Freitag, 20. Mai 2011

[Rezension] Jonathan Tropper
- Sieben verdammt lange Tage

"Man heiratet, um einen Verbündeten gegen seine Familie zu haben."

"Er war kein perfekter Vater", sagt Mom streng, "aber wir werden seinen letzten Wunsch respektieren. Wir alle. Bestimmt werden wir uns auf die Nerven gehen, aber für die nächsten sieben Tage seid ihr wieder meine Kinder. Und ihr habt Hausarrest!"
Nach einer eleganten Pirouette auf ihren Pfennigabsätzen lässt sie sich auf einen der niedrigen Stühle sinken. "Also, worauf wartet ihr?" 


Das Oberhaupt der Familie Foxman ist gestorben. Der letzte Wille des Vaters: Die Familie soll Shiwa sitzen, die jüdische Totenwache - sieben Tage lang. Und so kommt es, dass auch Judd sich auf den Weg in sein Elternhaus macht. Gerade hat er seine Frau verlassen, weil er sie in flagranti mit seinem Chef im Ehebett erwischt hat, da passt es ihm gar nicht, dass er nun auch noch seine nervigen Geschwister Wendy, Paul und Phillip nebst Partnern wiedersieht. Hält es die Familie - allen voran die dominante und freizügige Mutter - doch selten länger als ein paar Stunden miteinander aus, so ist sie nun eine ganze Woche lang gezwungen, am Totenbett des Vaters Wache zu halten. Konflikte sind vorprogrammiert, während die großen und kleinen Geheimnisse der Foxmans ans Licht kommen...

Ich war sehr gespannt auf das Buch: Eine zerstrittene Großfamilie, die es kaum einen Tag zusammen aushält? Klingt wie aus dem wahren Leben! Lauter schrullige Charaktere mit einer gemeinsamen (verkorksten) Kindheit? Wird bestimmt spaßig! Diese jetzt eine Woche lang zusammen in ein Haus einsperren? Spannendes Experiment! Leider konnte das Buch meine Erwartungen nur zum Teil erfüllen. Manche Szenen waren wirklich lustig und wirkten wie aus dem wahren Leben einer Großfamilie gegriffen, andere Szenen dagegen wirkten einfach nur platt und aufgesetzt.

Die Charaktere wurden meiner Meinung nach zu undifferenziert dargestellt, am Anfang kommt man nicht richtig mit, wer eigentlich wer ist, und wenn man dies später geklärt hat (ich habe mir dazu einen kleinen Familienstammbaum hinten ins Buch gemalt...) wirken die Charaktere trotz allem recht eindimensional. Der Protagonist Judd ist ein sympathischer Mann, dem das Leben übel mitgespielt hat. Identifizieren möchte man sich jedoch weder mit ihm noch mit irgendeiner anderen Person aus dem Buch - dafür sind insgesamt alle zu schräg drauf. Dies hat es für mich schwierig gemacht, wirklich mit den Personen mitzufühlen. Was das Buch dann leider wirklich unglaubwürdig macht: Im Laufe der Geschichte hat fast jeder mit irgendwem Sex, kaum ein Kapitel vergeht, ohne dass über "es" geredet wird. Die Mutter ist derart freizügig, dass man sich nur noch fremdschämt und die "Kinder" scheinen es mit der Treue alle nicht so genau zu nehmen. Das Ende hat man dann auch irgendwie vorhergesehen. Mein Fazit: Wenn ihr gerade nichts besseres im Bücherregal stehen habt, lest es, ansonsten gibt es so viele bessere Bücher!
 
Mäßig spannende Familienbande mit ein paar Gags und sehr viel Sex. 
4 von 10 Bücherdiebinnen!


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