Dienstag, 11. Oktober 2011

[Rezension] Christian von Aster
- Der letzte Schattenschnitzer

Fürchte deinen Schatten!

"Ehrt eure Magier. Das ist, worum ich euch bitten will. Und fragt ihr mich, warum, dann werde ich euch verraten, dass ich einen dieser Magier gekannt habe. Oh ja, ich glaube, wahrhaft von mir behaupten zu können, dass ich Jonas Mandelbrodt gekannt habe. Besser als irgendjemand sonst ihn gekannt hat. Doch über ihn zu schreiben fällt mir nicht leicht. Zumal es das Letzte ist, was ich tun werde."


Von jeher wacht der Rat der Schattensprecher über das Gleichgewicht zwischen Menschen und Schatten. Als eine alte Magie wieder zum Leben erwacht, beginnen die Schatten sich gegen ihre Herren zu verbünden. Und während Jonas Mandelbrodt, noch ein kleiner Junge, die Schatten seiner Stofftiere vertauschen lernt, geschieht ein Wunder, das die Welt in Verzückung setzt: Ein Mädchen ohne Schatten wird geboren, Carmen Maria Dolores Hidalgo. Mithilfe eines fast vergessenen magischen Zaubers sind Jonas und Maria die einzige Hoffnung, den Krieg zwischen Mensch und Schatten zu verhindern. Es beginnt ein phantastisches Schattenspiel um Magie, Intrige und Macht.

Zuerst einmal: Ich finde die Idee der Geschichte absolut genial. Über Schatten, die ihr Eigenleben führen, habe ich bisher noch in keinem Buch gelesen, geschweige denn von einer ganzen Schattenwelt und einer Magie, die nur Schatten beherrschen. Dieses Thema hat mich sehr neugierig gemacht und ich war super-gespannt auf das Buch!

Die Geschichte besteht aus drei Erzählebenen. Einmal wird das Leben der Kinder geschildert, angefangen bei Jonas' Babyjahren und seiner Kindheit; später schwenkt die Erzählung auch zu Maria, dem Kind ohne Schatten. Dieser Erzählstrang hat mir aufgrund der einfachen, aber eindringlichen Beschreibungen gut gefallen und ich habe das Leben der beiden Kinder gerne verfolgt.
Mit dieser Ebene eng verbunden ist außerdem die Erzählung von Jonas' Schatten, der uns aus der Ich-Perspektive über einige Hintergründe der Schattenwelt aufklärt. Auch diese - leider recht kurzen Einschübe - haben mir gefallen. Sie waren so voller Mystik und konnten die finstere Schattenstimmung gut herüberbringen. Gleichzeitig zeigten sie auch, wie allmächtig die Schatten sind - Jonas' Schatten kann seinem Schützling alles über die Schattenmagie beibringen und verfügt über ein Jahrhunderte altes Wissen.
Auf einer dritten Ebene wird vom Rat der Schatten berichtet. Mit dieser Erzählung konnte ich allerdings überhaupt nicht warm werden und sie hat mir leider auch den Rest des Buches ziemlich vermiest. Der Rat der Schatten und sein Umfeld bestand aus lauter undurchsichtigen Personen, die teilweise gar keine Namen hatten (und nur mit "der Alte", "der Ruhige", "der Energische", "die scharfe Stimme" usw. angesprochen wurden). Das hat mich wirklich an den Rand der Verzweiflung gebracht, da ich diese Personen nie zuordnen, geschweige denn wiedererkennen konnte. Auch die Themen, die sie besprochen haben, waren wirr, so dass ich der Handlung des Schattenrats bald überhaupt nicht mehr folgen konnte - die ganze Magie dahinter blieb so für mich ein Buch mit sieben Siegeln.

Gegen Ende des Buches fließen diese verschiedenen Erzählstränge zusammen und es herrscht wieder etwas mehr Klarheit - ich hatte die richtige Abfahrt für diese Geschichte aber längts verpasst und konnte mir nie richtig etwas unter den ganzen Mysterien vorstellen. Gerade, da die Art der Schattenfantasy so ein neues Gebiet ist, hätte es hier in meinen Augen viel mehr Erklärungen geben müssen, damit man diese Welt richtig verstehen und sich vorstellen kann - für mich blieb sie so aber leider unnahbar und schwammig. Es werden wahnsinnig viele Andeutungen gemacht, oft wird beschrieben, dass Jonas (mal wieder) im Dunkeln tappt und die großen Zusammenhänge (noch) nicht erkennen kann. Dem Leser werden so aber auch keine großen Erkenntnisse gewährt - oft ist man genauso ahnungslos wie Jonas und das kann zeitweise ganz schön frustrieren. Am Ende von "Der letzte Schattenschnitzer" gab es einige überraschende Wendungen, die mich doch noch länger über das Buch nachdenken ließen. Aber ganz retten konnte es die verworrene Geschichte leider nicht mehr.

Eine weitere Ebene gibt es noch in dem Buch, und zwar werden aus dem Buch "Alchimia Umbrarum" von John Dee einige Kapitel zitiert, die Hintergründe zu den Mysterien der Schatten liefern - so wirkte für mich diese alte Magie ein bisschen realer. Die Kapitel waren kurz und beeinhalteten gute Erklärungen, so dass man etwas hinterher kam mit den ganzen Geheimnissen dieses Buches. Die Idee, aus einem fiktiven Buch zu ziteren, fand ich - genauso wie die gesamte Idee der Schattenmagie - wieder überaus genial.

Eine faszinierende neue Fantasy-Idee, die aber stellenweise so wirr wirkt, dass man weder alle Geheimnisse versteht noch richtig in die Welt eintauchen kann. 
Leider nur 4 von 10 Bücherdiebinnen!

Kommentare:

  1. alles in allem klingt die handlung des buches hoch interessant! besonders von den schatten mit eigenleben. es gibt allerdings bereits eine geschichte die sich damit beschäftigt, die aber eher unbekannt ist - ein märchen von hans christian andersen, dass sich meines wissens nach "der schatten" nennt. auch dort lebt der schatten, aber das ist eine andere geschichte. ;)
    deine rezenssion macht zum einen sehr gespannt auf das buch - oder eher die ersten beiden "ebenen" wie du es genannt hast - und ich überlege mir es mal anzuschauen. aber vorerst eher kein kauf, falls es mir genauso wenig gefallen sollte.
    in jedem fall ein großes danke für die rezension dieses buches :)
    liebe grüße :)

    killthesilencce.blogspot.com

    AntwortenLöschen
  2. Hey Faith,
    ja, das Thema des Buches ist wirklich toll, für mich war es leider nicht das richtige :-( Aber wenn man mal bei amazon durch die Rezensionen stöbert, sieht man, dass die Meinungen ganz schön auseinander gehen - also vielleicht hast du mehr Glück mit dem Buch als ich?!
    Wenn du möchtest, würde ich das Buch auch mit dir tauschen - meine Ausgabe sieht noch aus wie neu ;-)
    Das Märchen von Hans Christian Andersen werd ich mir gleich mal angucken, danke für den Tipp!
    Liebe Grüße von deiner Bücherdiebin

    AntwortenLöschen
  3. Ok - dieser Kommentar gehört jetzt nicht ganz hierher, aber ich habe gestern abend Der Märchenerzähler fertig gelesen und ich fand es unglaublich bewegend - bin schon ganz gespannt auf Deine Rezension!!

    AntwortenLöschen
  4. Huhu Sarah,
    ist ja witzig, dass du den Märchenerzähler auch gerade gelesen hast! Ich bin knapp über der Hälfte und finde es bisher richtig-richtig gut! Na, mal schauen, was noch kommt, aber in die Lobeshymnen über den tollen Schreibstil werde ich wohl einstimmen ;-)

    AntwortenLöschen
  5. Genau dieses Buch lese ich auch gerade. Leider dauert es noch etwas, bis ich fertig bin, da es mich noch nicht wirklich in seinen Bann gezogen hat und ich es immer wieder zur Seite lege und zu einem anderen greife. Teilweise ist die Geschichte wirklich spannend, aber gewisse Handlungsstränge sind nicht so ganz für mich geschaffen.

    AntwortenLöschen
  6. Hey liebe Funkelfaden,
    ja, das Buch macht es einem wirklich schwer.. Die Idee dahinter ist ja wirklich klasse, aber ich hatte wirklich Probleme, bei dem Schattenrat immer mitzukommen :-( Kann also gut verstehen, dass du es immer zur Seite liegst, um etwas "spannenderes" zu lesen ;-) Kleine Motivation: Ich fand das Ende wieder sehr viel besser, da gab es noch ein paar überraschende Wendungen!
    Liebe Grüße von deiner Bücherdiebin!

    AntwortenLöschen
  7. Hübsches Cover, nette Grundidee und nahbare Charaktere - man sollte meinen das ist ein super Buch. Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt, es mir zu kaufen, aber deine Rezension hat mich doch nachdenklich gemacht... Ich suche einfach nochmal nach anderen Rezensionen, bevor ich mich entscheide.

    LG Rekymanto

    AntwortenLöschen
  8. Huhu Rekymanto,
    dass es ein super Buch ist, hab ich vorher auch gedacht... :-) Aber vielleicht geht es dir auch ganz anders damit, das Buch hat bei amazon einige positive Rezensionen bekommen. Kommt, glaube ich, sehr darauf an, ob du mit dieser Art von Fantasy zurecht kommst - bei mir war das leider nicht der Fall :-(
    Lieben Gruß von deiner Bücherdiebin!

    AntwortenLöschen