dorf verbreitet. Einzig sehenswert ist hier wohl Gary Oldman in der Rolle des Pater Salomon, der im Dorf das Misstrauen schürt und auch die eigene undurchsichtige Vergangenheit überzeugend rüberbringt.

Überrascht hat mich, wie schnell gerade die erste Hälfte des Buches im Film "abgehandelt" wird. Da das Buch sich ja auf die Filmvorlage bezieht, hätte ich mir im Vorfeld eine 1:1-Umsetzung des Geschehen vorgestellt, doch dem ist nicht so. Im Buch werden einige Hintergründe mehr geliefert, die im Film wohl dem Schnitt zum Opfer gefallen sind. Gerade Valeries Kindheit und ihre frühe Freundschaft zu Peter, die im Buch recht ausführlich beschrieben wird, ist im Film kaum mehr als eine einzelne Eingangsszene. Dafür werden die späteren Ereignisse rund um den Werwolf umso ausführlicher gezeigt.

Die Parallelen zum Grimmschen Märchen "Rotkäppchen", die im Buch immer mal wieder angedeutet werden, verblassen im Film leider noch mehr - einzig den roten Mantel und ein "Was hast du denn für große Augen?" scheint man wiederzuerkennen - für eine Märchenadaption ist dies in meinen Augen wirklich zu wenig! Die Auflösung, wer denn nun der Werwolf ist, konnte mich schon im Buch nicht überzeugen und ich fand sie auch im Film sehr plötzlich und zu weit hergeholt. Lieber wäre mir auch hier ein offenes Ende wie im Buch gewesen. Die deutsche Ausgabe endet nämlich mit dem vorletzten Kapitel der Geschichte, das die Identität des Werwolfs nicht verrät und den Leser seine eigenen Schlüsse ziehen lässt.

Harmlose Buchadaption, die mit detailreichen Schauplätzen punkten kann, sonst aber keine sehenswerten Neuerungen mit sich bringt. Meine Begeisterung für Märchenadaptionen lässt der Film trotzdem nicht verblassen :-)


Und hier der Trailer für alle, die den Film noch nicht kennen:

Kommentare:

  1. Mir hat der Film richtig gut gefallen ^^ Das Buch kenne ich gar nicht, aber die Auflösung fand ich klasse! Ich habe alle Leute verdächtigt nur nicht diese Person ;)

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  2. @Wonder: gut, dass die Geschmäcker verschieden sind :-) Mir hat auch sehr gefallen, dass man jeden mal verdächtigen konnte, und auch, dass sich im Film alle gegenseitig verdächtigen. Aber wenn man schon weiß, wer der Wolf ist (ich hatte das fehlende Kapitel vorher auf englisch gelesen), dann achtet man auf viele Kleinigkeiten ganz anders... und irgendwie ist es dann nicht mehr so spektakulär ;-)

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  3. Das nennst du "kurz"?? ;)

    Bin schon sehr gespannt auf den Film. Das Buch reizt mich dagegen kaum...

    lg

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  4. @Steffi: hihi, als "Kurzkritik" wurde diese Kategorie mal geboren, da ich zu vielen Filmen eigentlich nur ein paar Sätze zu schreiben weiß... aber mit der Zeit ist es mehr und mehr geworden... vielleicht sollte ich mal über eine Umbenennung der Kategorie nachdenken ;-)
    und zum Rotkäppchen: Du verpasst sicher nichts, wenn du das Buch nicht liest :-)

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  5. ich fand den film auch so mega schlecht xD
    als ich den gesehen habe bin ich fast eingeschlafen und dann all diese logikfehler!
    sehr tolle kritik ;)

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  6. Haha Tanja, du sprichst mir aus der Seele, die Logikfehler waren wirklich gruselig ;-)
    Insgesamt fand ich den Film jetzt nicht abgrundtief schlecht, aber eben auch lange nicht gut...

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  7. Das hört sich ja eigentlich gar nicht soo schlecht an. Ich hab mich immer zurückgehalten, diesen Film zu sehen, weil ich so viel Schlechtes gehört hatte. Aber vielleicht leih ich ihn mir irgendwann mal aus und schnupper mal rein. Der Trailer und deine Vorstellung geben mir nämlich den Eindruck, dass sich damit ganz gut ein kuscheliger, entspannter Winterabend verbringen lässt...
    Eine wirklich gut geschriebene Review :)

    Zu deinem Kommentar: Die Nordlichter sind wirklich schön. Ich hab immer so ein ganz seltsames Gefühl, wenn ich Bilder davon sehe; irgendwie bin ich beeindruckt, dass so etwas die Natur schaffen kann. Deshalb will ich sie auch unbedingt mal mit eigenen Augen sehen.
    Jaa ich trau mich da noch rein :D Ich krieg ja sowieso selten Bücher geschenkt, weil immer niemand weiß, was ich alles schon gelesen habe und was nicht :D Und als ich sie gekauft hab, hatte ich eine Freistunde, also war ich so früh im Laden, dass ich nicht anstehen musste. War echt entspannt :D
    Solche Weihnachtsmärkte widersprechen meiner Meinung nach auch irgendwie dem Sinn des Weihnachtsfests :/ Bei uns gibt's auch wahnsinnig viele von diesen großen, lauten (Berlin halt...), aber eben auch viele kleine, schöne. Die gibt's bei euch aber hoffentlich auch, oder?

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  8. @Cocoon: Für einen kuscheligen Winterabend, an dem man ein bisschen abschalten möchte, ist "Red Riding Hood" gar nicht so schlecht! Man sollte halt nur nicht zu viele Erwartungen daran haben...
    Das Problem, dass die Leute nie wissen, welche Bücher sie mir schenken können, habe ich auch :-) Deswegen habe ich mir schon vor Jahren einen amazon-Wunschzettel eingerichtet, der vor Festtagen sehr gut angenommen wird :-)
    Und: oh je, Berlin und Weihnachtsmärkte! Da gibt es bestimmt an jeder Ecke ein quietschendes Kinderkarussel... aber hier ist es nicht viel besser, überall Weihnachtsgedudel und ganz viele Holländer, die extra einen Ausflug über die Grenze machen, weil es bei ihnen solche Märkte wohl nicht gibt... Aber jetzt ist es ja fast überstanden ;-)
    Ich wünsche dir frohe Weihnachten!

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