Samstag, 3. September 2011

[Rezension] Sarah Blakley-Cartwright -
Red Riding Hood. Unter dem Wolfsmond

Es war einmal ein Mädchen... ...und ein Wolf!

"Er kommt mich holen", sagte Valerie flüsternd. "Noch bevor der Mond schwindet. Was mit Lucie geschah, war meine Schuld. Der Wolf ist wegen mir gekommen...!

Zehn Jahre ist es her, dass Valeries Kindheitsfreund Peter verschwand und Valerie beim nächsten Vollmond einem Werwolf gegenüberstand – und von diesem verschont wurde. Nun ist Peter wieder da, und als sie ihn wiedersieht, packt die jetzt siebzehnjährige Valerie dieselbe wilde Leidenschaft wie dereinst. Zwar ist sie dem wohlhabenden Henry Lazar versprochen, aber Valerie würde alles dafür tun, um Peter nicht wieder zu verlieren. Doch dann wird am Tag nach Vollmond der leblose Körper eines jungen Mädchens gefunden. Kratzspuren und Bisse sprechen eine eindeutige Sprache: Der Werwolf ist zurück, und er hat sich ausgerechnet Valeries Schwester Lucie geholt. Alles deutet darauf hin, dass der Wolf allein wegen Valerie gekommen ist und nicht ruhen wird, bis er auch sie in seiner Gewalt hat…

Die moderne Märchenadaption von Sarah Blakley-Cartwright basiert auf dem Film "Red Riding Hood", der im April in die Kinos kam. Dieser Tage wurde die DVD veröffentlicht, wer den Film also wie ich im Kino verpasst hat, weil er erst noch das Buch lesen wollte *lach*, der hat jetzt wieder Gelegenheit! Allerdings sollte sich jeder Leser, der das Buch kauft, bewusst sein, dass es im Grunde unvollständig ist: Das letzte Kapitel, das über die wahre Identität des Werwolfs berichtet, wurde weggelassen, um den Lesern nicht vor Kinostart die Spannung zu nehmen. In der englischen Ausgabe gibt es einen Hinweis auf das verbleibende Kapitel, das man auf der Homepage http://redridinghoodbook.com finden kann - leider auch nur auf Englisch. Die deutschen Leser gehen dabei leer aus - in der deutschen Ausgabe gibt es nicht mal einen Hinweis auf das "richtige" Ende.

Jetzt aber zur eigentlichen Rezension:

"Red Riding Hood" ist eine düstere Märchenadaption. Mit dem Grimmschen Märchen "Rotkäppchen" hat dieses Buch zugegeben nicht mehr viel gemeinsam, doch bei jeder Parallele freute ich mich wieder darüber, etwas aus den alten Kindheitstagen zu entdecken: die Großmutter, die im einsamen Wald lebt, der rote Mantel von Rötkäppchen (und wie sie ihn überhaupt bekommt), die typischen Zitate wie "Warum hast du so große Augen?" und noch einiges mehr, was ich jetzt nicht verrate ;-)

Der Charme des Buches besteht nicht darin zu ergründen, wer der Werwolf ist, sondern vielmehr, wie sich die einzelnen Dorfbewohner - als der Werwolf das erste Mal zuschlägt - verhalten, und dann anfangen, sich gegenseitig zu beschuldigen. Die einstmals so verschworene Gemeinde kann sich gegen Ende nicht mehr vertrauen und es zeigen sich menschliche Abgründe auf bei Personen, die man früher für Freunde gehalten hätte. Diese Atmosphäre des Buches (kurz gesagt: ein mittelalterliches Dorf, in dem ungeheure Dinge vorgehen) hat mir gut gefallen!

Das Ende des Buches ist interessant: Es bleibt komplett offen, so dass man seine eigenen Vermutungen anstellen kann, wer der Werwolf ist, denn fast alle Personen wurden während des Buches mindestens einmal verdächtigt. Vielleicht ist es die offensichtliche Person oder doch jemand ganz anderes? Ein paar Personen kann man eindeutig ausschließen, da das Geschehen zwischenzeitlich aus ihrer Perspektive geschildert wurde, doch ich konnte mir am Ende nicht sicher denken, wer es nun war. Doch viel wichtiger ist, wie Valerie auf das vorherige Geschehen reagiert und welche Entscheidung sie daraus fällt. Damit verknüpft ist eine locker-süße Liebesgeschichte, die im Schatten des düsteren Geschehens abläuft.

Man merkt dem Buch an, dass es nach einem Drehbuch geschrieben wurde und nicht umgekehrt. Manchmal wechselten die Szenen ruckartig, es gab einige kurze Kapitel (wahrscheinlich, wenn die Filmszene gerade nicht mehr hergegeben hat) und oftmals einen Perspektivwechsel der Personen, wie man es eher vom Film als von Büchern gewohnt ist. Insgesamt macht dies alles den Anschein, dass das Buch noch schnell vor dem Filmstart auf den Markt gebracht wurde, um möglichst viel Gewinn aus der Geschichte zu ziehen - was man auch an den vielen Rechtschreibfehlern im Buch bemerkt. Für einen regnerischen Tag zu Hause ist das Buch mit seiner Mischung aus Liebe, Geheimnissen und Ängsten aber dennoch bestens geeignet und konnte mich einige Stunden lang unterhalten.

Im Internet habe ich mir schließlich die letzten 15 Seiten auf Englisch durchgelesen und leider muss ich sagen, dass ich die Auflösung eher schwach und deutlich an den Haaren herbeigezogen fand. Im Nachhinein habe ich mich ein bisschen geärgert, dass ich mir den Zauber des Buches so selbst kaputt gemacht habe. Vielleicht wäre es besser gewesen, das Ende einfach offen zu lassen?! 

Eine schöne, düstere Märchenadaption für Zwischendurch, leider mit sehr offenem bzw. sehr schwachem Ende. 6 von 10 Bücherdiebinnen!



Hier der Filmtrailer, für alle, die noch nicht im Kino waren:



Kommentare:

  1. Ich hab den Film ja verpasst und immer das Buch im Laden stehen sehen, aber da ich kein Kinogänger bin dachte ich immer das Buch würde einem Film ähneln, den ich vor ein paar Jahren mal gesehen habe. So wie es aussieht ist das aber nicht so. Ich werde mir mal überlegen das Buch zu kaufen. Die von dir beschriebene Atmosphäre wäre es mir ja eigentlich schon wert ^^ Danke für die schöne Rezension. :)

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  2. Ich habe den Film gesehen und fand den Film eigentlich ganz gut!! Hab dann mal die letzten Seiten bei Weltbild kurz angelesen und geschaut wegen dem Ende und habe dann auch gesehen, dass es offen bleibt...trotzdem gefiel mir die Geschichte sehr gut!
    Lg
    Martina

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  3. @Blutmädchen: Also die Atmosphäre finde ich wirklich ganz besonders an dem Buch. Den Film werd ich mir in der nächsten Zeit auch mal anschauen und dann sicher einen kleinen Bericht dazu veröffentlichen. Mal schaun, wie gut er die Atmosphäre rüberbringt. Weißt du denn noch, was das für ein Film war, den du mit "Red Riding Hood" verwechselt hast?

    @Martina: Ja, die Geschichte an sich ist wirklich ganz gut, spannend, düster, ein bisschen Liebe. Bin auch auf den Film gespannt und wie das Ende da umgesetzt wird... Vielleicht ist es ja etwas stimmiger als im Buch - da war ich nämlich ganz schön auf der falschen "Fährte", wer denn der Werwolf ist :-)

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  4. heii

    die rezension klingt echt gut :))
    ich find deinen blog echt klasse und bin nun regelmäßiger leser :)
    Würd mich freuen wenn du auch mal in meinem vorbeiguckst.
    Er ist noch ganz neu und noch nicht so gut aber hier der link http://books-live-love.blogspot.com/

    Lieebe grüße lena

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