Montag, 1. August 2011

[Rezension] Gemma Malley - Der Pakt

Auch Schmetterlinge müssen mal fliegen

11. Januar 2140
Mein Name ist Anna.
Mein Name ist Anna und mich sollte es eigentlich gar nicht geben, Ich sollte nicht auf der Welt sein.
Aber es gibt mich trotzdem.
Es ist nicht meine Schuld, dass ich geboren wurde. So etwas kann man sich nicht aussuchen. Doch das ändert nichts an der unangenehmen Tatsache, dass ich existiere.


Anna ist Überschuss. Sie lebt in dem Heim "Grange Hall", um die Sünde, die ihre Eltern begangen haben, indem sie sie zeugten, durch Fleiß und Disziplin wiedergutzumachen. Kinder zu bekommen ist laut dem Pakt von 2080 verboten. Doch Annas Eltern haben sich nicht daran gehalten. Deshalb hasst Anna sie und bemüht sich, eine nützliche Dienerin zu sein - das ist immer noch besser, als eingeschläfert zu werden. Dann kommt ein neuer Überschuss hinzu: Peter. Er ist anders - rebellisch und unerschrocken. Und er kennt Annas Eltern und Annas schmetterlingsförmiges Muttermal. Sie will nichts mit ihm zu tun haben, doch er ist hartnäckig, und Anna beginnt die Regeln infrage zu stellen.

Ganz besonders begeistert haben mich an diesem Buch die Charaktere: Es wird mit Blick auf verschiedene Personen berichtet, so dass ich nicht nur die Gedanken und Handlungen der Protagonistin Anna nachvollziehen konnte, sondern auch alle weiteren Personen absolut logisch und konsequent gehandelt haben - selbst die Antagonisten. Allen voran steht hier die strenge Heimleiterin Mrs Pincent, die man so nicht einfach als "die Böse" abstempeln, sondern zeitweilig sogar Mitleid mit ihr empfinden konnte.

Aus Annas Augen lernen wir zu Beginn diese düstere Zukunftsvision kennen. Ich fand es besonders erschreckend zu lesen, wie Anna selbst akzeptiert, dass sie "Überschuss" ist, dass ihr Leben angeblich ungewollt ist. Als selbstdenkender, aufgeklärter Mensch fällt es zunächst schwer, diese fast selbstzerstörerische Ader von Anna zu akzeptieren, doch da sie die Welt nie anders erlebt hat und in einer solchen Zwei-Klassen-Gesellschaft groß geworden ist, ist ihr Denken abolut schlüssig. Nur durch harte Arbeit und strengste Disziplin kann Anna sich anscheinend selbst mögen.
In starkem Kontrast dazu steht Peter, der später im Buch auftaucht: Durch ihn erfahren wir mehr von der Welt außerhalb des Überschuss-Heims "Grange Hall" und es zeichnet sich eine erste Rebellion ab gegen die Regierung, die diesen Pakt veranlasst hat. Weitere Perspektiven, aus denen berichtet wird, sind z.B. die einer aufbegehrenden Dame aus der Stadt und Annas Mitbewohnerin Sheila, die in dem Heim leben muss, obwohl sie angeblich gar kein Überschuss ist.

Die Liebesgeschichte des Buches beginnt ganz langsam, mit sehr zarten Tönen. In vielen Jugendbüchern ist es momentan Trend, dass die weibliche Hauptfigur zwischen zwei Männern steht (Panem, Twilight, Cassia und Ky ...); mir hat es sehr gefallen, dass dies hier nicht so ist und man sich auf  "eine Liebe" konzentrieren kann, die sich über die weiteren Bücher hoffentlich noch ausbauen wird.
Erschreckend dagegen ist diese Zukunftsvision, in der Kinder - neues Leben! - mit so viel  Schmach behandelt werden. Wie sich alte Menschen an ihr Leben klammern und es keinen Platz mehr für Nachwuchs gibt, liefert viel Stoff zum Nachdenken. Die Regierung hat damit ihr perfektes Druckmittel gefunden, um die Bürger zu versklaven - bekommen diese nämlich ihre Medikamente zur Lebenserhaltung nicht mehr, ist ihnen ein schneller Tod garantiert. Wollen wir wirklich in solch einer Welt leben, auch wenn sie Unsterblichkeit bedeuten kann?

"Der Pakt" ist der Auftakt einer vierteiligen Reihe, auf Deutsch ist bisher noch der zweite Band "Widerstand" erschienen, die weiteren Teile "The Returners" und "The Legacy" sind bisher nur auf Englisch erhältlich. Mir hat "Der Pakt" wirklich Lust gemacht, mehr von dieser Welt zu erfahren! Der zweite Teil liegt schon bereit und ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Anna und Peter - hoffe aber auch, dass Gemma Malley nicht ihr ganzes Pulver schon im ersten Band verschossen hat. 

Ein toller Auftakt einer dystopischen Reihe mit absolut stimmigen Charakteren - für mich einer der besten in diesem Genre! 
9 von 10 Bücherdiebinnen!

Kommentare:

  1. Klingt sehr interessant. Ich denke, das Buch werde ich mir bei Gelegenheit vielleicht mal holen. Vielen Dank für die Rezension!

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  2. Schöne Rezie, habe mir beide Bücher der "Reihe" ganz günstig bestellt und bin jetzt um so gespannter sie lesen zu können.
    LG Jessi

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  3. Hey ihr zwei,
    schön, dass ich euch überzeugen konnte! Das Buch ist auch echt klasse, weiß gar nicht, warum es neben den ganzen anderen Dystopien bisher so untergegangen ist - vielleicht war vor vier Jahren, als es erstmals erschienen ist, einfach noch nicht die Zeit für solch düstere Zukunftsvisionen?! Umso besser, dass es jetzt gerade entdeckt wird :-)
    Ich wünsch euch viel Spaß beim Lesen!
    Eure Bücherdiebin

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  4. schöne Rezi =)
    Werde mir das Buch sicher in Zukunft zulegen ;)

    ☺Nora

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