Montag, 15. August 2011

[Rezension] Poetry Slam - Das Buch.
Die 40 besten Bühnentexte

"In den letzten Jahren ist Poetry Slam im deutschsprachigen Raum immer populärer geworden. Die Medien reißen sich um die Stars der Szene, auch im kleinsten Kaff sprießen die Dichterwettbewerbe aus dem Boden und an den Schulen ist Poetry Slam vielerorts die Frischzellenkur des Deutschunterrichts. Es wurde Zeit für eine Textsammlung, die diesen Status quo abbildet. [...] Da Poetry Slam eigentlich Live-Literatur ist und von der Präsenz und dem Vortrag der Poeten lebt, stellt eine Slam-Anthologie für die Herausforderer eine Herausforderung dar [...]. Wir haben den Ursprungstext so weit wie möglich respektiert, die Urform der Geschichten - wie sie von den Poeten gedacht waren - bewahrt. Also so frisch wie möglich von der Bühne aufs Papier, ungewohnt in der Form, aber das im positiven Sinn, um die Autoren und ihre Texte in Buchform fassbar zu machen."

Poetry Slam ist die rasanteste Spielart der Literatur: Du (ja, DU) schreibst einen Text und gehst mit ihm auf die Bühne. Gegen und gemeinsam mit Dichterinnen aus veschiedenen Textgattungen trittst du im Wettbewerb um die Gunst des Publikums an... Dieses Buch versucht die Leidenschaft des Poetry Slam einzufangen und präsentiert 40 der besten Bühnentexte aus den letzten Jahren - schwarz auf weiß und in möglichst ungezähmter Form! Mit Marc Uwe Kling, Andy Strauß, Julius Fischer, Philipp Scharri, Volker Strübing, Gabriel Vetter und vielen anderen Stars der Slamszene.

Wie in den meisten Anthologien, so schwankt auch bei "Poetry Slam - Das Buch" die Qualität der Beiträge. Manche Texte sind wirklich lustig, intelligent und sprühen nur so vor Wortwitz, während mir andere Texte gar nichts sagen konnten. Man muss sich Zeit nehmen, sich auf die einzelnen kurzen Texte einzulassen (ein Beitrag füllte meist zwischen 3 und 6 Seiten) und findet vielleicht nicht zu jedem direkt einen Zugang - die Schreib- (oder besser gesagt Sprach-)stile der verschiedenen Autoren sind unterschiedlich und sicher Geschmackssache. Vor allem in der Mitte des Buch fanden sich aber einige Texte, die mir persönlich nicht so gut gefallen haben - für mich war dies ein Beweis, dass auch die Herausgeber diese Beiträge eher "verstecken" wollten, denn die ersten Beiträge und die späteren Beiträge, auf die man beim ersten Stöbern im Buch wohl eher trifft, sind eindeutig von besserer Qualität. Was nicht heißen soll, dass alle Beiträge des Mittelteils schlecht sind!

Ansonsten verschafft das Buch einen guten Einblick in die Szene und in die Vielfalt des Poetry Slams. Gedichte, kurze Geschichten, Anekdoten, Persönliches, Persiflagen auf die Literatur, Spiele mit Worten, Gedanken und Zitate lassen sich hier finden. Das ist lustig, manchmal nachdenklich und oft innovativ geschrieben. Auf jeden Fall macht es darauf Lust, sich mal (wieder) einen Poetry Slam live anzuschauen!

Der Beitrag eines jeden Slammer wird durch eine kleine Anmoderation der Herausgeber eingeleitet. Diese Dialoge zwischen Sebastian 23 und Mischa-Sarim Vérollet sind sehr witzig und lockern das Buch zusätzlich auf - auch wenn sie nicht immer sehr informativ sind. Man kann sich die beiden gut auf einer Couch vorstellen, wie sie sich (mit einem Augenzwinkern) über ihre Slammer-Kollegen unterhalten, über die Texte philosophieren und sich auch über den ein oder anderen mal lustig machen. Dies verschafft dem Buch eine persönliche Note, die mir sehr gefallen hat.

Das Buch ist auf jeden Fall einen Blick wert, trifft viele Geschmäcker und kann immer mal zwischendurch gelesen werden: mal wieder ein perfektes Klo-Buch - und das absolut nicht im abwertenden Sinne gemeint ;-)
6 von 10 Bücherdiebinnen! 


Kommentare:

  1. poetry slam,wahnsinnig gut,wenn du sowas likes,dann empfehle ich dir christian ritter-moderne paare teilen sich die frauenarbeit,danke fürs lesen von meinem BLOG !! :)

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  2. Also der Titel klingt schonmal spannend, wenn ich ein neues "Klobuch" (sehr liebevoll gemeint!) suche, werde ich mal danach Ausschau halten ;-)

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