Donnerstag, 20. Oktober 2011

[Rezension] Alex Flinn - Beastly

Alles begann mit einer Hexe

"Ich bin eine Bestie. Eine Bestie. Kein Wolf oder Bär, kein Gorilla oder Hund, sondern eine entsetzliche Kreatur mit aufrechtem Gang – ein Wesen mit Reißzähnen und Klauen. Aus jeder Pore sprießen mir Haare. Ich bin ein Monster. Du glaubst wohl, ich erzähle Märchen? Falsch. Ich lebe in New York. In der Gegenwart. Ich bin keine Missbildung, bin nicht krank. Aber ich werde für immer so bleiben – bin ruiniert – es sei denn ..."


Kyle Kingsbury ist eine Bestie, die nachts durch New York streift - ein hässliches Monstrum. Doch Kyle war nicht immer so. Er war mal ein Junge, mit dem jeder andere gerne getauscht hätte, ein gutaussehender, reicher und bei vielen Mädchen beliebter Kerl. Doch er war auch arrogant, eingebildet und überheblich. Zur Strafe wurde er dazu verflucht, dieses grässliche Biest zu sein – jetzt kann nur noch die Liebe diesen Fluch brechen.

"Beastly" ist eine moderne Adaption des Märchens "Die Schöne und das Biest", die in der Gegenwart spielt und in eine alltägliche Highschool-Umgebung, gespickt mit fantastischen Elementen, versetzt wurde. Es gibt viele kleine Referenzen auf das Märchen, so dass ich mich immer gefreut habe, wenn ich einen bekannten Aspekt aus "Die Schöne und das Biest" in diesem modernen Gewand wiedergefunden habe. Leider bedient sich das Buch dabei auch einiger Klischees, die mich beim Lesen gestört haben. So ist z.B. der Vater der "Schönen" Lindy der typische Alkoholiker, der sich nicht um seine Tochter kümmert, und sie einfach dem grausamen Biest ausliefert, der Vater des "Biestes" Kyle dagegen ist der strenge Geschäftsmann, der nie Zeit für seinen Sohn hat.

Die Geschichte beginnt zunächst sehr behutsam. Der Leser erfährt aus der Sicht von Kyle viel über das Leben vor seiner Verwandlung. Der alte Kyle benimmt sich - man muss es leider so sagen - wie ein oberflächlicher Kotzbrocken, ist nur auf sein Aussehen bedacht, geht lediglich mit den beliebtesten Mädchen der Schule aus und nimmt es als selbstverständlich, dass er zum Ballkönig gewählt wird. Bald lernen wir also die Fee, die Kyle schließlich in das Biest verwandelt, kennen: Ihre Darstellung ist sehr originell, wird sie doch als hässlich-abgedrehte Gothic-Frau beschrieben, die von Kyle natürlich sofort für ihr Aussehen verurteilt wird. Lediglich Lindy wird nur kurz vorgestellt, hinterlässt aber einen bleibenden Eindruck - sowohl bei Kyle als auch beim Leser.

Die zweite Hälfte des Buches - die Annäherung von Lindy und Kyle - fand ich dagegen eher schnulzig. Klar handelt es sich auch bei "Beastly" um ein Märchen, aber der Übergang zum "Sie lebten glücklich für immer und ewig" war für meinen Geschmack doch mehr als kitschig umgesetzt. Waren die ersten Begegnungen der beiden noch sehr realitätsnah geschildert, so fand ich etwa die Liebesgeständisse und die verliebten Gedanken Kyles immer unpassender. Die Beschreibungen, wie gut und gütig Lindys Charakter doch ist, und wie nebensächlich ihre kleinen Schönheitsfehler plötzlich sind, wirkten aus Kyles Augen betrachtet zusehends unrealistischer und übertriebender; auf Dauer nervten sie mich sogar.

Aufgelockert wird die gesamte Geschichte durch sehr lustige Mitschnitte aus einem Chatroom, in den sich Kyle nach der Verwandlung zum Biest immer wieder einloggt. Dort trifft er auf Gleichgesinnte wie Arielle, die Meerjungfrau, den Froschkönig oder den Bär aus "Schneeweißchen und Rosenrot", die alle von den Leiden nach ihrer Verwandlung berichten. So wurden auch Elemente aus anderen bekannten Märchen mit in "Beastly" eingeflochten - und sich vorzustellen, wie alle diese Wesen in der heutigen Zeit vor ihrem PC sitzen, um sich im Internet zu Selbsthilfegruppen zusammenzufinden, war wirklich amüsant!

Insgesamt eine schöne Märchenadaption mit vielen passenden Anspielungen, die leider aber einige Klischees bedient. Für zwischendurch aber immer noch okay - macht 5 von 10 Bücherdiebinnen!


Kommentare:

  1. Liebe Bücherdiebin,
    eine schöne Rezension zu „Beastly“! Das Buch habe ich schon seit längerem im Auge, aber auch nur, weil ich das Buch lesen wollte, um dann den Film sehen zu können (generell versuche in letzter Zeit Bücher vor dem Anschauen der Verfilmung dieser zu lesen). Ich denke mal, dass das Buch und auch die Verfilmung noch warten können, die letzten Rezensionen die ich so zu dem Buch gelesen haben klangen alle nicht so begeistert...

    P.S.: Mich hat dein Kommentar wirklich gefreut und vor allem auch die Tatsache, dass du dir „Wer ist Violet Park?“ bestellt hast! Das Buch gehört zu meinen Lieblingen und ich bin schon gespannt, was du zu dem Buch sagen wirst!

    Die herzlichsten Grüße aus dem Nirgendwo!

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  2. Mir gefällt deine Rezension, vor allem, weil ich das Buch genau so empfunden habe. Ich habe damals nur aus Faulheit nichts dazu geschrieben.
    Den Film habe ich auch gesehen, der war aber eher noch schlechter als das Buch. Sehr Klischeebeladen und kitschig.

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  3. Ich kann dir nur zustimmen, bei dieser Rezension. Bevor der Kinofilm zu "Beastly" erschien, wollte ich das Buch unbedingt noch lesen. Ich war im Nachhinein so froh, dass ich mir nur die billige englische Taschenbuchausgabe gekauft hatte, denn bis auf diese Chatroomgespräche und Teile des Anfangs hat mir das Buch nicht gefallen. Es war eben, wie du schreibst, zu klischeebeladen und kitschig, was auf Dauer sehr nervig wurde. Mit 13 hätte ich dieses Buch vielleicht gemocht, aber jetzt nicht mehr.
    Hast du denn den Film dazu gesehen?

    LG

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  4. Hey ihr drei,
    freut mich, dass ich Gleichgesinnte gefunden habe, die dem Buch auch nicht so viel abgewinnen konnten - habe im Vorfeld doch sehr viel Positives über das Buch gelesen. Ich versuche auch meist, das Buch zu lesen, bevor ich mir die Verfilmung anschaue. Bei "Beastly" bin ich durch die viele Kinowerbung auf den Film aufmerksam geworden und hab mir jetzt das Buch in der Bücherei schnappen können. Allerdings weiß ich gar nicht, ob ich den Film jetzt unbedingt noch schauen muss - meistens sind die Verfilmungen ja schlechter als das Buch... und wenn mir das Buch schon nicht so zugesagt hat... mal gucken :-)

    @Nirgendwo: Jaaaa, Violet ist inzwischen schon angekommen! Mein Freund hat direkt gefragt, was das denn für ein komisches pinkes Buch wäre, aber dann habe ich ihm von deiner Empfehlung erzählt :-) Danke nochmal!

    @Stefanie: Mensch, hättest du mich mal gewarnt vor dem "Biest" :-) Wie gesagt, mal schauen, ob ich mich an den Film überhaupt noch rantraue...

    @captian cow: Ja, ich hätte mich auch geärgert, wenn ich 13,- Euro für das Buch ausgegeben hätte :-( Lustig, dass du sagst, dass dir das Buch mit 13 vielleicht gefallen hätte, ich hatte in meiner Rezi zuerst noch den Satz drin, dass das Buch wohl eher für die jüngeren Leser geeignet ist :-)

    Liebste Grüße von Eurer Bücherdiebin!

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  5. Tolle Rezi und wirklich schöner Blog, bin gleich mal Leser geworden :) Vllt guckst du dir auch meinen an, bin neu hier und regelmäßige Leser sind immer willkommen ^^ www.un-bon-livre.blogspot.com

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  6. eine gute rezension. :) ich kenne bis jetzt nur den film, der wie es wohl aussieht - abgesehen von selbsthilfegruppen für märchenfiguren ;) - sehr nahe am buch übernommen wurde. beim film sind mir die selben sachen auf gefallen: klischee, schnulze ...
    hast du gut zusammengefasst, aber der vollständigkeit wegen (ich lese die meisten bücher die ich mal als film gesehen habe) werde ich es mir trotzdem einmal ausleihen und lesen. :)
    liebste grüße!

    killthesilencce.blogspot.com

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  7. @Sophia: Willkommen auf meinem Blog! Schön, dass er dir gefällt ;-)

    @Faith: Wie, im Film gibt es keine Selbsthilfegruppen für Märchenfiguren?? Ich bin schwer enttäuscht! ;-) Schade, wenn auch der Film genauso klischeebeladen daherkommt - aus der Grundidee hätte man noch so viel mehr machen können! Werd ihn mir der Vollständigkeit halber aber auch irgendwann angucken - ich mach es nämlich genau anders herum: Meist schaue ich mir die Verfilmungen der Bücher an, die ich irgendwann mal gelesen habe ;-)

    Lieben Gruß von Eurer Bücherdiebin!

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