Sonntag, 17. Juli 2011

[Rezension] Bodil Bredsdorff
- Die Mädchen aus der Villa Sorrento

Ein Sommer, ein Herbst und ein Winter, ein folgenreicher Frühling 
- und doch wieder ein Sommer!

"Er blies den Zigarettenrauch durch die Nase aus. 
'Da ist noch etwas, das ich dir sagen muss. ... Morgen kommt deine neue Mutter zu Besuch.'
Die Enttäuschung brannte. Nicht darüber, was er gesagt hatte, sondern weil dies der Grund war, weshalb er mit mir zusammen zum Baden gegangen war. Nur um das zu sagen. Und dann war da obendrein noch etwas, das er zu erwähnen vergessen hatte."


Die 12jährige Bella kann sich kaum noch an ihre verstorbene Mutter erinnern, als ihr Vater ihr eines Tages eröffnet, dass eine neue Frau in sein Leben getreten ist. Diese zieht bald darauf zusammen mit ihrer Tochter Elinor zu ihnen in die Villa Sorrento an der dänischen Küste. Die zwei Mädchen, beide im gleichen Alter, könnten unterschiedlicher kaum sein - doch entgegen aller Erwartungen und äußeren Schwierigkeiten freunden sie sich miteinander an und werden schnell unzertrennlich. Doch dann geschieht ein schreckliches Unglück, das die Welt der Familie erneut aus den Fugen reißt...

Der Schreibstil der dänischen Autorin Bodil Bredsdorff ist für diese traurige Geschichte überraschend unsentimental. In kleinen, fast episodenartigen Szenen blickt sie auf ihre Figuren und deren innere Gefühlswelt, verliert sich dabei aber nie in langatmigen Beschreibungen darüber, wie sehr das Leben die Charaktere doch gezeichnet hat etc. - obwohl mehr oder weniger alle Personen in diesem Buch Grund zur Traurigkeit hätten. Stattdessen erzählt die Autorin mit wenigen Worten einzelne Erlebnisse aus dem Leben der Familie, die den Leser auch so auf jeder Seite die allgegenwärtige Traurigkeit erfahren lassen. Durch den Abstand, der so zu Bella und den anderen Personen geschaffen wird, lässt sich die bedrückende Grundstimmung viel besser erspüren. Trotz aller Melancholie handelt es sich bei "Die Mädchen aus der Villa Sorrento" keineswegs um ein depressives Buch; die Charaktere versuchen stets hoffnungsvoll, das Beste aus ihrer Situation zu machen und das Leben allen Widrigkeiten zum Trotz zu genießen.

Ein Hauptaugenmerk des Buches liegt weniger auf der Handlung an sich, als vielmehr auf den Personen und ihrer Gefühlswelt. So charakterisiert die Autorin ihre Figuren mit nur wenigen (dafür genau passenden!) Worten, so dass man sofort ein Bild der jeweiligen Person vor dem inneren Auge hat, ohne sie jedoch genau zu kennen - langatmige Beschreibungen über Frisur, Kleidung, Aussehen und ähnliches wird man hier vergebens suchen, dafür vielmehr einzelne Stichworte zu Verhalten und Handlungen in entscheidenden Situationen. Dies lässt einerseits Spielraum für eigene Interpretationen, schafft aber auch zusätzlichen Abstand zu den Figuren, was die Geschichte ebenfalls davor bewahrt, in Melancholie abzudriften.

Die 12-jährige Bella ist in ihrer forschen, aber zugleich zurückhaltenden Art sicher eine gute Identifikationsfigur für viele gleichaltrige Leserinnen, doch sollten auch Erwachsene ihre Freude an der lebensbejahenden und direkten Art des Mädchens haben. In meinen Augen ist das Buch ganz sicher nicht nur ein Jugendbuch, sondern kann von allen Generationen gelesen werden - die sich dann vielleicht eher in dem gutmütigen Vater oder der eifersüchtigen Tante wiedererkennen und mit Bella an ihre eigene Jugend erinnnert werden.

"Die Mädchen aus der Villa Sorrento" liest sich flüssig und klar, mit seinen 109 Seiten ist es aber leider auch sehr kurz. Schade, dass ich die liebevoll gestalteten Charaktere nicht länger begleiten durfte - ich hatte das Buch bereits nach knapp 1,5 Stunden ausgelesen und hätte gerne noch mehr über die Welt von Bella und Co. erfahren...

Ein kleines und trauriges Buch mit wunderbaren, lebensbejahenden Charakteren. 8 von 10 Bücherdiebinnen!


Vielen Dank an den Verlag Urachhaus sowie Blogg dein Buch für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars - Sie haben mich wirklich auf eine kleine Lese-Perle aufmerksam gemacht! Für alle Interessierten hier noch der Direktlink zum Bestellen...

Kommentare:

  1. Hey,

    ich habe das Buch auch schon gelesen und kann dir in allem recht geben, was du geschrieben hast! Eine tolle Rezension übrigens :) Ich hätte auch so bewertet, wie du! Einen Tipp aus dem Verlag kann ich dir noch geben: "Das Mädchen mit dem goldenen Pinsel" von Marie Bertherat - das Buch ist auch wirklich gut (wenn man historische Geschichten mag)!

    Liebe Grüße

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  2. Hey, freut mich, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast :-) Willkommen!
    Vielen Dank für deinen Buchtipp! Ich werds mir mal genauer anschauen! Schreibst du denn auch noch eine Rezension zu den "Mädchen aus der Villa Sorrento"? Würd mich freuen, deine Meinung zu lesen, auch wenn sie ähnlich ausfallen wird :-)
    Liebe Grüße! Deine Bücherdiebin

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  3. Hmm... vielleicht. Wollte ich eigentlich nicht, aber wenn du so lieb fragst, landet es doch auf meiner "Rezi-Abbau-Liste" :D Wenn ich schon von Listen spreche (ich liebe Listen), kann ich dich auch gleich fragen, ob ich dich auf meiner Seite verlinken darf ("Besondere & lesenswerte Blogs")?
    Liebe Grüße

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