Donnerstag, 25. August 2011

[Rezension] Rebecca James - Die Wahrheit über Alice

Kein Feind kann dir so weh tun wie deine beste Freundin

"Ich war nicht auf Alice' Beerdigung. Ich war damals schwanger. Wahnsinnig und rasend vor Trauer. Aber ich trauerte nicht um Alice. Nein. Da hasste ich sie schon und war froh, dass sie tot war. Denn Alice hatte mir das angetan, Alice hatte mein Leben zerstört, mir das Beste genommen, was ich je hatte, und es in Millionen Scherben zerschlagen. Ich weinte nicht um Alice, ich weinte wegen Alice."

Ein dunkles Geheimnis.
Ein zerstörtes Leben.
Eine neue Freundin, die dir hilft zu vergessen.
Aber was, wenn sie nicht ist, was sie zu sein scheint?

Als Alice sie zu ihrer Geburtstagsparty einlädt, ist Katherine mehr als überrascht. Die schöne, strahlende Alice, das beliebteste Mädchen der Schule, will mit ihr feiern? Dabei ist Katherine eine Einzelgängerin, die sich von allen fern hält, damit keiner ihr Geheimnis erfährt: Niemand soll wissen, was mit Rachel, ihrer kleinen, talentierten Schwester, passiert ist. Vor Katherines Augen, die nichts tun konnte, um ihr zu helfen. Katherine erlebt die Party wie im Rausch, Alice weicht nicht mehr von ihrer Seite. Doch nach und nach wird Alice immer merkwürdiger. Selbstsüchtiger. Grausamer. Bald entdeckt Katherine, dass ihre neue Freundin nach eigenen Regeln spielt…

"Die Wahrheit über Alice" beginnt zunächst sehr interessant, es werden viele Fragen aufgeworfen, die man unbedingt beantwortet haben will: Was kann mit Rachel bloß passiert sein, dass sich die große Schwester solche Vorwürfe macht? Welches Ziel verfolgt Alice? Warum will sie so plötzlich mit Katherine befreundet sein? Für die erste Hälfte dieses Buches hat das wunderbar funktioniert, aber leider konnte es in meinen Augen nicht die ganze Geschichte tragen - nach und nach rutschten Charaktere sowie Handlung immer mehr ab ins Unglaubwürdige.

Alice ist ein schrecklicher Charakter, der durchweg böse ist und mit dem ich mich weder identifizieren noch mit dem ich mitfühlen konnte. Schon am Anfang, als sie sich noch als "Freundin" ausgibt, merkt der Leser, dass etwas faul ist. Doch auch später kommt sie als gescheiterter Charakter, der das Mitleid des Lesers erregen könnte, nicht infrage, da all ihre Handlungen gegenüber ihren Mitmenschen gleich ins Extreme verfallen. Fragt man sich zunächst noch, was ihr Schlimmes widerfahren konnte, dass sie sich so aggressiv verhält, so nervt sie gegen Ende nur noch. Schließlich konnte mich auch die Auflösung ihres Geheimnisses nicht wirklich überzeugen und schon gar nicht ihr grausames Verhalten rechtfertigen.

Insgesamt dreht sich das Buch aber weit mehr um "Die Wahrheit über Katherine" als "Die Wahrheit über Alice". Katherine ist ein labiler Charakter, dem die ganze Zeit über übel mitgespielt wird; in ihrem Leben scheint sich ein Schicksalschlag an den nächsten zu reihen. Sie gibt sich die Schuld am Tod ihrer Schwester, doch der Leser tappt zunächst im Dunkeln und weiß nicht, was hier vorgefallen ist. Wenn dann endlich die Geschichte berichtet wird, wie Rachel gestorben ist, ist man als Leser schockiert, wird von der detailreichen Beschreibung abgestoßen und möchte gar nicht mehr weiterlesen. (Achtung Mini-Spoiler - nur sichtbar machen, wenn ihr das Buch schon gelesen habt - dafür einfach den Text markieren:) Dabei hat mich die Darstellung der Schwestern aber verwundert: Zum Zeitpunkt des Todes ist Rachel 14, Katherine 15 Jahre alt. Katherine benimmt sich aber, als müsste sie sich um ein kleines Kind kümmern, wenn sie ihre Schwester mit zu einer Party nimmt. Es hat mich sehr irritiert, dass sie fast eine Mutterrolle für ihre unwesentlich jüngere Schwester übernimmt, dann aber im entscheidenden Moment nicht für sie einspringt.

Die Erzählstruktur von Rebecca James fand ich interessant: Es wird in der Gegenwart berichtet, gibt aber immer wieder (unangekündigte) Ausflüge in Vergangenheit und Zukunft. Einerseits ist es spannend, so auf verschiedenen Ebenen mehr über die Protagonistin Katherine zu erfahren, andererseits wechseln die Zeiten eben auch oft, wenn es gerade spannend wird. Mitunter fand ich dies ein bisschen ärgerlich, aber natürlich hielt es mich auch "bei der Stange". So fiel es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. 

Ein mittelmäßig spannender Jugend-Thriller. Es gibt bessere, aber für zwischendurch okay! 5 von 10 Bücherdiebinnen!

Kommentare:

  1. Mh das Buch wollte ich letztens schon mitnehmen weil es das jetzt bei Weltbild als Taschenbuch gibt und ich Thriller in letzter Zeit gerne lese aber jetzt werd ich mal abwarten bis ich es in der Bücherei mal erwische :)
    Ich finde auch, dass das Buch trotz dieser Verwirrungen auf jeden fall toll ist.Ich finde ja auch den Namen so schön.. so poetisch!!
    Du liest dich ja richtig in rage :) Immer weiter so dann hast du bald gar nichts mehr auf deinem SUB und musst den Medimops-Gutschein sofort einlösen. Freu mich auf die Splitterherz Rezi. Habe das Buch noch nicht gelesen, bin bestimmt so langsam die einzigste.
    Ich glaub meine ungelesenen Bücher betragen wieder 20 so genau mag ich das gar nicht nachzählen.. aber es ist ja bald der Erste und dann wird sich mein Kaufverhalten hoffentlich mal verändern.
    Ich bin auch schon so gespannt auf die Geheimen Zirkel.
    Alles liebe Bianca

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  2. Danke für deine Rezi, meine Erwartungen hatte das Buch leider auch nicht erfüllt.

    LG Kerry

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  3. Schöne Rezension. So richtig hat mir das Buch nicht gefallen und ich habe es abgebrochen aber ich glaube ich möchte einfach noch wissen wie das Ende schließlich ist, Deswegen denke ich werde ich immer mal ein paar Seiten noch lesen.
    Lg, Lisa ;)

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  4. Hey Kerry und Lisa,
    oft ist es ja so bei Büchern, über die viel Werbung gemacht wird, dass gar nicht viel dahinter steckt... so wohl auch bei diesem :-)
    Wobei ich auch schon einige gute Rezensionen gelesen habe; die Bewertungen bei "Die Wahrheit über Alice" gehen doch sehr weit auseinander.

    und an Bianca: auf die "Splitterherz"-Rezi freu ich mich auch schon ;-) Man könnte es aber auch Lobhudelei nennen, was da kommen wird :-) ir hat es wirklich sehr sehr gut gefallen und ich werd mir demnächst auf jeden Fall "Scherbenmond" besorgen. Alles weitere dann wie immer auf deinem Blog!

    Liebe Grüße von Eurer Bücherdiebin!

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