Donnerstag, 2. Juni 2011

[Rezension] Suzanne Collins
- Die Tribute von Panem I: Tödliche Spiele

Mögen die Spiele beginnen!

"Damit es für uns erniedrigend und qualvoll zugleich ist, verlangt das Kapitol, dass wir die Hungerspiele wie ein Fest feiern, ein Sportereignis, bei dem sich die Distrikte miteinander messen. Den überlebenden Tribut erwartet zu Hause ein sorgloses Leben und sein Distrikt wird mit Preisen überhäuft, [...] während alle Übrigen gegen den Hunger kämpfen. 'Eine Zeit der Reue und des Dankes zugleich', predigt der Bürgermeister."


In einem Nordamerika der fernen Zukunft regiert das Kapitol mit eiserner Hand. Die meisten Menschen in den unterjochten zwölf Distrikten kämpfen tagtäglich ums Überleben. So auch die sechzehnjährige Katniss. Sie sorgt dafür, dass ihre kleine Schwester Prim und ihre Mutter nicht verhungern, indem sie unerlaubterweise hinter dem Zaun des Distrikts auf die Jagd geht. Doch der Hunger ist nicht die größte Bedrohung: Jedes Jahr werden die „Hungerspiele” ausgetragen, eine Art Gladiatorenkampf. Aus jedem Distrikt werden dafür ein Mädchen und ein Junge zwischen zwölf und sechzehn Jahren ausgelost. Und dieses Jahr trifft es Prim. Doch Katniss geht für ihre Schwester in den grausamen Kampf, der so lange dauert, bis nur noch einer von den vierundzwanzig „Spielern” am Leben ist. Das ist furchtbar genug, doch zu allem Überfluss ist einer von Katniss’ Gegnern ausgerechnet Peeta, der ihr schon einmal das Leben gerettet hat...

"Tödliche Spiele" hat mich sehr mitgenommen. Suzanne Collins stellt uns eine düstere Zukunftsvision Amerikas vor. Nach zahlreichen Kriegen und Naturkatastrophen ist der Kontinent, wie wir ihn kennen, vollständig zerstört. Überall regieren Rohstoffmangel und Hungersnot das tägliche Leben, zudem leben die Menschen unter der stetigen Kontrolle durch das Kapitol. Zur "Unterhaltung" des Volkes, aber auch, um es immer wieder daran zu erinnern, dass die Regierung die Macht über alle Bewohner besitzt, werden die grausamen Hungerspiele veranstaltet. Sie sind ein Spektakel für das Volk, das sie sensationslüstern verfolgt und die 24 Jugendlichen, von denen nur einer überleben kann, wie Helden feiert. Suzanne Collins hinterfragt damit die Wertvorstellungen unserer Zeit: Immer wieder haben mich die Spiele auf eine überzogene Art an "Big Brother" und ähnliche TV-Formate erinnert, die mit der Sensationslust ihrer Zuschauer spielen. Hier regt das Buch wunderbar zum Nachdenken an: Als Leser muss man sich im Grunde in die gleiche Situation wie die lüsternen Bewohner des Kapitols begeben, da man ja selbst gebannt den Ausgang der Hungerspiele mitverfolgt und damit das Sterben 23 unschuldiger Menschen... Dies führt unweigerlich zu der Frage: Würde man sich anders als die sensationsgierigen Bewohner Panems verhalten oder würde man auch zuschauen, weil es alle machen? Diese Selbstreflektion sorgt in meinen Augen für das große Potential des Buches.

Die Ich-Erzählerin Katniss ist eine nüchterne Betrachterin des Geschehens. Trotz aller Grausamkeit wirken die Hungerspiele durch ihre Augen beschrieben überraschend sachlich, scheinen ein Teil der Normalität zu sein. Da sie vor den Kameras keine (wahren) Emotionen zeigen will, wirkt sie andererseits aber auch sehr berechnend. Als Leser weiß man nicht so genau, was man von der aufkeimenden "Liebesgeschichte" mit ihrem Mitstreiter Peeta halten soll. Hier würde ich mir in den nächsten Teilen ein wenig mehr Tiefgang wünschen.

Es dauert recht lange, bis die Geschichte an sich Fahrt aufnimmt. Die ersten 200 Seiten ist die Autorin damit beschäftigt, uns zunächst die Welt vorzustellen und dann auf die Hungerspiele vorzubereiten. Die eigentlichen Spiele beginnen erst in der zweiten Hälfte des Buches. Trotzdem habe ich mich beim Lesen nie gelangweilt und die gut 400 Seiten innerhalb eines Wochenendes ausgelesen. Das lag vor allem an den detailreichen Beschreibungen der Autorin, wie die Bewohner dieser ungeheurlichen Welt tagtäglich ihr Leben meistern. Über allem steht die Frage: Wie konnte es nur soweit kommen? Wie ist diese Welt bloß entstanden?

Das Buch ist in sich abgeschlossen, zwar gibt es einen Cliffhanger am Ende der Geschichte, der jedoch in meinen Augen nicht so drastisch ausgefallen ist wie in vielen anderen Trilogien. Es ist eher der Wunsch, noch mehr über diese schreckliche Welt der Zukunft erfahren zu wollen, der mich dazu treibt, (möglichst bald!) die beiden Nachfolgebände der Trilogie - "Gefährliche Liebe" und "Flammender Zorn" - zu lesen. 

Ein spannendes Buch, ein furioser Auftakt für die "Panem"-Trilogie!
8 von 10 Bücherdiebinnen!


Kommentare:

  1. Bald bald ist diese Trilogie bei mir auch dran *freu*

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  2. LOL, hat ja auch gewisse Vorteile, wenn die gesamte Trilogie schon erschienen ist :-) Ich gucke jetzt immer in der Bücherei, ob sie den 2. Teil "Gefährliche Liebe" dahaben... ist aber ständig ausgeliehen *humpf*
    Schön, dass dir "Die Auswahl" auch so gut gefallen hat wie mir! Da müssen wir ja noch länger warten, bis alle Bände erschienen sind...
    Fröhliches Lesen!

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  3. „Die Tribute von Panem“-Trilogie will ich auch noch lesen. Das teilweise aber auch nur, weil ich versuchen will den Hype nachzuvollziehen.

    Ganz nebenbei: Ich habe dir einen Award verliehen, ich hoffe du freust dich darüber (http://irgend-wo.blogspot.com/2011/06/und-gleich-zwei-auf-ein-mal.html)!

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  4. Ich will das Buch auch endlich lesen und schaue schon immer im Onlinekatalog der Bücherei danach und heute wars da und ich bin gleich losgefahren, als ich dann da war wars leider schon wieder weg. Hab mich richtig aufgeregt weil ich so viel Positives höre und es endlich selbst lesen möchte :)
    Liebe Grüße
    Bianca

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  5. Nein wie lustig, genauso geht es mir auch! Nur jetzt eben mit dem 2. Teil... Gibt es bei euch in der Bücherei die Möglichkeit, Bücher vorzumerken? Bei uns kann man das machen, kostet dann aber 2 Euro extra. Das finde ich schon ganz schön teuer, zumal es bei uns schon eine Jahresgebühr von 18 Euro gibt... Außerdem hab ich hier noch so viele schöne andere Bücher, aber man will jetzt natürlich wissen, wie es weitergeht ;-)

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  6. Ja, soetwas gibt es bei uns auch. Das habe ich schon bei dem Buch was ich jetzt lese "Die Auswahl" gemacht weil diese Bücher einfach immer weg sind. Bein uns kostet vormerken 1 Euro. Ich überlege es mir immer gut und heute habe ich gedacht das umgehen zu können aber hat ja leider nicht geklappt.
    Finde es aber auch teuer, da ich noch Schülerin bin muss ich noch keinen Beitrag zahlen aber wenn ich im September meine Ausbildung in der Bücherei anfange kommt das auch auf mich zu. Ich werde mir das Buch jetzt auch vormerken und dann warten, den Euro ist es mir wert. Ich bin einfach zu gespannt auf die Bücher

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  7. Ja, das kenn ich, kaum sind die guten Bücher zurückgegeben, hat sie schon der nächste in den Finger ;-)
    Ausbildung in einer Bücherei ist ja klasse! Da sitzt du sozusagen direkt an der Quelle! Könnte ich mir auch gut vorstellen, den ganzen Tag so zwischen den Büchern *träum*

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  8. Ich war früher auch ein großer Bücherei Fan --> damals habe ich noch in einer Stadt gewohnt mit der "besten Bücherei Deutschlands" :) zumindest bei den Kleinstädten oder so...jetzt bin ich umgezogen und kann diese kleinen Dorfbüchereien nicht leiden! Die haben doch nur Bücher aus dem letzten Jahrtausend :( aber klar, auc nicht so viel Geld...leider!
    Also tausche ich nun fleißig :) Der zweite Teil von Panem ist bei mir auch bald dran!!! Freu mich schon!!!

    Übrigens, eine sehr schöne Seite hast du dir augebaut!!

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  9. Danke für dein Kompliment, dyabollo :-)

    Du hast natürlich recht, die Büchereien aus den kleinen Dörfern bieten für unseren "jungen" Geschmack meist nicht viel, da kann man dann eher die gesammelten Bände von Rosamunde Pilcher aus den 80er Jahren leihen :-)
    Ich wohne in einer größeren Stadt, die hat eine topmoderne Bibliothek. Z.B. haben sie dort von jedem Panem-Band gleich 5 Exemplare... Und auch sehr viele Neuerscheinungen, so dass man immer gut stöbern kann.
    Tauschen ist aber natürlich auch eine gute Alternative!

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