Samstag, 14. Mai 2011

[Rezension] James Dashner
- Die Auserwählten I: Im Labyrinth

Sein Name ist Thomas. An mehr kann er sich nicht erinnern.

Auftakt der "Maze-Runner-Triology":
Teil 1: The Maze Runner / Im Labyrinth
Teil 2: The Scorch Trials
Teil 3: The Death Cure
 
(die weiteren dt. Titel stehen noch nicht fest)

"Es war alles zuviel - wo war er? Was war dieser Ort? War es ein Gefängnis? Wenn ja, warum war er dann hier und für wie lange? Die Jungen sprachen eine seltsame Sprache und schienen sich einen Dreck darum zu kümmern, ob er lebte oder nicht."


Der 16jährige Thomas kann sich an nichts mehr erinnern, als er eines Tages auf einer abgelegenen Lichtung aufwacht. Dort trifft er etwa 50 weitere fremde Jungen, die - ebenso wie Thomas - alle ihr Gedächtnis verloren haben. Niemand weiß, warum sie hier sind, ob sie Teil eines Experiments sind oder zu welch anderem Zweck sie hierher gebracht wurden. Ein Entkommen scheint unmöglich: Die Lichtung ist ringsum von meterhohen Steinmauern umgeben, die in ein riesiges undurchdringliches Labyrinth führen. Die mutigsten Jungen - die sogenannten "Läufer" - versuchen Tag für Tag einen Ausweg daraus zu finden. Doch in dem Labyrinth leben todbringende Kreaturen, die Erinnerungen an ein schreckliches früheres Leben ans Tageslicht bringen...

Die Geschichte des Buches ist unglaublich spannend. Die ganze Zeit wird der Leser von Fragen umgeben, auf die sich zunächst keine Antworten finden lassen: Warum landen die Jugendlichen auf der Lichtung? Wer hat sich dieses tödliche Labyrinth ausgedacht? Was ist mit der Welt "da draußen" passiert? Warum können sich die Jugendlichen an nichts erinnern? Diese Ungewissheiten verleihen der Geschichte ein unglaubliches Tempo; man liest weiter und weiter, weil man unbedingt die Antworten auf die vielen Fragen herausfinden möchte. Dem Autor gelingt es, viele eindrucksvolle Bilder im Kopf seines Lesers zu erzeugen: an das erschreckende Labyrinth wird man sich wohl noch lange erinnern können, ebenso an die grausamen Monster, die darin wohnen. Die Atmosphäre auf der Lichtung hat etwas sehr Beklemmendes, so dass man die beängstigende Situation, in der die Jugendlichen sich befinden, jederzeit gut nachfühlen kann.

Doch leider habe ich auch einige Kritikpunkte:
Sehr gestört hat mich an diesem Buch die Sprache. James Dashner versucht, einen jugendlichen Sprachstil zu imitieren, was aber meiner Meinung nach nicht funktioniert. Natürlich sprechen Jugendliche (und Erwachsene auch!) in unvollständigen Sätzen und benutzen umgangssprachliche Wörter - aber will ich das in einem Buch lesen? Außerdem herrscht auf der Lichtung eine eigene Sprache, in die man sich erst hineinfinden muss. Worte wie "Klonk" (bedeutet etwa "Scheiße") oder "Neppdepp" (bedeutet etwa "Idiot") sind an der Tagesordnung und verwirren den Leser anfangs mehr, als dass sie eine besondere Atmosphäre aufbauen.
Der Protagonist Thomas ist in meinen Augen zu allmächtig geraten. Er landet auf einer Lichtung, die schon seit zwei Jahren von anderen Jugendlichen bewohnt wird, will aber gleich in die Gruppe der "Läufer" - der mutigen Erkunder des Labyrinth - aufgenommen werden. Sein "Gefühl" sagt Thomas an vielen Stellen, wie er handeln sollte - z.B. auch, dass er gleich zu Beginn mit einigen der Stärksten aus der Gruppe in eine Auseinandersetzung gerät. Selbst wenn es hierfür einige Erklärungsansätze im Buch gibt, so scheint mir Thomas noch immer zu stark und zu wissend im Vergleich zu den anderen Jungen.
Auch nicht gefallen hat mir, dass der Leser an einigen Stellen bevormundet wird. Oft lässt James Dashner z.B. die Charakterzüge der Jugendlichen nicht für sich sprechen, sondern lässt Thomas wiederholt sagen "Soundso ist sympathisch... soundso ist unsympathisch...". Als Leser möchte ich mir lieber eine eigene Meinung über das Geschehen bilden - und diese wäre auch ohne die Kommentare des Protagonisten ähnlich ausgefallen.

Trotz dieser Kritikpunkte konnte die Spannung im Buch vieles wiedergutmachen. James Dashner hat es mit dem Start seiner "Maze-Runner-Triology" geschafft, eine dystopische Welt mit eindrucksvollen Bildern einzuführen, die einen nicht mehr so schnell loslassen. Viele Fragen sind am Ende offen geblieben, so dass der Leser unbedingt wissen will, wie es mit Thomas und den anderen weitergeht!

Packende Endzeitgeschichte mit einigen Mängeln, die man aber aufgrund der sogartigen Spannung schnell verzeihen kann. 7 von 10 Bücherdiebinnen!



"Augmented Realitiy Game":
Auf dem Buchdeckel wird geworben: Dieses Buch kann mehr: Mit Augmented Reality Game! Halte es vor die Webcam und navigiere durch das tödliche Labyrinth!
Was sich dahinter verbirgt, wollte ich natürlich gern testen. Auf der Rückseite des Buches befindet sich ein Codefeld in Form eines Labyrinths, mit dem man das Spiel steuern kann. Auf der Homepage des Verlags ruft man die entsprechende Seite auf, schaltet die WebCam ein und los gehts: Durch das Drehen des Buches vor der Kamera steuert man ein kleines Männchen durch ein Mini-Labyrinth, auf das man von oben draufschaut. Schafft man dies in einer bestimmten Zeit, so kommt man ins nächste Level mit einem etwas schwierigeren Labyrinth. Alles relativ unspektakulär - was daran tödlich sein soll, weiß ich auch nicht. Ich hatte eher gehofft, dass man sich durch ein richtiges Labyrinth arbeiten soll, bei dem vielleicht auch mal ein Monster vor die Kamera springt, das aber auf jeden Fall mehr mit dem Buch gemeinsam hat... Das Spiel werde ich wohl nicht nochmal ausprobieren, aber ich will ja schließlich auch ein Buch lesen und nicht damit spielen ;-) Nette Idee, aber leider schlecht umgesetzt.

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