Mittwoch, 10. August 2011

Kritik zur Literaturverfilmung:
"Harry Potter und die Heiligtümer des Todes"

"Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" ist die Verfilmung des letzten Bandes der siebenteiligen "Harry Potter"-Reihe. Da er fürs Kino in zwei Teile aufgesplittet wurde, beschäftige ich mich in meiner Filmkritik mit beiden Teilen. Meinen ausführlichen Bericht zu der Buchreihe könnt ihr hier finden...

ACHTUNG! 
Jetzt kommen ganz viele Spoiler!
Ich gehe davon aus, dass ihr alle die Bücher gelesen habt und bestimmt inzwischen auch schon im Kino wart (immerhin läuft der Film jetzt seit vier Wochen), so dass ich mich genüsslich über alle Szenen auslassen kann... Wer es also bisher geschafft hat, an den Büchern sowie den Filmen vorbeizukommen, der sollte an dieser Stelle lieber aufhören zu lesen ;-)

Inhalt:
Wenige Wochen nach Harrys sechstem Schuljahr übernehmen Voldemorts Anhänger das Zaubereiministerium und überziehen die Magische Welt mit Unterdrückungsmaßnahmen und rassistischen Verfolgungen muggelstämmiger magischer Menschen. Harry will wie beschlossen nicht nach Hogwarts zurückkehren, sondern Voldemorts verbliebene Horkruxe aufspüren und zerstören, um seinen Gegner schließlich wieder sterblich zu machen und die Magische Welt von ihm befreien zu können. Obwohl er nichts als vage Ahnungen über den Verbleib der Horkruxe besitzt, beginnt er zusammen mit Hermine und Ron den unzureichenden Informationen nachzugehen, die er mit Albus Dumbledore bisher entdeckt hat. Ergänzende Informationen bezieht er aus seinen Einblicken in Voldemorts Gedankenwelt. Die Suche führt die drei nicht nur zur Entdeckung von Horkruxen, sondern auch auf gefährliche Irrwege und schließlich Dumbledores Hinweisen folgend auch auf die Heiligtümer des Todes. Der Weg der drei endet in Hogwarts, wo viele ihrer früheren Mitschüler und Lehrer erbitterten Widerstand gegen die schwarz-magischen Machenschaften an der Schule leisten. Dort kommt es zur Auseinandersetzung mit Voldemort, obwohl Harry zuerst noch weitere der Horkruxe zerstören muss und erfährt, dass er von einem davon besonders betroffen ist... Wie jede vorangegangene Schlacht fordert auch dieser alles entscheidende Kampf schon bald erste Opfer. Werden Harry und seine Freunde es schaffen und das Böse endlich besiegen? Oder muss am Ende sogar Harry selbst das größte Opfer bringen...?

Meine Meinung:
Als ich das erste Mal davon hörte, dass der siebte Teil der "Harry Potter"-Reihe in zwei Filme aufgeteilt werden sollte, war ich zunächst skeptisch. Konnte doch bisher selbst das 1000-Seiten-starke "Harry Potter und der Orden des Phoenix" in einen zweistündigen Film komprimiert werden, so sollte dieser Band nun gesplittet und die beiden Teile mit einem größeren zeitlichen Abstand ins Kino gebracht werden? "Da haben die Produzenten wohl bemerkt, dass ihnen nun der letzte Teil einer super-erfolgreichen Reihe bevorsteht und sie bald kein Geld mehr machen können", waren meine ersten Gedanken.
Doch letztendlich kann ich sagen, dass es eine sehr gute Entscheidung war, den "Heiligtümern des Todes" diese doppelte Spielzeit zuzugestehen. Auf diese Weise konnten viele - für den Verlauf der Geschichte und deren Hintergründe - wichtige Szenen gezeigt werden, die sonst vielleicht wieder dem Cutter zum Opfer gefallen wären. Oft hatte ich beim Schauen der vorhergehenden Filme das Gefühl, dass Nicht-Leser gar nicht mehr mit der Handlung und den einzelnen Beweggründen der Charaktere mitkommen können, da vieles nur gekürzt oder gar nicht dargestellt wurde - für ein tieferes Verständnis brauchte man aber oft das Wissen aus den Büchern.
Natürlich wird auch der Aspekt Geld im Vordergrund gestanden haben, als man beschloss, zwei statt einem weiteren Film zu produzieren, aber sicher kann man sagen, dass es sich auch künstlerisch gelohnt hat! Und wenn ich genauer darüber nachdenke, so würde ich mir im Nachhinein wünschen, dass sie dies auch schon mit den anderen Bänden (gerne ab dem 4. Band (Harry Potter und der Feuerkelch), aber sicher ab dem 5. Band (Harry Potter und der Orden des Phoenix) gemacht hätten!

Folgend möchte ich einzelne Szenen im Vergleich zum Buch ansprechen, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind:
  • Der erste Film beginnt damit, dass Hermine das Gedächtnis ihrer Eltern löscht. Im Buch gibt es diese Szene nicht, hier erzählt Hermine nur später davon, wie sie sich selbst aus den Köpfen ihrer Lieben gelöscht hat. Diese Szene gleich zu Anfang trägt aber gut zur traurigen Grundstimmung bei, die überall herrscht. Dieser kurze (unerwartete) Einblick in Hermines Muggelleben hat mir sehr gefallen.
  • Überhaupt fand ich gut, dass der Verzweiflung von Harry, Ron und Hermine so viel Zeit gelassen wurde, wenn sie im Zelt sitzen und einfach nicht mehr weiter wissen, wie sie an die letzten Horkruxe kommen sollen. Von Nicht-Lesern habe ich gehört, dass sie diese Szenen eher langweilig fanden (wirklich viel passierte ja tatsächlich nicht), aber für mich haben sie genau die trostlose Stimmung aus den Büchern wiedergegegeben. Schön auch der kleine Tanz zwischen Harry und Hermine, der ihre enge Freundschaft zeigt und für einen Moment die Hoffnungslosigkeit vertreibt.
  • Die Sage der Heiligtümer des Todes fand ich wunderschön illustriert: Diese Scherenschnitt-Bilder, mit denen die Geschichte um die drei Brüder, die den Tod überlisten wollen, ausgeschmückt war, passten perfekt und konnten mit wenigen Bildern viel mehr erzeugen als jede noch so ausgeschmückte Erzählung.
  • Der Tod von Dobby war unglaublich traurig und hat ein hoffnungsloses Ende des ersten Teils gebildet. Wie der kleine Elf sich für seine Freunde einsetzt, ist beispiellos heldenhaft - und wie glücklich er ist, dass er in den Armen seines "Freundes Harry Potter" sterben darf, ist sooo rührend.
  • Der Kuss zwischen Hermine und Ron kam für mich völlig unerwartet (im Buch küsst Hermine plötzlich Ron vor allen anderen, nachdem er als einziger bei der Schlacht in Hogwarts an die Hauselfen denkt... die Szene im Raum des Basilisken wird dagegen im Buch gar nicht aufgeführt). Trotzdem gefiel mir auch diese Version, in der Ron und Hermine "ihren kleinen Moment" für sich hatten - abseits von allem Trubel und fern der Schlacht von Hogwarts.
  • Den Tod von Bellatrix Lestrange dagegen fand ich reichlich unspektakulär. In den Filmen verkörperte sie für mich das perfekte Böse (fast noch mehr als Voldemort) und jagte mir mit ihrem hysterischen Lachen immer wieder Schauer über den Rücken. Resepekt vor der Schauspielerin Helena Bonham Carter - auch wenn ich ihr nicht im Dunkeln begegnen möchte ;-) Für ihren Tod hätte ich mir einen größeren Kampf erhofft, damit auch einen größeren Triumpf für Molly Weasly, die dank ihrer Mutterliebe siegen kann. Diese Szene wirkte leider sehr dazwischengeschoben, so dass man Bellatrix Lestranges Tod gar nicht richtig "genießen" konnte.
  • Der Tod von Tonks, Lupin und Fred wurde sehr kurz abgehandelt. Ihren Tod, der im Buch mit so viel Trauer daherkam, konnte man im Film kaum richtig greifen, was den Charakteren meiner Meinung nach nicht gerecht wird. Auch die vorherige Wiedervereinigung der Familie Weasley mit ihrem "bekehrten" Sohn Percy hat leider gefehlt - sicher hätte man daraus eine großartige Szene machen können! (aber da die Filme vorher auch wenig von Percy berichtet haben, konnte ich schon verstehen, dass diese Szene zu viel Aufwand gemacht hätte - schließlich hätte man zunächst auch von Percys Abkehr zum Ministerium berichten müssen)
  • Die Szenen mit Snapes Vergangenheit und seinen wahren Gefühlen für Harry (und vor allem dessen Mutter) konnten mich aber wieder vollauf versöhnen. Wunderbar waren die Kindheitsszenen und die aufkeimende Liebe zwischen Snape und Lily umgesetzt (bloß, warum es zum Bruch zwischen ihnen kam, fehlte) und bildeten gleichfalls einen schönen Rückblick auf 10 Jahre "Harry Potter"-Filmgeschichte. Für mich ist Snape damit einmal mehr zum traurigen Helden der Geschichte geworden.
  • Den großen Kampf fand ich auch sehr spektakulär gemacht. Zwar hat sich das ganze etwas gezogen und hätte mit einem größeren "Knall" enden können, doch hielt der Kampf wirklich viele großartige Bilder bereit: das brennende Hogwarts; die Versammlung der Todesser, die mit den Riesen zusammen das Schulgebäude stürzen; die Begegnung mit Dumbledore in der Zwischenwelt; die grausige Stimme Voldemorts, die immer wieder über allen Köpfen erschallt; der kurze Moment, in dem Harry den Stein der Auferstehung in der Hand hält und seine Eltern, Lupin und Sirius sieht, die ihm neue Kraft geben; wenn Hagrid mit dem anscheinend toten Harry wieder nach Hogwarts kommt und natürlich die Szenen mit Neville, der erst mutig Voldemort herausfordert, dabei eine furchtbar bewegende Rede auf Harry hält und später die Schlange Nagini tötet - damit wird er zum wahren Helden.
  • Das Ende (also den Abspann, 19 Jahre nach Voldemorts Tod) fand ich sehr ansprechend gemacht. Zwar sahen die Charaktere nicht wirklich gealtert aus (trotz Föhnfrisur bei Ginny und Koteletten bei Harry *lach*), aber das hat mich kaum gestört. Im Vorfeld hatte ich schon befürchtet, dass sie diese Szene ganz weglassen würden, weil sie zu aufwendig ist und natürlich nichts mehr zu der Geschichte "Harry gegen Voldemort" beiträgt - aber diese Szene hat den Film einfach "rund" gemacht und nochmal zur glücklichen Atmosphäre beigetragen. Das "Alles war gut" - der letzte Satz aus dem Buch - konnte man förmlich spüren. Manche mögen es kitschig finden, aber für mich hat dieser Abschluss den Film perfekt gemacht.
Für eine Auflistung aller Unterschiede zwischen Buch und Filmvorlage möchte ich euch noch das Harry-Potter-Wiki ans Herz legen. Ich konnte hier nicht alle Szenen aufzählen, die mir in diesen beiden wunderbaren Filmen wichtig waren, doch ich hoffe, dass ich euch einen kleinen Eindruck in meine Meinung darüber geben konnte. Alles in allem hielten die Filme für mich eine unglaubliche Spannung bereit - vielleicht liegt dies aber auch daran, dass ich so sehr mit den einzelnen Charakteren mitgefiebert habe, die mir die Jahre über ans Herz gewachsen sind. Da ich gar nicht weiß, wie ich meine Begeisterung über die "Harry Potter"-Reihe und ihre Filme noch in Worte fassen soll, lasse ich zum Schluss einfach ein paar Bilder sprechen:

Harry Potter und der Stein der Weisen

Harry Potter und die Kammer des Schreckens

Harry Potter und der Gefangene von Askaban

Harry Potter und der Feuerkelch

Harry Potter und der Orden des Phoenix

Harry Potter und der Halbblutprinz

Harry Potter und die Heligtümer des Todes, Teil 1

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Teil 2


Ja, jetzt ist es wirklich zu Ende *schluchz* Harry, Ron und Hermine haben mich viele Jahre begleitet, doch mit diesem Film hieß es endgültig Abschied nehmen... Aber bestimmt werde ich mir in einigen Zeitabständen mal wieder die Bücher und Filme zu Gemüte führen. Und freuen kann man sich natürlich noch auf das "Online-Erlebnis" pottermore, für das ich mich bereits vorab registriert habe, und worauf ich sehr gespannt bin:


Sobald mein Zugang geöffnet ist (kann mit Glück schon morgen sein, kann aber auch noch zwei-drei Wochen dauern), werde ich euch auf diesem Blog natürlich darüber berichten. Für alle anderen, die sich noch nicht registriert haben, ist der Zugang ab Oktober frei - und ich bin sicher, dann werden die Leitungen heiß glühen, weil sich alle auf dem virtuellen Hogwarts einschulen lassen möchten ;-)
Wie immer alles Liebe von eurer Bücherdiebin!

Kommentare:

  1. Hey,
    ich teile deine Meinung über die letzten beiden Verfilmungen. Ich fand es zu anfangs auch nicht so toll, dass das Buch gesplittet werden soll, aber letztlich war dies genau die richtige Entscheidung und hat dafür gesorgt, dass die letzten beiden Filme, die einzigen Harry-Potter-Verfilmungen sind, die mir wirklich gefallen haben.
    Deine stichpunktartige Abhandlung kann ich ebenfalls unterstreichen (hab ich selbst ja schon mal alles in meiner Rezi geschrieben). Allerdings finde ich, dass der Tod von Lupin, Tonks und Fred schon wie im Buch dargestellt wird, da wird das nämlich auch mehr nebenbei erwähnt, von daher hat man sich da schon an die Vorlage gehalten. Es wäre aber natürlich schön gewesen, wenn den drei Figuren ein würdigerer Abschied erlaubt worden wäre...
    Auf Pottermore bin ich übrigens auch schon sehr gespannt. Ich hab das mit der vorzeitigen Registrierung leider erst zu spät mitbekommen. Aber ich bekomme jetzt zumindest eine Mail, wenn die Registrierung dann offiziell möglich ist. :)
    LG Lisa

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  2. Ein schöner Beitrag von dir!
    Vor allem toll, die einzelnen Filmausschnitte zu sehen und damit, wie Harry, Ron und Hermione gealtert sind.
    Was den Tod von Fred, Lupin und Tonks betrifft, stimme ich dem Kommentar von Lisa zu. Auch im Buch was das so kurz, aber auch dort war es mir ZU kurz.

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  3. Hallo ihr Lieben,
    gerade habe ich nochmal in meinen Büchern geblättert... und ihr habt natürlich recht, dass der Tod von Fred, Lupin und Tonks dort auch nur sehr kurz beschrieben wird (irgendwie hatte ich das anders in Erinnerung). Im Film kam es meiner Meinung nach aber noch plötzlicher - ich hätte mir wirklich einen würdigeren Abschied gewünscht...
    Heute ist meine Bestätigungsmail von pottermore gekommen: die machen einen wirklich neugierig darauf... irgendwann zwischen Mitte August und Ende September soll es losgehen *hibbel*

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  4. Hi du,
    einen echt schönen Eintrag hast du da geschrieben. Jetzt wo so ziemlich alles zu Ende ist möchte ich auch noch einen schreiben..
    Mir hat es auch gefallen, dass der Film in zwei Teilen gezeigt wurde, da gabs dann mehr zu schauen und man konnte besser auf einzelne Sachen eingehen. Ich will mir gar nicht vorstellen wie das mit einem Teil gewesen wäre. Bestimmt wäre ich enttäuscht gewesen.
    Die Geschichte der Heiligtümer des Todes hat mir auch total gut gefallen. Hat mich dann im nachhinein an das Video von Pottermore erinnert.
    Und das Neville ein Held ist, dem stimme ich dir voll und ganz zu. Ist einer meiner Lieblingsfiguren und ich war richtig froh, dass er mal etwas länger und auch eine bedeutsame Rolle bekommen hat und nicht im Hintergrund stand.
    Von der Szene mit Snape und dem Denkarium war ich begeistert. Ich mochte Snape nie sonderlich und in den Büchern fand ich seinen Tod auch nicht so schlimm aber im Film hatte ich doch Gänsehaut!
    Bei Pottermore konnte ich mich leider nicht anmelden weil ich zu der Zeit ja in London war. Jetzt muss ich leider bis Oktober warten aber du musst umbedingt darüber schreiben.

    Zum Glück waren wir schon auf dem Weg zurück als in London die Krawalle angefangen haben. Wir sind an dem Abend um 8 Uhr abends losgefahren und ich habe es dann erst am nächsten Tag in den Nachrichten gesehen. Ich hatte echt eine tolle Zeit dort und Bilder gibt es auch, heute Abend :)

    Alles liebe Bianca
    PS: warum mein Name nicht angezeigt wird weiß ich grad nicht!!

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  5. Aww, ein wunderschöner Bericht über Harry Potter. :)
    Ich hätte eigentlich noch so viel dazu zu sagen, was ich auch so fand usw. aber ich bin gerade in totaler Zeitnot, deswegen... sorry! :(
    Aber falls du meine Meinung trotzdem dazu hören möchtest, kann du auch meinen Bericht zu HP 7 lesen. :)
    http://schreiberlingsschatztruhe.blogspot.com/2011/07/filmbericht-harry-potter-und-die.html
    Zu Panem noch schnell:
    Ohja, und ob es mir gefallen hat!
    Panem 2 und 3 habe ich auch schon gelesen, die Rezis dazu werden wohl nächste Woche kommen. :)
    Liebe Grüße und bis denne,
    RomeosJuliet

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  6. Hallo liebe Juliet,
    ein wirklich schöner Bericht über die beiden Filme - ich sehe, wir sind an vielen Stellen gleicher Meinung ;-) Nur schade, dass es jetzt für immer vorbei ist :-(
    Hast du dich schon bei pottermore registriert? Das ist momentan noch ein Trost für mich, selbst die Abenteuer in Hogwarts zu erleben! Ich bin sooo gespannt darauf!
    Da warst du aber fix mit den Panem-Büchern! Ich freue mich schon auf deine Rezensionen - bei den Büchern habe ich irgendwie das Gefühl, dass sie doch jeder ein bisschen anders wahrnimmt.
    Liebe Grüße von deiner Bücherdiebin!

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