Samstag, 13. August 2011

[Rezension] Mary Hooper -
Im Haus des Zauberers & In königlichem Auftrag

Was für eine Vorstellung, der Königin persönlich aufzuwarten! Konnte man sich eine angenehmere Stellung, einen reizvolleren Lebenswandel wünschen?

Im Haus des Zauberers
Die junge Lucy träumt davon, ihr Heimatdorf zu verlassen und eine Anstellung als Dienstmädchen zu finden. Am liebsten in einem reichen Haus, das so nah wie möglich bei der von ihr angebeteten Königin Elisabeth ist. Per Zufall gerät sie in das Haus des Dr. Dee, seines Zeichens Zauberer und persönlicher magischer Berater der Königin. Fasziniert beobachtet Lucy die geheimnisvollen Experimente und Zeremonien, die Dr. Dee mit seinem Kollegen Mr Kelly durchführt. Bis sie einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur kommt, das die Königin in höchste Gefahr bringt...

 

In königlichem Auftrag
Offiziell ist Lucy weiterhin als Dienstmädchen im Haus von Dr. Dee, dem Zauberer der Königin Elizabeth I, angestellt. Aber heimlich hat sie noch eine zweite Aufgabe: Als Spionin Ihrer Majestät soll sie Ausschau halten nach etwaigen Verrätern am Hofe, dir der Königin nach dem Leben trachten könnten. Lucy kann es kaum erwarten, dass Tom, der attraktive Hofnarr der Königin, ihr endlich den genauen Auftrag mitteilt. Da hört sie rätselhafte Schreie, die irgendwo aus den Kellern von Dr. Dees Haus kommen müssen... 


"Lady Ashe ist die Frau von Sir Reginald Ashe, dem adeligen Gutsherrn, und war einst Hofdame unserer edlen Königin Elisabeth. Oft hatte ich mir ausgemalt, wie aufregend ihr Leben wohl damals gewesen sein musste, denn als die Milady am Hofe war, waren sie und die Königin noch junge Mädchen, und bestimmt konnte Lady Ashe allerlei Geschichten von den Intrigen bei Hofe erzählen, von Verschwörungen und verschmähter Liebe, von Tanz und Minnesängern."
 
Von den Intirgen und den Geschichten bei Hofe kann man in "Im Haus des Zauberers" und "In königlichem Auftrag" wirklich viel zu lesen bekommen! Mary Hooper vermittelt gekonnt die historische Atmosphäre. Ganz nebenbei lernt man so beim Lesen einiges über das Leben zur Zeit von Königin Elisabeth I. - sowohl über die Gepflogenheiten bei Hofe als auch über die Menschen in einfachen Verhältnissen. In einem abschließenden Glossar wird sogar näher erläutert, auf welche historischen Begebenheiten sich die Romane beziehen, und es werden einige Wörter, die in unserem heutigen Sprachgebrauch nicht mehr vorkommen, erklärt.

Negativ an den Büchern fällt auf, dass sie fast keinen Spannungsbogen besitzen. Die Handlung plätschert eher so vor sich hin und oft erahnt man schon, was als nächstes passieren wird und um welche düsteren Maschenschaften es sich diesmal im Haus von Dr. Dee, dem Zauberer (den wir heute eher als Scharlatan bezeichnen würden) handelt. Da die Bücher recht kurz sind - beide unter 300 Seiten -, lässt sich dies aufgrund der schönen Beschreibungen verschmerzen, aber ein bisschen mehr "Action" hätte ich mir schon gewünscht. Ansonsten sind die Bücher flüssig geschrieben und lassen sich schnell lesen.

Problematisch finde ich die Einteilung in Gut und Böse, die die Protagonistin Lucy an jeder Person vornimmt. Am meisten sind mir dabei die Erzählungen über ihre Mutter und ihren Vater aufgefallen: Die Mutter wird als wahrer Engel beschrieben, gutmütig, großherzig und immer mit einem lieben Wort für ihre Kinder, der Vater dagegen ist der Trunkenbold, der seine Familie in die Schulden treibt, für die Kinder nur Schläge übrig hat und dem Lucy immer wieder den Tod wünscht. Für mich war diese Meinung viel zu undifferenziert, doch da die Bücher aus der Ich-Perspektive geschrieben sind, wird neben Lucys Meinung leider keine andere Sicht auf die Personen zugelassen - der Leser muss sich wohl oder übel mit Lucys Standpunkt anfreunden. Bemerkbar macht sich dies auch in den Beschreibungen über Königin Elisabeth I., die von Lucy vergöttert und angehimmelt wird, obwohl diese bekanntermaßen viele egoistische und tyrannische Charakterzüge besaß.

Die Romantik, mit der die Bücher angepriesen werden, kommt in meinen Augen etwas zu kurz. Ganz langsam entwickelt sich eine Liebesgeschichte, doch erst zum Ende des zweiten Bandes kommt es zu einem zarten Kuss zwischen Lucy und ihrem Angebeteten (wer das ist, müsst ihr schon selber herausfinden *lach*). Aber insgesamt fand ich diese Liebelei und die damit verbundenen Geheimnisse (Lucy darf das Haus, in dem sie angestellt ist, eigentlich nicht immer verlassen...) ganz süß geschrieben und habe Lucy gerne dabei begleitet.

Vor einem Jahr habe ich meinen ersten Roman von Mary Hooper, "Das außergewöhnliche Leben der Eliza Rose" gelesen - ebenfalls ein historischer Roman, der im 17. Jahrhundert spielt und über die glitzernde Welt des Theaters und die höfischen Intrigen berichtet. Dieses Buch konnte mich wirklich überzeugen und aufgrund dessen habe ich mich nun erwartungsvoll auf die Bücher rund um Lucy und Königin Elisabeth gestürzt. Diese sind zwar alles in allem ganz nett zu lesen, kommen aber bei weitem nicht an "Eliza Rose" heran. Für jüngere Leser sind sie, denke ich, als Einstieg in das Genre der historischen Romane dennoch gut geeignet.

Liebevolle historische Romane mit kleineren Schwächen, eher für jugendliche Leser. 5 von 10 Bücherdiebinnen!



Es gibt noch einen dritten (und abschließenden Teil) der Reihe, in dem Lucy wieder die Hauptrolle spielt: "Teuflische Maskerade". Da sie diesen Band in der Bibliothek meines Vertrauens bisher nicht vorrätig haben, kann ich euch leider (noch) nichts darüber berichten ;-)

Lucy ist immer noch als Dienstmädchen bei Dr. Dee, dem Zauberer der Königin Elizabeth I., angestellt. Und zu ihrer großen Freude hat dieser beschlossen, mit seinem ganzen Haushalt für einige Monate dem Hof hinterher nach London zu ziehen. Lucy kann es kaum erwarten, die aufregende große Stadt kennenzulernen und dort endlich den Hofnarren Tomas wiederzusehen. Denn undercover soll Lucy unter Tomas' Anleitung weiterhin für die Königin als Spionin tätig sein, schließlich wimmelt es am Hof immer noch von gefährlichen Verschwörern, die der Königin nach dem Leben trachten. Wer ist zum Beispiel die hübsche junge Hofdame, mit der Tomas sich so gut zu verstehen scheint? Treibt sie ein falsches Spiel oder ist Lucy bloß eifersüchtig?

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