Mittwoch, 27. Juli 2011

[Rezension] Mirjam Mous - Boy 7

Vertraue niemandem. Nicht einmal dir selbst.

"Ohne Fallschirm aus einem Flugzeug gestoßen werden. In einem Affenzahn mit einem Auto herumrasen, das sich um keinen Preis lenken lässt. Ins tiefe Wasser geworfen werden, obwohl man nie schwimmen gelernt hat. Sich in einer fremden Stadt verirren und niemandem nach dem Weg fragen können, weil alle japanisch sprechen. So fühlt es sich an. Und zwar alles davon gleichzeitig.
Ich wusste nicht, wer ich war, wo ich war und wie ich an diesen verlassenen Ort geraten war."


Boy 7 kommt auf einer glühend heißen kahlen Grasebene zu sich und weiß weder, wohin er unterwegs ist, noch, woher er kommt. Er weiß nicht einmal mehr, wie er heißt. Die einzige Nachricht auf seiner Mailbox stammt von ihm selbst: "Was auch passiert, ruf auf keinen Fall die Polizei." Boy 7 macht sich daran, seine Identität zu klären. Mit Hilfe der gleichaltrigen Lara, die er zufällig kennenlernt, versucht er seine Erinnerungen wiederherzustellen - doch dabei kommen seltsame Ereignisse ans Licht...

Mirjam Mous hat mit "Boy 7" eine interessante Geschichte entwickelt. Zu Beginn möchte man unbedingt Genaueres über den Jungen Nr. 7 erfahren, der sich anscheinend an nichts mehr erinnern kann: Wie ist er auf die einsame Lichtung gekommen? Warum kann er sich anscheinend an nichts erinnern? Was hat es mit der seltsamen Nachricht auf seiner Mailbox auf sich, die er sich anscheinend selbst als 'Erinnerung' hinterlassen hat? Was führen die geheimnisvollen Personen im Schilde, die er scheinbar zufällig getroffen hat? Schon bald aber zeichnen sich erste Hinweise auf eine mögliche Vorgeschichte ab, die dem Leser weitere Rätsel aufgeben. Nach und nach verliert die Handlung dabei jedoch leider an Überzeugungskraft - der anfängliche Krimi entwickelt sich immer mehr zu einem unrealistischen Science-Fiction-Thriller.

Der Stil des Buches ist einfach gehalten, insgesamt kommt man mit dem Geschehen gut mit. Auch wenn es von Kapitel zu Kapitel unglaubwürdiger wird, verfolgt man den Ausgang der Handlung doch mit Spannung. Was mich aber wahnsinnig an "Boy 7" gestört hat, ist ein etwa 100-seitiger Abschnitt, der fast nur aus Tagebucheinträgen besteht. Die Formulierung dieser Einträge ist sehr unrealistisch gehalten, da hier alles Geschehen 1:1 wiedergegeben wird. Zwar rechtfertigt die Geschichte, dass die einzelnen Tage möglichst genau beschrieben werden, doch würde kein Mensch so akribisch Tagebuch führen, dass er jedes "Mmmh..." und jeden Versprecher notieren würde - ein stilistisches Mittel, das mich sehr gestört hat, so dass ich insgesamt froh war, als das Tagebuch wieder von der Bildfläche verschwunden ist.

Das Ende von "Boy 7" driftet dann auch sehr vom anfänglichen Geschehen ab. Mir war die Auflösung rund um den Gedächtnisverlust zu weit hergeholt, die Geschichte schien zu konstruiert, die technischen Mittel zu fortgeschritten, so dass man das Buch höchstens in einer fernen Zukunft ansiedeln könnte. Und nicht zuletzt erschien mir auch der jugendliche Hauptdarsteller etwas zu stark, etwas zu klug und etwas zu mächtig. Jüngere Leser werden an dem Thriller sicherlich ihren Spaß haben, bei allen anderen wird "Boy 7" wohl keine großen Spuren hinterlassen.

Netter Lesespaß für zwischendurch, die 270 Seiten sind schnell gelesen, bleiben aber zu unrealistisch, um wirklich überzeugen zu können. 
5 von 10 Bücherdiebinnen!

Kommentare:

  1. Schöne Rezension. Ich hab das Buch auch gelesen. Ich fand es richtig spannend und toll. Aber Geschmäcker sind halt verschieden.

    Liebe Grüße, Diti

    AntwortenLöschen
  2. Dankeschön :-)
    Ja, ich finde es auch immer interessant, wie die Geschmäcker doch auseinander gehen...
    Liebe Grüße von deiner Bücherdiebin!

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Leute! Was ist die beste Stelle in dem Buch Mit Seiten Zahl bitte

    AntwortenLöschen