Montag, 6. Juni 2011

[Rezension] Cordula Stratmann
- Sie da oben, er da unten

Tot. Durch Dieters Hand.

"So was hatte sie sich immer völlig anders vorgestellt. Spektakulärer. Außergewöhnlicher. Auf jeden Fall länger. Und nun war es ihr selbst passiert. Nun lag sie da tot im Flur und fragte sich, wie es dazu gekommen war, dass Dieter sich beim Erwürgen so geschickt anstellte. Ruckzuck war das gegangen. Und mit welcher Kraft! Der untrainierte Dieter! Der Ich-müsste-mal-was-Sport-machen-Dieter! Ein Wortgefecht, sie macht eine Bemerkung, die sie jetzt schon wieder vergessen hat, da springt ihr der Dieter an den Hals und sie kann noch nicht mal mehr ihre Haare richten."


Um eines gleich vorwegzusagen: Bei diesem Buch handelt sich um kein literarisches Meisterwerk. Das war mir von vornherein bewusst und ich habe es auch nie gelesen, um hier eine Höchstwertung zu vergeben. Ich wollte mich auf ein nettes Buch für zwischendurch einlassen und ein bisschen unterhalten werden. Und das tut das Buch auch ganz wunderbar: Cordula Stratmann spricht, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, und genauso schreibt sie auch! 

Worum geht es? Sabine ist eine nervige Ehefrau, die an allem etwas auszusetzen hat. Als sie es mal wieder zu bunt treibt, greift ihr Ehemann zum einzigen Ausweg: Er legt ihr die Hände an die Gurgel und bringt sie um! Aus zwei getrennten Persepktiven erfährt der Leser, wie es mit den beiden weitergeht. Sabine berichtet von ihrem Tod, über den Weg in die Gerichtsmedizin bis in den Himmel, wo es wirklich himmlisch zugeht: Sie bezieht ein Haus in direkter Nachbarschaft zu Hildegard Knef, lernt bald Jesus und Patrick Swayze kennen und kann sich ein besseres Leben kaum mehr vorstellen. Dieter hingegen plagen unten auf der Erde erste Gewissensbisse: War seine Tat vielleicht doch zu vorschnell? Wie soll er jetzt ohne seine Frau klarkommen? Als er sich der Polizei stellen will, wird er jedoch ausgelacht - niemand traut ihm dort einen Mord zu! Und so lernt Dieter wieder die Freuden des Single-Daseins kennen...

An vielen Stellen ist das Buch unglaublich lustig. Es lebt vom Wortwitz und den flinken (sehr lustigen!) Assoziationen, die typisch sind für Cordula Stratmann. Wer sie schon einmal im Fernsehen gesehen und gehört hat, wird sie in diesem Buch wiedererkennen. Wenn sie als Sabine schreibt, könnte man meinen, sie selbst spricht zu uns. Doch auch die Rolle des trotteligen Dieters gelingt ihr gut!
Die Autorin nimmt aber nicht nur ihre eigenen Helden gehörig auf die Schippe, auch die Prominenten (die lebenden wie die toten) müssen in "Sie da oben, er da unten" viel aushalten können. Über alle wird gelästert, Iris Berben, Til Schweiger, Veronika Ferres, Patrick Swayze und Heinrich Böll, um nur mal ein paar "Opfer" zu nennen. Wollte sich Cordula Stratmann da etwa mal an ihren Kollegen rächen? Aber nicht nur diese werden durch den Kakao gezogen: Auch die Beschreibungen des Himmelreichs und vor allem der Person Jesus sind - nunja - für strenge Christen nicht unbedingt geeignet. 

Das Ende des Buches hätte ich mir lustiger erhofft, die Pointe, auf die die ganze Zeit hingearbeitet wird, ist meiner Meinung nach eine Nummer zu klein ausgefallen. Das Buch ist keine Weltliteratur und man wird den Inhalt sicher schnell wieder vergessen haben, aber für die kleine Strandlektüre zwischendurch kann ich es uneingeschränkt empfehlen.

Lustig, kurzweilig, unspektakulär. Genau so, wie es sein soll. 
5 von 10 Bücherdiebinnen!

Kommentare:

  1. Hat das Buch ein Ende? Es hört einfach mitten im Erzählen auf!

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    1. Naja, so würde ich das jetzt nicht sagen. Die eigentliche Geschichte ist ja abgeschlossen ... die Protagonistin hat ab sofort eben eine ganz besondere Zukunft vor sich ...

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