Freitag, 25. März 2011

[Rezension] Ally Condie
- Cassia und Ky I: Die Auswahl

Das System sagt, wen du lieben sollst - aber was sagt dein Herz?

"Der Monitor piept, und eine Stimme wiederholt: »Cassia Reyes, die Gesellschaft freut sich, Ihnen Ihren idealen Partner vorzustellen.«
Mir bleibt fast das Herz stehen, und ich traue meinen Augen kaum. Wieder erscheint ein Gesicht auf dem Monitor vor mir.
Aber es ist nicht Xander. 

[...] Ich verstehe das nicht. Die Gesellschaft macht keine Fehler. Aber was kann es anderes sein?"


Ally Condies erster Teil einer Trilogie entführt uns in eine Welt der Zukunft, in der nichts mehr dem Zufall überlassen wird: Eine Gesellschaft bestimmt, was wir essen, welche Bücher wir lesen, wann wir sterben - und eben auch, in wen wir uns verlieben. Wer gegen die Regeln verstößt, der wird gnadenlos von seinem Umfeld ausgegrenzt. In diesem System wächst die junge Cassia wohlbehütet und ohne Sorgen heran. Als sie an ihrem 17. Geburtstag die Daten ihres zukünftigen Partners überreicht bekommt, erscheint auf ihrem Mikrochip für einen kurzen Moment nicht das Bild ihres Auserwählten, sondern Ky, ein Freund aus Kindheitstagen. Cassia beginnt, das angeblich so perfekte System zu hinterfragen...

Was mich an diesem Buch besonders fasziniert hat, ist die Darstellung einer Welt, die in allen Belangen von der sogenannten "Gesellschaft" bestimmt wird. Manchmal wünscht man sich in der heutigen unübersichtlichen Welt fast etwas mehr Ordnung und ein System, auf das man sich verlassen kann. Doch "Die Auswahl" zeigt, wie furchteinflößend eine solche Welt wäre, die die Menschen derart in ihrer Lebensqualität einschränkt. Cassia lebt in diesem System, das zwar Sicherheit und Bequemlichkeit bietet, dafür aber keine freie Entwicklung zulässt. Faszinierend, wie z.B. beschrieben wird, wie die Gesellschaft den Tod einer jeden Person im Alter von 80 Jahren arrangiert, wie über den späteren Arbeitsplatz der Jugendlichen bestimmt wird oder wie die Freizeitaktivitäten genaustens geregelt werden. Erschreckend dagegen die Beschreibungen der Überwachung, die Ausgrenzung sogenannter "Anomalien" - Menschen, die sich dem Sytem widersetzt haben -  oder auch die Zerstörung jeglicher alter Traditionen. Gerade diese Schilderungen haben mich viel nachdenken lassen: Ist diese (scheinbar ideale) Welt möglich? Befinden wir uns schon auf dem Weg dahin?

Das Buch erinnerte mich sehr an dystopische Klassiker wie "1984" von George Orwell (das System überwacht jeden einzelnen Bürger) oder "Fahrenheit 451" von Ray Bradbury, das ich erst vor kurzem gelesen habe (Bücher werden vernichtet und Menschen, die dagegen aufbegehren, ebenfalls), das Ganze in einer Variante für jugendliche Leser. Die Liebesgeschichte zwischen Cassia und Ky, die natürlich heimlich im Schatten des Systems abläuft, nimmt leider gegen Ende eine etwas zu überraschende Wendung, die mich (noch) nicht ganz überzeugen konnte. Ich bin aber sehr gespannt, wie es mit den beiden weitergehen wird, und freue mich schon auf den nächsten Teil der Trilogie, wenn man Cassias Aufbegehren gegen das System weiter miterleben darf. 

Ein fesselndes Buch, das in einer erschreckenden Zukunft spielt.
8 von 10 Bücherdiebinnen!


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