Dienstag, 27. September 2011

[Rezension] Gemma Malley - Widerstand

Eine Medizin, die unsterblich macht - ein schöner Traum?

"Du wirst auf dich allein gestellt sein und die gesamte Pincent-Pharma-Maschinerie gegen dich haben, und ich muss wissen, ob du auch darauf vorbereitet bist. Dir muss klar sein, dass das nicht bloß irgendein Auftrag ist, Peter. Es ist eine Schlacht. Es ist eine Schlacht zwischen Natur und Wissenschaft, Gut und Böse. Für die Menschen ist die Langlebigkeit verführerisch, und dein Großvater wird alles tun, was in seiner Macht steht, um dich auf seine Seite zu ziehen. Du musst mit offenen Augen dort hineingehen."
"Meine Augen sind offen", sagte Peter überzeugt. "Ich hasse Richard Pincent. Ich hasse alles, wofür er steht. Dieses Langlebigkeitsmedikament ist für alles verantwortlich, worunter ich zu leiden hatte. Und auch Anna."

ACHTUNG: Spoiler!! Bitte nur lesen, wenn ihr den ersten Teil "Der Pakt" bereits beendet habt! Meine Rezension dazu findet ihr hier... 

Eine Medizin, die unsterblich macht - ein schöner Traum? Ganz im Gegenteil. Denn wenn alle ewig am Leben bleiben, ist kein Platz mehr für Kinder, für eine neue Generation. Zwei Jugendliche, Anna und Peter, leisten Widerstand und finden Unterstützer. Auch unter den Unsterblichen. Alles ist besser als die Gefangenschaft im Überschuss-Heim für illegale Kinder und Jugendliche. Anna und Peter sind froh, entkommen zu sein. Doch glücklich werden sie draußen nicht: Nicht unter den misstrauischen Blicken der alten Leute, denen ein Langlebigkeitsserum Unsterblichkeit schenkt. Außerdem wissen Anna und Peter nur zu gut, welchen Preis das ewige Leben hat: Kinder zu bekommen ist verboten. Für sie ist kein Platz mehr. Doch wer möchte schon in einer Welt leben, in der es keinen Fortschritt mehr gibt? Anna und Peter schließen sich dem Untergrund an, einer geheimen Widerstandsorganisation, und Peter übernimmt eine gefährliche Mission: Er schleust sich als Spion bei Pincent Pharma ein, dem Konzern, der das Langlebigkeitsserum herstellt - und der seinem Großvater gehört. 

Der erste Teil "Der Pakt" dieser insgesamt vierteiligen Reihe rund um den Traum von der Unsterblichkeit wurde mit "Widerstand" interessant weitergedacht. Im Vordergrund steht diesmal Peter, Annas Freund aus dem ersten Teil, doch die Geschichte wird auch wieder aus anderen Perspektiven erzählt, wobei wir auf viele alte Bekannte treffen, aber im Umfeld der Pharma-Industrie auch einige neue interessante Persönlichkeiten kennen lernen.
Leider rückt Anna, mit der man sich im ersten Band gut identifizieren und mit ihr mitfühlen konnte, dadurch sehr in den Hintergrund. Sie wird zur Hausfrau und Mutter degradiert, die nur noch abhängig von Peter zu existieren scheint und sich für ihren kleinen Bruder Ben fast völlig aufgibt. Das hat mich sehr geärgert! Nach ihrem Ausbruch aus Grange Hall hatte ich erwartet, dass sie an all den Erlebnissen gewachsen ist und sich nun aktiv am Widerstand beteiligt - dem ist leider nicht so, vielmehr scheint sie sich hinter Peter zu verstecken und wirkt völlig abhängig und unselbstständig.
Die Liebesgeschichte geht so leider auch fast gänzlich verloren: Es sind erst ein paar Monate seit der Flucht vergangen, und schon leben die beiden 15jährigen Frischverliebten nur noch so nebeneinander her. Die Romantik des ersten Bandes blieb leider völlig auf der Strecke. Gefragt habe ich mich auch, ob die beiden sich in ihrem jungen Alter schon so sicher sein können, die große Liebe gefunden zu haben, dass sie direkt planen, eine "neue Generation" zu schaffen. Dies passte aber wiederum in das neue Bild, das man von Anna bekommt, die sich für die nachfolgende Generation problemlos aufopfern würde.
Am ersten Teil fand ich besonders faszinierend, dass ich die Handlungsweise absolut jeder Person - auch der "Bösen" - verstehen und nachvollziehen konnte, so dass keine Person in meinen Augen absolut böse, sondern in ihrer Situation bloß konsequent gehandelt hat. Dies wird auch in "Widerstand" wieder versucht, doch gelingt es leider nicht mehr so gut. Auch wenn auf jeder Person mal der Fokus liegt, so konnte ich gerade die Absichten von Richard Pincent, dem großen Pharma-Boss, doch nur teilweise verstehen - er gehörte für mich eindeutig zu den Personen, die nur von niederen Beweggründen wie Geld und Macht bewegt werden.
Ansonsten wird wieder sehr gut herausgearbeitet, dass es kein eindeutiges "Schwarz" und "Weiß" gibt, sondern sich alle Personen - wie im wahren Leben - irgendwo dazwischen bewegen. So hat auch der Untergrund, zu dem zu gelangen das große Ziel des ersten Bandes war, seine deutlichen Schattenseiten und ist keineswegs der ideale Weg, sein Leben zu leben.

Das große Thema des Buches - den Traum von der Unsterblichkeit - finde ich wieder sehr gut umgesetzt. Es werden die vielen negativen Aspekte gezeigt, die ein unsterbliches Leben mit sich bringt, trotzdem verfällt das Buch keinem Schwarz-Weiß-Denken, sondern schafft es, die Argumente gut gegenüberzustellen - aber natürlich trotzdem zu zeigen, dass unser Leben, wie es momentan ist, das lebenswertere ist. Das spannende Ende macht Lust auf die nächsten Teile "The Returners" und "The Legacy", die aber bisher leider nur auf Englisch erhältlich sind.

Eine spannende Fortsetzung, die durch einige Mängel enttäuscht und leider längst nicht mit dem Vorgänger mithalten kann. 6 von 10 Bücherdiebinnen!

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