Dienstag, 30. August 2011

[Rezension] Louis Sachar
- Löcher. Die Geheimnisse von Green Lake

Willkommen in Camp Green Lake!

"Jetzt fragt sich der Leser vermutlich: Aus welchem Grund sollte irgendjemand auf die Idee verfallen, nach Camp Green Lake zu kommen?
Die Antwort ist: Die meisten Bewohner hatten gar keine andere Wahl. Camp Green Lake ist eine Anstalt für schwere Jungs. [...]
Stanley Yelnats hatte sogar die freie Wahl. Der Richter sagte: 'Du kannst es dir aussuchen - entweder du gehst ins Gefängnis oder du kommst nach Camp Green Lake.'
Stanley kam aus einer armen Familie. Er war noch nie im Leben in einem Feriencamp gewesen."


Stanley Yelnats hat nicht viel zu lachen: Immer wieder ist er zur falschen Zeit am falschen Ort. Dieses Problem kannte auch schon sein Großvater und dessen Vater. Ist das einfach nur Pech, oder liegt eine Art Fluch über der Familie? Als Stanley mal wieder am falschen Ort ist, wird er wegen eines Diebstahls verhaftet, den er gar nicht begangen hat, und landet im Erziehungslager Green Lake in der texanischen Wüste. Auch wenn es zunächst nicht danach aussieht: Dort ist er endlich am richtigen Ort, denn über Green Lake liegen Schatten aus der Vergangenheit, die auf seltsame Weise mit Stanleys Familiengeschichte verknüpft sind. Niemand anderes als der dicke, oft gehänselte Stanley wird die Geheimnisse von Green Lake aufdecken, wobei Zwiebeln, Schweißfüße, Pfirsiche und natürlich Löcher eine entscheidende Rolle spielen.

Auf das Buch bin ich das erste Mal aufmerksam geworden, als ich hörte, dass viele Lehrer es heutzutage im Deutschunterricht der siebten und achten Klassen durchnehmen. Was wurde ich doch damals gequält mit "Kleider machen Leute" von Gottfried Keller oder "Der Schimmelreiter" von Theodor Storm! Da wollte ich mir dieses Buch doch genauer ansehen... Zugegeben finde ich es etwas fragwürdig, dass ein amerikanischer Autor im Deutschunterricht behandelt wird, doch ansonsten ist es das Buch absolut wert, von möglichst vielen Jugendlichen gelesen zu werden! Leider ist das Cover wirklich nicht das Schönste und schreckt vielleicht den einen oder anderen ab, aber wenn man sich erst einmal überwunden hat, das Buch aufzuschlagen, dann kann einen nichts mehr halten - ich hatte das Buch innerhalb eines Abend und des darauffolgenden Morgens verschlungen!

Die Geschichte beginnt etwas abgedreht, macht aber neugierig auf mehr. Als es ans Löchergraben geht, sucht man erst vergeblich den tieferen Sinn dahinter, ist aber von der absurden Situation - frei nach dem Motto "Wenn man einen schlechten Jungen jeden Tag in der heißen Sonne ein Loch graben lässt, wird aus ihm schließlich ein guter Junge" - schon völlig gefesselt. Schnell wird auch das Interesse an den anderen Insassen geweckt und man fragt sich, welche Geheimnisse hinter den skurrilen Zuständen in diesem Erziehungscamp wohl stecken.

Neben der Haupthandlung gibt es immer wieder kleinere und größere Einschübe aus der Vergangenheit der Yelnats, angefangen bei Stanleys Ururgroßvater (dem alten Tunichtgut und Schweinedieb!), über die bezaubernde "Kissing Kate Barlow" hin zu dem vermurksten Leben von Stanleys eigenen Eltern. Diese Einschübe verweben sich aber nach und nach mit dem gegenwärtigen Geschehen in Camp Green Lake und nicht selten dämmert es dem Leser schon, dass das große Schicksal der Yelnats eine lange Geschichte mit vielen interessanten Zusammenhängen birgt. Das Ende, in dem wirklich all diese Fäden aus Gegenwart und Vergangenheit zusammenlaufen, hat mich wirklich fasziniert - es war wunderbar logisch und stimmig, gleichzeitig unvorhersehbar, irgendwie lustig, sarkastisch und hat mich sehr zufrieden zurückgelassen!

"Löcher" behandelt viele aktuelle Themen, die Jugendliche völlig zeitlos interessieren könnten: Abenteuer, Einsatzbereitschaft, Diskriminierung, Liebe, Vorurteile, einen alten Fluch, Erziehungsmethoden, Kriminalität und vor allem Freundschaft - und das immer, ohne den berühmten Zeigefinger zu erheben. Einen ganz kleinen Abzug in der Wertung gibt es von mir nur für die etwas unrealistische Szene mit dem Nagellack und vielleicht eine kleine Länge beim Löchergraben. 

Liebe Schüler von heute: Ich hasse euch dafür, dass ihr sooo tolle Bücher im Unterricht besprechen dürft! (kleiner Scherz *lach*) Also nicht meckern, sondern lesen!! 9 von 10 Bücherdiebinnen!




Es gibt auch eine Verfilmung des Buches aus dem Jahre 2003, die ich mir definitiv noch ansehen werde. Vielleicht macht euch der Trailer (leider nur auf Englisch) ja auch Lust auf das Buch, den Film oder sogar beides:


Übrigens gibt es sogar den ganzen Film (auf Deutsch) kostenlos bei youtube zu sehen ;-)

Kommentare:

  1. Ich habe ein Stück des Filmes gesehen (Anfang verpasst, lief im TV) und habe mich dann erinnert, dass es einen Buch zu dem Film gibt, von dem mir meine Freundin immer vorgeschwärmt hat, jedoch hat mich das Cover immer wieder abgeschreckt. Ich glaube, nach deiner Rezension, gebe ich dem Buch eine Chance. Auch wenn ich den Anfang des Filmes verpasst habe, hat mir der Rest wirklich gut gefallen. :-)

    Ganz liebe Grüße!

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  2. Super Buch - super Film! Louis Sachar ist ein großartiger Autor, von dem ich fast alle Bücher außerordentlich gut fand (bis auf "Du bist ein Witz Gary Bone", das war nur solala).

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  3. Also ich habe das Buch im Original. Also "Holes" gelesen und das Buch wäre auch etwas für den Englischunterricht. Es ist nicht so schwer udn die Geschichte fand ich auch ziemlich gut und auch lustig. Es gibt zu dem Buch auch eine Fortsetzung soweit ich weiß. Aber da ging es um Armpit (ich weiß nicht wie er im deutschen Buch. Aber eventuell Achsel(-höhle)).
    Den Film hab ich vor kurzen im Fernsehen gesehen und ich muss sagen, dass es mal wirklich eine super Buchverfilmung ist! Man merkt, dass das Drehbuch vom Autor selbst geschrieben wurde. Denn alles, was das Buch ausmachte, war auch im Film vertreten.

    Ich kann beides empfehlen!

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  4. Stimmt, es gibt tatsächlich eine Fortsetzung in einem anderen Verlag: "Kleine Schritte", erschienen bei Bloomsbury. Ebenfalls sehr gut, lässt sich aber auch unabhängig von Löcher lesen. (Armpit heißt in der dt. Ausgabe Deo)

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  5. Ich bringe das Buch vorallem mit dem Englischunterricht in Verbindung, wir haben damals den Film behandelt und ich habe auch schon oft gehört, dass Englischlehrer es mit ihren Klassen lesen. Zum Buch selbst kann ich nichts sagen, aber den Film fand ich wirklich gut und die Geschichte ist sehr interessant.

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  6. Wir haben das Buch auch im Englischunterricht besprochen - GROßARTIG! Im Film beeindruckt vor allem der Witz und die Musik :) Und den Transformer-Jungen mal in jünger zu sehen ist auch nicht ohne!

    Das Buch ist definitiv eine tolle Lektüre für einen tristen Nachmittag, und man sollte es VOR dem Film gesehen haben, weil man dann selbst miträtseln kann (der Trailer verrät ja fast schon alles), und der Aha-Effekt noch doller ist :)

    LG
    Sandra

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  7. Hui, ich hätte gar nicht gedacht, dass solche "Schullektüre" so viel Resonanz bei euch hervorruft :-) Aber es ist auch wirklich ein klasse Buch, das man nicht verpassen sollte. Und die 300 Seiten lesen sich echt schnell!

    @Nirgendwo: ja, bitte lies das Buch, es ist sooo klasse!
    @Anette: welches Buch von ihm ist denn besonders lesenswert? Vielleicht kannst du mir ja eins empfehlen? Ich habe Blut geleckt :-)
    @Sky: na dann wird es ja Zeit, dass ich mir auch den Film anschaue! Manche Literaturverfilmungen lassen ja oft zu wünschen übrig, aber wenn der Autor selbst beteiligt ist, kann gar nicht so viel schief gehen ;-) Ich hab die Fortsetzung mal "geamazonet", aber bisher hat sie mich nicht so angesprochen... ich find es schade, dass Stanley nicht mehr drin vorkommt.
    @Lisa: ich find es super, wenn Englischlehrer auch so moderne Romane/Filme mit ihren Klassen durchnehmen - da hattet ihr echt Glück! Wenn ich mich da so an meinen Unterricht zurückerinner... nee, lieber nicht ;-)
    @Sandra: ich wusste gar nicht, dass der Junge auch in anderen Filmen mitgespielt hat... aber jetzt, wo du es sagst... anscheinend war er auch schon bei "Mission Impossible", "Tomb Raider", "Vermächtnis des geheimen Buches" usw. dabei - nicht schlecht :-) Ich glaube, wenn man das Buch noch nicht kennt, verrät der Trailer gar nicht so viel. Zwar kommen einige späte Szenen drin vor, aber man versteht da die Zusammenhänge nicht so wirklich - also ich denke, die Spolier-Gefahr ist nicht so groß ;-)

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  8. Ich empfehle auf jeden Fall "Kleine Schritte" und das Buch "Bradley, letzte Reihe, letzter Platz".
    Diese Woche habe ich Sachars neues Buch auf Facebook gewonnen *freu*: König, Dame, Joker - aber dazu kann ich noch nichts sagen ;D
    LG Anette

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  9. Ui, schön zu hören, dass jemand ebenso begeistert von „Kaputte Suppe“ war wie ich! Ich habe neben dem Buch nur noch „Wer ist Violet Park?“ gelesen und ich würde sagen mir hat es genauso gut gefallen, wenn nicht sogar ein wenig besser. Aber beide Bücher sind wundervoll. Die anderen Bücher der Autorin habe ich (noch) nicht gelesen, aber so eilig habe ich es auch nicht, denn so viele Bücher sind von der Autorin noch nicht draußen und ein paar Leckerbissen will ich mir noch aufheben (habe die restlichen beiden von ihr schon bestellt!). Auf Deutsch kommt jetzt im Herbst ein neues Buch von ihr raus, welches „Das zweite Leben des Cassiel Roadnight“ heißen wird.

    Ich hoffe du greifst in nächster Zeit zu einem Buch von Jenny Valentine und wenn du dies tust, sag mir Bescheid! Ich bin echt auf deine Meinung gespannt!

    X

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  10. @Anette: vielen Dank für die Tipps! Das Buch über Bradley hat mich direkt angesprochen bei amazon, das ist sofort auf meiner Leseliste gelandet! Bei "Kleine Schritte" überleg ich noch ;-)
    Bin auf jeden Fall gespannt auf deine Meinung dazu, wenn du es gelesen hast! Sowie so werd ich den Autor mal im Blick behalten - wusste vorher gar nicht, dass er noch so viele andere Bücher geschrieben hat ("Löcher" scheint sie wohl in den Schatten zu stellen...)

    @X: Irgendwie glaube ich, dass meine Meinung zu den anderen Büchern von Jenny Valentine auch positiv ausfallen wird *lach* Ich finde, die klingen alle sehr gut - bis auf diese "Kiki"-Reihe, die sie für Kinder schreibt ;-)

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  11. Oh ja ich erinnere mich daran das Buch vor ein paar Jahren gelesen zu haben, als ich noch nicht "gern" und regelmäßig Bücher las. Ich hab es bis zum letzten Tag der Ferien liegen lassen, weil ich das Cover so schlimm fand, aber als ich dann angefangen hab konnte ich nicht mehr aufhören. :)

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  12. @Blutmädchen: Ja, das Cover ist wirklich schrecklich und hat mich auch erstmal vom Lesen abgehalten. Aber wie sagt man so schön? "Don't judge a book by its cover" :-)

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  13. Mir ist dieses Buch auch schon einige Male über den Weg gelaufen, aber irgentwie bin ich nie dazu gekommen es zu lesen. Deine Rezension klingt aber sehr interessant und das Buch scheint auf jeden Fall lesenswert.

    Das dieses Buch jetzt Schullektüre ist, macht mich auch neidisch auf die jüngeren. An unserer Schule wurde sogar in der Klassenstufe, in der ich noch Kabale und Liebe gelesen habe, Walter Moers behandelt. Manchmal ist die Welt ungerecht...

    LG Rekymanto

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  14. @Rekymanto: das Buch lohnt sich wirklich - lies es ;-) Mit "Kabale und Liebe" konnte ich auch nicht so viel anfangen... aber Walter Moers im Unterricht hätte mir sehr gefallen! Weißt du zufällig, was genau sie gelesen haben? Weil sich seine Bücher vom Umfang her ja nicht unbedingt eignen... die lesefaulen Schüler würden bei 400-500 Seiten aufwärts bestimmt streiken ;-) Man, es gibt doch noch tolle Deutschlehrer...
    Liebe Grüße von deiner Bücherdiebin!

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  15. Wir haben das Buch in der Schule gelesen (7te Klasse, wenn ich mich Recht erinnere, war das - also 2 Jährchen her)und wir alle haben das Buch gemocht - und haben spöter den Film angeschaut. Nur zu empfehlen ♥

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  16. @Julia: Da bin ich aber erleichtert, dass es auch Schulklassen gibt, denen das Buch gefallen hat :-) Ich finde auch, dass Louis Sachar eine wirklich tolle Geschichte erzählt und diese sollte von möglichst vielen (ob Schüler oder älter) gelesen werden. en Film finde ich übrigens auch toll umgesetzt!

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