Freitag, 18. November 2011

Kurzkritik zur Literaturverfilmung: Beastly

"Beastly" ist die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Alex Finn. Alle Informationen zum Inhalt sowie meine ausführliche Kritik zum Buch findet ihr hier.

Der Film ist nur sehr locker an das Buch geknüpft, fast möchte man sagen, dass das Buch die Filmemacher bloß zu einem eigenständigen Film inspiriert hat. Leider fehlte mein Highlight aus dem Buch, die wunderbar lustigen Chatgespräche, in denen sich der Froschkönig, Arielle die Meerjungfrau und der Grizzly aus "Schneeweißchen und Rosenrot" mit dem Biest Kyle Kingsbury austauschen. Diese Szenen haben das Buch aufgelockert und der bekannten "Die Schöne und das Biest"-Geschichte ein paar eigenständige Aspekte hinzugefügt und noch dazu parallele "Schicksale" aus anderen Märchen betrachtet. Sehr schade, dass sie nicht in den Film integriert wurden! Ich hätte nur zu gerne gesehen, wie der Froschkönig in seinem New Yorker Apartment am Laptop sitzt und mit seinen Schwammhäuten versucht zu tippen ;-)

Gut gemacht ist meiner Ansicht nach das Biest, das aus Kyle Kingsbury wird. Statt wie im Buch ein typisches haariges Monster darzustellen, wurde im Film daraus ein glatzköpfiges, tätowiertes, aber durchaus menschliches Wesen. So ließen sich seine Stimmungen jederzeit gut nachverfolgen und er schien realistischer als das 2-Meter-große haarige Biest, das man sonst im Kopf hat.

Viel Zeit für die Entwicklung ihrer Charaktere wird den Schauspielern nicht gelassen. Ging im Buch die Wandlung Kyles vom gutaussehenden Fiesling zum gefühlvollen Biest schon relativ schnell vonstatten, so lief diese Gemütsänderung im Film nur noch vorhersehbarer ab. Vanessa Hudgens hat dagegen noch weniger zu tun. Sie ist das süße kleine Mädchen, das ein großes Herz hat und jedem mit einem offenen Ohr begegnet. Schon im Buch fiel es schwer zu verstehen, warum sie überhaupt bei Kyle bleibt und nicht versucht, aus diesem Gefängnis zu entfliehen, doch im Film wird das Ganze noch auf die Spitze getrieben, da man keinerlei Erklärungen für ihr Verhalten erhält.

Überzeugen konnten mich dagegen die Szenen mit Mary-Kate Olsen als böser Fee - auch wenn ich mich die ganze Zeit gefragt habe, wo denn ihre Schwester Ashley abgeblieben ist. *lach* Sie wirkte düster, bedrohlich und drehte überhaupt das ganze Klischee der Zauberin von Walt Disney sehr erfrischend auf den Kopf.
Zwei weitere Nebenfiguren, der blinde Hauslehrer Will (Neil Patrick Harris) und die Hauswirtschafterin Zola (LisaGay Hamilton) sorgen für einige Lacher in der Geschichte, da sie Kyle und seine Probleme nie ganz ernst nehmen und eine ironische Distanz zu dem ganzen Geschehen aufbringen.

Auch sonst werden viele Dinge aus dem Buch - das mit ca. 300 Seiten jetzt auch nicht wahnsinnig viel Inhalt bietet - nur verkürzt oder gar nicht dargestellt. Kyles monatelange Arbeit an dem Rosengarten scheint in zwei Nächten erledigt zu sein, die erste Annäherung zwischen der Schönen und dem Biest geht viel zu problemlos vonstatten und auch die gemeinsame Liebe zur Literatur, die die beiden im Buch näher zusammenbringt, wird nur schnell mit einem Gespräch über ein Gedicht "abgehakt". Stattdessen bleibt Zeit für schmachtende Blicke und das Sixpack von Alex Pettyfer, wenn er mal wieder oben ohne durch die Gegend läuft.

Viel ist von der Buchvorlage nicht übrig geblieben - geschweige denn von der ursprünglichen Geschichte "Die Schöne und das Biest"... Trotzdem bietet der Film nette Unterhaltung für zwischendurch inklusive einer Teenie-Romanze und einigen Lachern.


Hier der Trailer für euch:


Kommentare:

  1. Mir gings ganz genau so! Die schönsten Stellen im Buch, vor allem das mit dem Rosengarten,kamen gar nicht vor. Total schade.
    Kendra hat mir auch sehr gut gefallen :) Ich bin schon auf das Buch "Bewitching" gespannt :)

    Liebe Grüße!

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  2. Hey Lisa, danke für den Tipp! Ich musste "Bewitching" erstmal googeln... aber wie toll ist das denn?! Ein ganzes Buch über Kendra: "Kendra ponders whether to help out a modern day plain-looking stepsister, while also reflecting on her experiences in the 1666 British plague, the court of Louis XV, and on the Titanic."
    Das merk ich mir auf jeden Fall vor ;-)
    Lieben Gruß von deiner Bücherdiebin!

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  3. ich gestehe, dass ich das buch nie gelesen habe. nur den film gesehen und ich kann deine gegenargumentation auch verstehen, ohne das buch je gelesen habe. es ist wirklich sehr frustrierend, dass die charaktere sich nicht das winzigste bisschen entwickeln können. aber da du ja in deiner buchrezension meintest, dass das buch halbwegs unterhaltsam sein, werde ich mir das mal ansehen :)
    liebste grüße! :)

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  4. Genau das, was du schreibst, hab ich irgendwie von dem Film erwartet. Ich weiß grad nicht, ob ich zufrieden oder unzufrieden darüber sein soll, dass sich meine Vermutungen scheinbar bestätigen. Vielleicht guck ich mir den Film irgendwann an, wenn ich nichts besseres zu tun hab - aber da mir das Buch schon nicht richtig gefallen hat, erwarte ich mir nicht zu viel vom Film :S

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  5. @Faith: Ja, das Buch ist ganz nett - wenn du was für "zwischendurch" möchtest :-) Ansonsten gibts aber auch einige bessere Bücher... *lach*

    @captian: Eigentlich hab ich meine Meinung auch schon vor dem Film gehabt und wurde dann bestätigt... Ist halt ein typischer Teeniestreifen, aber ganz nett, wenn man sich einfach nur berieseln lassen möchte ;-) Du verpasst auch nichts, wenn du ihn dir nicht anschaust.

    Liebste Grüße von eurer Bücherdiebin!

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