Donnerstag, 29. September 2011

[Buch im Buch] Philippe Djian
- Betty Blue. 37,2 Grad am Morgen

Hallo zusammen, hier links seht ihr meinen Bücherkerl Hubert - das heißt, es ist endlich wieder Zeit für eine neue Buchvorstellung von einem Buch, das sich mit einem anderen Buch beschäftigt. Leider habe ich diese Kategorie schon wieder schändlich vernachlässigt, aber aus gegebenen Anlass - den ich euch am Samstag verraten werde :-) - wird jetzt wieder mehr los sein in meiner liebsten Bücher-Kategorie! Ihr seid verwirrt und hört heute zum ersten mal von "Buch im Buch"? Hier gibt es eine Erklärung, was es damit auf sich hat...

Und hier kommt mein heutiges Buch:


Betty Blue. 37,2 Grad am Morgen von Philippe Dijan

Betty und Zorg sind leidenschaftliches Paar, das in einer Hütte am Strand wohnt. Zorg erledigt als Handlanger allerlei sonderbare Jobs um sein Geld zu verdienen. Betty hat gerade ihren letzten Job als Bedienung gekündigt, nachdem sie von ihrem Boss sexuell belästigt wurde.
Eines Tages verlangt Zorgs Chef von ihm, die 500 Hütten, die den Strand besiedeln, neu zu streichen. Zorg verschweigt die Anzahl der Hütten vor Betty und gibt vor nur ein Haus streichen zu müssen. Betty, erfreut über die neue Arbeitsmöglichkeit, hilft Zorg voller Enthusiasmus, der schließlich in große Wut übergeht, als sie die wahre Zahl erfährt. Aus Ärger über Zorgs Boss, übergiest sie dessen Auto mir pinker Farbe.
Während eines Streites mit Zorg entdeckt Betty zufällig mehrere Notizbücher mit einem Roman, den Zorg Jahre zuvor geschrieben hatte. Sie liest das Manuskript und verliebt sich noch mehr in Zorg. Sie macht es zu ihrer Lebensaufgabe, jede handgeschriebene Seite aus Zorgs Manuskript abzutippen und zu veröffentlichen. Bettys temperamentvoller Charakter und ihre Unterwürfigkeit zu Zorg entwickeln sich aber bald zu einer alarmierenden Besessenheit, Aggressivität und Destruktivität...


"Betty Blue" ist DAS Kultbuch der 80er Jahre, kann aber auch heute noch prima gelesen werden, ohne dass es angestaubt erscheint. In die Medien ist es damals vor allem wegen seiner häufigen Sexszenen gekommen, die aber in heutigen Zeiten - in denen alle über "Feuchtgebiete" reden - kaum noch für Aufregeung sorgen sollten. Vielmehr geht es um eine bedingungslose Liebe zweier junger Menschen, die für die psychisch kranke Betty zum einzigen Lebensinhalt wird, und wie sich diese Besessenheit leider immer weiter ins Negative verkehrt. Ein sehr trauriges Buch!
Mein Bücherherz hat natürlich vor allem der verkappte Schriftsteller Zorg höher schlagen lassen, der von Betty dazu gebracht wird, endlich sein Manuskript zu veröffentlichen, das seit Jahren in Kisten verstaubt. Hier eine der Schlüsselszenen, in denen die beiden gerade darum streiten, wie wunderbar (oder eben nicht) der Roman ist:
- Wenn ich dieses Buch geschrieben hätte, murmelte sie, wäre ich nicht damit beschäftigt, mich zu fragen, ob mein Leben einen Sinn hat. Ich bräuchte nicht darüber nachzudenken, was das Wichtigste wäre. Ich, ich bin nichts, aber du, du darfst nicht so reden, du nicht [...]. Bedeutet dir das wirklich nichts?
- Doch, ich hab mein bestes gegeben, als ich es geschrieben habe. Aber ich kann die Leute nicht dazu zwingen, es zu mögen. Alles was ich tun konnte, das war, es zu schreiben, ich kann nichts dafür, wenn das alles ist.
- Und mich hälste wohl für eine Idiotin? Glaubst du, ich fall vor dem erstbesten Buch auf die Knie, glaubst du, das liegt allein daran, dass du das geschrieben hast...
- Ich hoffe, du tust mir das nicht an.
- Manchmal frag ich mich, ob du das nicht mit Absicht machst...
- Was...?
- Es sieht fast so aus, als machte es dir Spaß, den Augenschein zu leugnen. Du bist ein verdammt guter Schriftsteller, und daran änderst du nichts.
- Schön, dann kannst du mir ja sagen, warum ich keine einzige Zeile mehr zustande bringe...
- Aber sicher. Weil du der König der Bekloppten bist.


 Hier noch der Filmtrailer:

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