Samstag, 25. Juni 2011

Kurzkritik zur Literaturverfilmung:
"Der goldene Kompass"

"Der goldene Kompass" ist die Verfilmung des gleichnamigen Buchs von Philip Pullman. Es ist der erste Teil seiner Trilogie um "His Dark Materials" - die anderen Teile sind allerdings bisher noch nicht verfilmt und es wird aktuell auch nicht geplant, dies nachzuholen.

Alle Informationen zum Inhalt sowie meine ausführliche Kritik zum Buch findet ihr hier.

Es ist eine fantastische Welt, in die uns "Der goldene Kompass" entführt: Ein jeder Mensch besitzt einen Daemon - ein Tier, das seine Seele verkörpert und ihn auf Schritt und Tritt begleitet. Im Film tummeln sich daher Katzen, Vögel, Affen, Schmetterlinge, Löwen und vieles anderes Getier, was einen Großteil der Stimmung ausmacht - da diese Tiere ihre "Besitzer" durchweg charakterisieren und dem Zuschauer einen ersten interessanten Eindruck der jeweiligen Person vermitteln.

Für die Verfilmung wurden viele Änderungen an der Buchvorlage vorgenommen: die schwerwiegensten sind wohl die Vorgeschichte des Bären Iorek, die Auflösung, wie Lyra von ihren Eltern erfährt, sowie viele zeitliche Abläufe, die umarrangiert wurden. Der Film endet schließlich schon einige Kapitel vor dem eigentlichen Buchende - angeblich, um einen größeren Cliffhanger für den zweiten Teil zu erzielen, der nun aber nicht mehr gedreht wird. Ob die vielen Änderungen für das Verständnis oder die Spannung des Films zuträglich sind, ist schwer zu sagen, mich haben die Unterschiede an einigen Stellen eher verwirrt, da ich sie permanent mit dem Buch abgeglichen habe.

Aus dem Schauspiel-Ensemble sticht besonders Nicole Kidman als undurchsichtige und gefühlskalte Mrs. Coulter hervor. Schon in den Büchern hat mir diese ambivalente Person am besten gefallen, wenn man sich auch nicht gerne in ihre grausame Nähe begeben würde. Aber auch die anderen Charaktere wie Lyra, Lord Asriel oder Serafina Pekkala sind passend besetzt. Ein weiterer besonderer Charakter ist sicherlich der Eisbär Iorek Byrnison, durch den ich im Film überzeugend die Welt der Panserbjørne kennenlernen durfte.

Das große Manko des Films ist allerdings die Geschwindigkeit, in der die recht komplexe Geschichte erzählt wird. Viele Zusammenhänge (die im Buch schon nur dürftig erklärt werden) fehlen im Film vollständig und rauben ihm seine innere Logik. Dadurch meint man durchgängig, etwas von der fantasievollen Geschichte verpasst zu haben. Mit dem nötigen Hintergrundwissen aus den Büchern kann man dies vielleicht verschmerzen, für sich allein genommen erklärt der Film leider viel zu wenig von dieser unbekannten Welt.

Trotz der aufgeführten Mängel hätte ich gerne im Kino erlebt, wie die beiden Nachfolgebände der Trilogie "Das magische Messer" und "Das Bernstein-Teleskop" durch die Augen eines Regisseurs aussehen würden, denn hier werden noch weitere magische Charaktere wie die Mulefa und die Gallivespier eingeführt, deren Darstellung sicherlich interessant gewesen wäre. Auch der Wandel zwischen den Welten und der Kontrast zwischen den vielen Kulturen, die sich noch in "His Dark Materials" tummeln, wäre sicher eine Augenweide geworden. Da der Film in Amerika - wohl aufgrund seiner kritischen religiösen Haltung - nicht genügend Geld eingespielt hat, wird uns die Verfilmung des zweiten und dritten Teils aber entgehen. Leider! 

Ein großes Fantasy-Spektakel mit tollen Bildern und eindrucksvollen Effekten, das für gute zweistündige Unterhaltung sorgt, aber die Tiefe des Buches vermissen lässt.


Hier der Trailer für euch:

Kommentare:

  1. Vielleicht sollte ich doch mal zum Buch greifen. Den Film fand ich ganz nett, aber besonders Lyra konnte ich überhaupt nicht leiden, weshalb mich die Geschichte nicht weiter gereizt hat. Aber wenn der Film die Handlung auch noch so komprimiert, lohnt sich der Blick ins Buch vielleicht doch. LG

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  2. Hey Friedelchen, die Bücher sind auf jeden Fall einen Blick wert! Die Welt, die uns darin gezeigt wird, ist wirklich fantastisch und ich möchte das Erlebnis nicht mehr missen, auch wenn ich einige Kritikpunkte an der Trilogie hatte...
    Ob dir die Buch-Lyra jedoch sympathischer sein wird als die Film-Lyra kann ich nicht so ganz einschätzen, da cih beide recht gerne mochte.
    Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Spaß, wenn du dich entschließen solltest, die Bücher zu lesen! LG!

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