Donnerstag, 16. Juni 2011

[Rezension] Manfred Mai (Hrsg.)
- Das Literatur-Lesebuch

 Deutsche Literatur aus 10 Jahrhunderten

"Das Literatur-Lesebuch lädt ein auf eine Reise durch die deutsche Literaturgeschichte. Aus über zehn Jahrhunderten hat Manfred Mai mit Sorgfalt Texte ausgewählt, die jedem Leser den Zugang zu großen Autoren und Autorinnen öffnen und zeigen, wie Literatur sein kann: tragisch, komisch, dramatisch, abenteuerlich, skurril und immer wieder voller Wahrheit."


Vielleicht sollte ich eins vorwegsagen: Dieses Buch hat eine längere Zeit (ca. 2 Monate) bei mir auf der Toilette zugebracht, bis ich es durchgelesen habe, doch immer wieder habe ich auf diesem stillen Örtchen gern in Manfred Mais Sammlung literarischer Texte geblättert. Dies soll also keine Abwertung des Buches sein, haben sich in meinem Bad doch schon Sarah Kuttner, Bastian Sick und die Gebrüder Grimm getummelt! Für mich also durchaus ein würdevoller Ort für ein Buch - und eben auch ein Buch, das man oft zum Blättern in die Hand nehmen kann! Das aber nur am Rande ;-)

Manfred Mai stellt uns in seinem "Literatur-Lesebuch" eine ganze Auswahl an literarischen Werken vor. Er beginnt mit dem obligatorischen Minnelied "Dû bist mîn" und endet im Jahre 2002 bei Jana Hensels "Zonenkinder". Der Schwerpunkt dieser Literatur aus zehn Jahrhunderten liegt aber eindeutig auf den vergangenen 200 Jahren. Es werden Gedichte, kurze Anekdoten, aber vor allem Auszüge aus den großen Werken der Weltliteratur vorgestellt. Liebevoll illustriert wurde das Buch mit vielen farbigen Zeichnungen von Stefanie Harjes.

Eine Bewertung des Gesamtwerkes fällt natürlich schwer. Von den einzelnen Geschichten und Gedichten wird der eine Autor mehr, der andere weniger überzeugen können. Auch das Buch an sich kann weder einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben noch darauf, dass es uns einen bestimmten Kanon näherbringt - dafür ist es einfach zu knapp. Vielmehr wird eine bunte Mischung aus ernsten und komischen Werken bekannter Autoren präsentiert, die Lust auf mehr machen sollen. Fast alle Texte wurden in Szene gesetzt von Stefanie Harjes, deren markante, oft abstrakte Bildern in Erinnerung bleiben.

Die meisten Werke, die in diesem Buch vorgestellt werden, kannte ich zwar schon, freute mich aber trotzdem, den Texten, Gedichten oder Theaterstücken wiederzubegegnen. Oft war es dabei auch interessant, welche bestimmte Passage Manfred Mai aus einem Buch ausgesucht hat - nicht selten waren besondere Schlüsselszenen anzutreffen wie etwa die "Ringparabel" aus Lessings "Nathan der Weise". Ich bin aber auch über einige sehr schöne unbekannte Texte z.B. von Marie Luise Kaschnitz gestoßen, habe festgestellt, dass ich vielleicht doch lieber die Finger von Hesses "Steppenwolf" lassen sollte, was schon lange auf meiner Leseliste stand, dafür mir lieber einmal die "Buddenbrooks" von Thomas Mann anschauen sollte, um die ich bisher (wohl auch wegen ihrer großen Seitenzahl) einen Bogen gemacht habe. Dies macht für mich den großen Reiz des Buches aus: Man kann in viele Werke (auch die, die man nicht sofort selbst in die Hand nehmen würde!) kurz hineinschnuppern und einen ersten Eindruck über Stil und Sprache des jeweiligen Autors bekommen. Und wenn ein Buch es schafft, uns neugierig auf die Weltliteratur zu machen, so kann ich es nur weiterempfehlen!

Ein schönes Buch zum Stöbern. 7 von 10 Bücherdiebinnen!

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