Samstag, 12. November 2011

[Rezension] Adam Gidwitz
- Eine dunkle und GRIMMige Geschichte

Es war einmal... eine Zeit, in der waren Märchen richtig, richtig toll

LESER, NIMM DICH IN ACHT! Was nun folgt, ist ein Märchen. Ein Märchen?, wirst du vielleicht denken. Märchen sind doch Kinderkram! Doch in diesem Märchen hüpfen keine kleinen Mädchen mit roten Kappen fröhlich durch den Wald. 
WAS ZWISCHEN DIESEN SEITEN AUF DICH LAUERT ist die wahre Geschichte von Hänsel und Gretel - ein Märchen voller dunkler Zauberer, gefährlicher Hexen und todbringender Drachen. 
TRITT EIN. Dieses Märchen ist vielleicht furchterregend, sicherlich blutig und definitiv nichts für Angsthasen; aber anders als alle anderen Märchen die du kennst, ist dieses hier wahr.


Adam Gitwitz führt uns in "Eine dunkle und GRIMMige Geschichte" ein in die Welt der Grimmschen Märchen - und erzählt diese doch ganz anders wieder. Aus den Märchen "Der treue Johannes", "Hänsel und Gretel", "Die sieben Raben", "Brüderchen und Schwesterchen", "Der Räuberbräutigam" und "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" hat er eine zusammenhängende Geschichte gewoben, die in ihrer Blutrünstigkeit und Mordlust den alten Märchen in nichts nachsteht. Die Geschwister Hänsel und Gretel, hier die Kinder eines Königspaares, werden dabei zu den Protagonisten der Geschichte und führen den Leser durch die verschiedenen Märchen, denen jeweils ein Kapitel des Buches gewidmet ist.

Aufgelockert ist die Geschichte durch sehr witzige kleine Unterbechungen, in denen der Autor selbst immer wieder mal zu Wort kommt. Darin spricht er den Leser - besser noch die Kinder, denen "Eine dunkle und GRIMMige Geschichte" vorgelesen wird - direkt an und nimmt der blutigen Geschichte damit schnell das Grauen; z.B. wird nach den ersten Kapiteln Folgendes gesagt:
Sind kleine Kinder im Zimmer? Wenn ja, dann ist es am besten, wenn wir sie in dem Glauben lassen, das sei das Ende der Geschichte, und sie schnell ins Bett bringen. Denn jetzt wird es ... nun ... richtig, richtig toll.
Aber auf eine Furcht einflößende, blutige Art und Weise.
Bis hierhin fand ich die Idee des Buches, aus all den Märchen eine große Geschichte zu machen, sowie den Stil des Autors, sich "persönlich" an seine Leser zu wenden, wirklich genial und innovativ! Trotzdem habe ich zwei Kritikpunkte an dem Buch, die meine Lesefreude arg gebremst haben:

Der Schreibstil ist viel zu einfach gehalten, als dass er mich wirklich überzeugen könnte. Es fällt zunächst positiv auf, dass Adam Gidwitz sich mit Satzbau und Wortwahl an der typischen Märchenform orientiert, doch leider wirkt dies oft sehr kindlich und konnte mich als Erwachsene nie so ganz überzeugen. Die Charaktere nimmt man auf diese Weise leider nicht ernst genug, da immer ein gewisser Abstand zur Geschichte bleibt, und man so kaum mit Hänsel und Gretel "mitfiebern" kann.

Das letzte Drittel des Buchs wird von dem Kampf gegen einen Drachen beherrscht, der leider gar nichts mehr mit den Gebrüdern Grimm zu tun hat (verbessert mich bitte, falls ich hier etwas Falsches schreiben und ein Märchen übersehen haben sollte, aber in meiner Erinnerung gibt es keine Erzählung, die auch nur annähernd einen solchen Kampf beschreibt). Dieser Teil wirkte auf mich absolut unüberzeugend, da die Geschichte immer abstruser wurde und mit der eigentlichen Idee, nämlich die alten Märchen aufleben zu lassen, nichts mehr gemeinsam hatte. Für den Schluss hätte ich mir auf jeden Fall etwas "Größeres" vorgestellt, vielleicht eine überraschende Wendung hin zu einem anderen Märchen, einen aktuellen Bezug oder schlicht mehr Erklärungen in den Kommentaren des Autors - doch diese Erwartungen wurden leider enttäuscht. So hat mich das Ende etwas unbefriedigt zurückgelassen.

Eine nette Geschichte, die für meinen Geschmack zu inkonsequent durchdacht wurde. Macht aber definitiv Lust, mal wieder die alten Märchenbücher zur Hand zu nehmen! 6 von 10 Bücherdiebinnen.


Vielen Dank an den Verlag arsEdition sowie Blogg dein Buch für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars! Für alle Interessierten an "Eine dunkle und GRIMMige Geschichte" hier noch der Direktlink zum Bestellen... 

Kommentare:

  1. Hmm, dann war mein erster Eindruck von dem Buch doch der richtige ... und ich bin froh, nicht zu ihm gegriffen zu haben.

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  2. klinhz nicht so, als wäre meine entscheidung, es im regal stehen zu lassen die falscheste gewesen ... die idee ist wirklich gut, aber wenn das schlussendlich wirklich nichts mehr mit den grimm'schen märchen zu tun hat, bringt das auch nicht viel.
    vielleicht leih ich's mir mal in irgendeiner öffentlichen bibliothek aus. ;) auf jeden fall 'ne gute rezi :)
    liebste grüße!

    killthesilencce.blogspot.com

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  3. Hey ihr zwei - ganz madig wollte ich euch das Buch auch nicht machen, immerhin fällt es bei mir (gerade noch) in die Kategorie "gutes Buch"... Bisher stehe ich übrigens mit meiner Meinung ziemlich alleine da, die meisten anderen Blogger waren ja ziemlich begeistert von dem Buch. Aber aus der Bücherei ausleihen ist sicherlich eine gute Sache ;-)
    Lieben Gruß von Eurer Bücherdiebin!

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