Freitag, 15. April 2011

[Rezension] William Goldman - Die Brautprinzessin

S. Morgensterns klassische Erzählung von wahrer Liebe und edlen Abenteuern. Die Ausgabe der "spannenden Teile".

"Fechten. Ringkämpfe. Folter. Gift. Wahre Liebe. Hass. Rache. Riesen. Jäger. Böse Menschen. Gute Menschen. Bildschöne Damen. Schlangen. Spinnen. Wilde Tiere jeder Art und in mannigfaltigster Beschreibung. Schmerzen. Tod. Tapfere Männer. Feige Männer. Bärenstarke Männer. Verfolgungsjagden. Entkommen. Lügen. Wahrheiten. Leidenschaften. Wunder."


William Goldman stellt uns sein Lieblingsbuch "Die Brautprinzessin" vor, das der florinesische Autor Simon Morgenstern einst geschrieben hat: Das Buch handelt von der wunderschönen Bauerntochter Butterblume und dem Stalljungen Westley, die unsterblich ineinander verliebt sind. Um sich und seiner Geliebten ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen, zieht Westley los nach Amerika, wo er glaubt, genügend Geld verdienen zu können. Schon bald erhält Butterblume aber die Nachricht, dass ihr Liebster von dem "Greuelpiraten Roberts" überfallen und getötet wurde. Als da der Prinz Humperndick um ihre Hand anhält, willigt sie ein - auch wenn sie ihn nie lieben wird. Doch bevor es zur Hochzeit kommt, wird Butterblume von drei irren Typen - einem Sizilianer, einem Türken und einem Spanier - entführt, die ein ganz eigenes Spiel treiben. Und auch Humperndick entpuppt sich nicht als der nette Thronfolger, der er vorgibt zu sein. Eine spannende Verfolgungsjagd mit wilden Schwertkämpfen, fantastischen Zaubereien, gefährlichen Tieren und der ganz großen Liebe beginnt...

Bevor es mit Butterblume richtig losgeht, erklärt William Goldman in seinem Vorwort zunächst, wie er als Kind einst tagelang durch eine Krankheit ans Bett gefesselt war und die Geschichte der "Brautprinzessin" von seinem Vater vorgelesen bekam. Da ihm das Buch damals so viel bedeutet hat, setzt er nun Himmel und Hölle in Bewegung, um seinem Sohn ein Exemplar dieses geliebten Buches zum Geburtstag zu schenken. Doch der findet es - langweilig.
Zum ersten Mal nimmt Goldman das Buch selbst in die Hände und muss leider feststellen, dass sein Sohn vollkommen Recht hat. Morgenstern beschreibt in epischer Breite die florenesische Natur, erzählt über 60 Seiten von den Hochzeitsvorbereiten Butterblumes und Humperndicks und füllt ganze Textpassagen mit ausschweifender Kritik am politischen System Florins - also nichts, an dem der geneigte Leser einer Abenteuergeschichte auch nur das geringste Interesse hätte. Eine Lösung ist schnell gefunden: William Goldman beginnt, die "Brautprinzessin" zu kürzen, so dass nur noch die "spannenden Teile" übrig bleiben, die ihm sein Vater vor Jahren vorgelesen hatte. An die Stellen, die er überspringt, setzt er jeweils einen bissigen Kommentar zu Morgensterns Erzählweise und erklärt, was auf den nun folgenden 20, 40, 60 oder 100 Seiten Wichtiges passiert (meistens nicht so viel). Und diese Version halten wir, die Leser, nun in den Händen.

Natürlich ist alles an dieser Geschichte fiktiv: der Autor Simon Morgenstern ebenso wie sein 1000-seitiges Epos "Die Brautprinzessin", die Schilderungen aus Goldmans eigenem Leben, angefangen bei der rührenden Geschichte um seine erste Begegnung mit der "Brautprinzessin", über seinen fetten und desinteressiertem Sohn, bis hin zu einem Treffen mit Stephen King, der das Buch Jahre später verfilmen möchte; von der Geschichte rund um Butterblume natürlich ganz zu schweigen. Dabei gelingt es Goldman auf einzigartige Weise, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Die Geschichte rund um Butterblume, Westley und Prinz Humperndick ist spannend, witzig, voller Action und Magie und vor allem: sehr satirisch! Denn bei den Kommentaren Goldmans, wenn Morgenstern angeblich wieder in öde Landschaftsbeschreibungen abschweift, musste ich oft auflachen, was mir beim Lesen eher selten passiert - wirklich großartig! Und auch Morgensterns bissige Schreibweise hat es in sich - man lese nur den ersten Absatz:
"In dem Jahr, als Butterblume geboren wurde, war die schönste Frau der Welt ein französisches Küchenmädchen namens Annette. Annette arbeitete in Paris für den Herzog und die Herzogin von Guiche, und es entging der Aufmerksamkeit des Herzogs nicht, dass jemand Außergewöhnliches ihnen die Zinnteller putzte. Die Aufmerksamkeit des Herzogs wiederum entging nicht der Aufmerksamkeit der Herzogin, die weder sehr schön noch sehr reich, aber enorm gescheit war. Die Herzogin machte sich daran, Annette zu studieren, und schnell fand sie die tragische Schwäche ihrer Gegnerin heraus. Schokolade."
Die Charaktere sind so liebevoll gestaltet, dass man sich noch lange an sie erinnern wird. Die wunderschöne Butterblume, die meist etwas dümmlich daherkommt; der fiese Prinz, der so gern Krieg führen möchte, und sein treuer Graf Rugen, der den Schmerz der Menschen studiert; der tapfere Westley, der so einiges durchmachen muss; und das flotte 3er-Gespann (der verschlagene Sizilianer, der ängstliche Riese Fezzik und der furchtlose Fechter Inigo, die alle eine eigene Hintergrundgeschichte besitzen) - auf die ein oder andere Weise hat man sie alle in sein Herz geschlossen.
Einzig die Einleitung und das Vorwort zum "1. Kapitel der lange verschollenen Fortsetzung 'Butterblumes Baby'", die man jedoch beide unbedingt zum Verständnis der Geschichte lesen sollte, haben sich etwas gezogen - vielleicht bringt da mal jemand die "spannenden Teile" heraus ;-)

Ein Buch, das so klug, so witzig und so wahr ist, dass man es immer wieder in die Hand nehmen kann. 9 von 10 Bücherdiebinnen!

Kommentare:

  1. Hallo,
    ich stöbere gerade ein bisschen in deinen alten Rezensionen und da habe ich die hier entdeckt!
    (mal sehen, ob du den Kommentar hier überhaupt findest...)

    Ich habe das Buch noch nicht gelesen, ich kenne nur den Film ("Die Braut des Prinzen"), den fand ich früher richtig, richtig toll. Kennst du den auch?

    Deine Rezi und der Buchauszug klingen ganz so, als sollte ich das Buch auch endlich mal lesen...

    lg,
    Neptun

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  2. Hey Neptun, na klar finde ich deinen Kommentar, Blogspot schickt mir immer eine Mail, wenn es was neues gibt (sonst hätte ich schon ein heilloses Durcheinander auf meinem Blog angerichtet...) Jetzt hoffe ich nur, dass du auch meinen Kommentar hier wiederfindest ;-)
    Das Buch solltest du definitiv lesen, es ist wirklich besonders und ich würd es auch nicht mehr hergeben wollen! Den Film kenne ich auch, allerdings nicht von früher... ich habe ihn gesehen, nachdem ich letzten April das Buch gelesen habe. Heutzutage wirkt er schon ein bisschen angestaubt, aber insgesamt hat er mich gut unterhalten! Ich habe auch eine Kurzkritik dazu veröffentlicht, falls du mal schauen magst: http://diebuecherdiebin.blogspot.com/2011/05/kurzkritik-zur-literaturverfilmung-die.html
    Lieben Gruß von deiner Bücherdiebin!

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  3. Ich stöbere gerade in deinen Rezensionen und bin dabei auf diese hier gestoßen. Deine Sidebargadget macht es einem da aber auch einfach!
    Das Buch klingt wirklich interessant :) Habe ich mir gleich mal aufgeschrieben.

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  4. Toll, dass ich dich für das Buch begeistern konnte! Ich glaube, "Die Brautprinzessin" ist so ein Klassiker, den jeder mal gelesen haben sollte ;-)
    Und freut mich zu hören, dass jemandem die Sidebar geholfen hat - die HTML-Schnipselei ist jedesmal nicht ganz ohne *lach*

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